Der Landkreis Erding gilt in der Umgebung Münchens als eher ungebildet. Die Akademikerquote ist geringer als anderswo, und das Streben nach einem höheren Schulabschluss ist weniger stark ausgeprägt als im Süden Münchens. In Erding betonen Politiker gerne, wie wichtig ihnen die Absolventen der Mittelschulen sind. Und sie ehren sie für ihre Leistungen. Es soll ein Hinweis sein an all jene, die ebenfalls diesen Weg eingeschlagen haben: Wir schätzen euch. Wir honorieren eure Leistung. Und wir würden uns freuen, wenn ihr euch für eine Lehre im Handwerk entscheidet. Auch in der Politik finden sich viele mit Wurzeln in Berufen fernab der Welt der Akademiker. Gotz ist Gerber, Bayerstorfer ist Landwirt.
Das heißt aber noch lange nicht, dass man nicht auch in Erding ganz speziellen Interessen nachgehen könnte - zum Beispiel der Archäologie. Mucksmäuschenstill verfolgten knapp hundert Zuhörer beim Sommersymposium den teilweise etwas mühsam vorgetragenen Referaten junger Studenten über mehrere Jahrhundert alte Stofffitzelchen und über ungewöhnlich sortierte Knochen in Gräbern. Spannende Fragen wurden aufgeworfen: War der Mann, in dessen Grab Sporen gefunden wurden, ein Ritter? Oder hatte er sich die Sporen nur im übertragenen Sinne verdient? Dass sich so viele Menschen an einem schönen Samstagnachmittag stundenlang in ein Museum setzen, um diesen Vorträgen zu lauschen, das nötigt auch einem Professor wie Bernd Päffgen Bewunderung ab. Es ist aber nicht der einzige Fall von ungezügelter Bildungswut: Wie eine Granate eingeschlagen hat das Angebot "Literatur im Park". Nicht einmal der OB ergatterte ein Sitzplätzchen im Grünen Klassenzimmer im Stadtpark, als am Mittwoch der frühere Lehrer Hermann Bendl Gedichte vorgelesen hatte. Auch die Aussicht auf einen Vortrag aus dem Werk des mittelhochdeutschen Dichters Walther von der Vogelweide hielt die Erdinger nicht davon ab, sich eng aneinander gekuschelt auf die Bänke zu pressen. Es heißt, Bendl hätte auch etwas Gesang in seinen Vortag eingebaut. Schon am nächsten Mittwoch haben die Erdinger die nächste Gelegenheit, ihren Bildungshunger zu besänftigen: Um 15.30 Uhr heißt es am 3. August wieder "Literatur im Stadtpark". Sabine Koppe trägt bayerische Gedichte vor.