Wenn Menschen die Arbeit von Maschinen verrichten, macht das die Dinge kompliziert. Man denke nur an den Polizisten, der sich an der Kreuzung verrenkt und wie ein Pantomimenkünstler den Verkehr dirigiert, weil mal wieder die Ampel ausgefallen ist. In manchen Dingen ist die Maschine dem Mensch überlegen. Im Erdinger Eisstadion war das neulich zu hören.
Patrick Tischer ist seit fast 20 Jahren Stadionsprecher der Eishockeymannschaft des TSV Erding. Aus dieser Zeit kann er nur von friedlich-freundlicher Koexistenz mit der elektronischen Anzeigentafel berichten: Er sagte die Namen der Spieler, Torschützen und Vorlagengeber durch, mal euphorisch, mal mit gesenkter Stimme, je nach Spielstand. Sie zählte die Minuten und Sekunden, addierte verlässlich die Strafzeiten und trötete, wenn ein Drittel zu Ende war. Doch vor zwei Wochen war plötzlich alles anders: Da entschied die Stadionuhr, fortan nicht mehr zu funktionieren. Und Tischer musste ihren Part übernehmen. Nun ist Eishockey ein rasanter Sport, in dem es jederzeit auf die Sekunden auf der Anzeigentafel ankommt. Weil dort nun gar nichts mehr stand, musste Tischer immerzu reden: Die letzten Sekunden jeder Strafzeit ansagen, die letzten Sekunden jedes Drittels im Countdown. Er saß gestresst in seiner Sprecherbox, vom Spiel bekam er gar nichts mehr mit, doch er mimte tapfer die menschgewordene Maschine. Als zum Drittelende die Sirene erklingen sollte, die im Eishockey in etwa so klingt wie ein Schiffshorn auf Speed, lautmalte er: "Drei, zwei, eins - öööööh!" Seine Freunde spotteten, er habe wie Benjamin Blümchen geklungen. Wie ein melancholischer, mit dieser Welt voller perfekt funktionierender Maschinen unzufriedener Herr Blümchen vielleicht. Tischer selbst lacht darüber, er findet, er habe eher geklungen wie die untergehende Titanic. Symptomatisch.
Gute Nachrichten also, dass der Hersteller aus Südtirol die Anzeigentafel inzwischen repariert hat. Beim nächsten Erdinger Heimspiel ist sie wieder im Einsatz. Zu Tischers Ehrenrettung sei gesagt, dass kein Verkehrspolizist schöner getrötet hätte - und seinen eigentlichen Job auch in den nächsten 20 Jahren keine maschinelle Ansagerin übernehmen wird. Ein Stadion ist ja keine U-Bahn.