Mitten in Dorfen Da brat uns einer nen Storch

Das Weißstorchenpärchen ist eigentlich gern gesehen, doch blöd nur, wenn der Kamin, auf dem sie ihr Nest gebaut haben, aufgrund der derzeitigen Temperaturen trotzdem befeuert wird

Von THOMAS DALLER

Seit Mitte März ist es wieder da, das Dorfener Weißstorchenpärchen. 2016 haben sie auf einem Schreinereikamin an der Buchbacher Straße ein Nest gebaut, das man vom beliebten Isen-Vilstal-Radweg aus gut beobachten kann. Das ganze Frühjahr über hat man beim Vorbeifahren immer wieder einen Blick darauf geworfen, ob vielleicht ein kleines Storchenküken aus dem Nest schaut. War aber leider nicht der Fall, die beiden Störche blieben vorerst kinderlos. Nun sind sie wieder da und stehen natürlich sofort wieder unter Beobachtung.

Für Aufregung sorgt jetzt ein Foto, das auf Facebook veröffentlicht worden ist und einen Storch in dem Nest zeigt, eingehüllt in eine Wolke aus Rauch oder Dampf. Offenbar ist der Kamin in Betrieb genommen worden und man hat dem Storch Feuer unterm Hintern gemacht. Die Kommentare unter dem Foto schwanken zwischen mitfühlend und gehässig. Es sei halt ein "moderner Storch, der hat Fußbodenheizung" schreibt einer, "geräuchert hält er sich länger", ein anderer, "Ämter und Behörden sind informiert" ein Dritter. Aber was wissen Ämter und Behörden tatsächlich? Bei der Dorfener Polizei heißt es, auf dem Kamin sei bereits im vergangenen Jahr ein Überbau angebracht worden, so das der Rauch nicht durch das Nest abziehe, sondern seitlich daran vorbei. "Aus polizeilicher Sicht ist das unbedenklich", konstatierte Dienstgruppenleiterin Pfaffenzellner. Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt traut man dem Braten jedoch nicht so ganz: Die Veterinäre waren nach Auskunft von Landratsamts-Pressesprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer gestern vor Ort. Sie wollten prüfen, ob sich in dem Nest bereits ein Ei oder ein Jungtier befindet und die Gefahr besteht, dass die Elterntiere durch den Rauch vertrieben werden. Das Ergebnis stand gestern bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Auf alle Fälle will die Behörde den Landesbund für Vogelschutz beratend hinzuziehen. Deren Kreisvorsitzender Sascha Alexander kennt diese Überbau-Konstruktion und meint, grundsätzlich sei das kein Problem, wenn dort mal kurz eingeheizt werde. Anders sehe es aus, wenn sich tatsächlich bereits ein Ei oder ein Jungvogel im Nest befinde und die Elternvögel länger vom Nest wegbleiben. Ein Ei könne es nur eine halbe Stunde ohne Wärme aushalten, ein Jungvogel maximal ein paar Stunden. "Jetzt müssen wir die Daumen drücken", sagte Alexander. Aber angesichts der nasskalten Witterung werde es ohnehin ein schlechtes Jahr für junge Störche werden.