Kinder sind - je nach Ansicht - ein Quell der Freude oder gemeingefährliche Artenschutzgefährder. Kein Scherz. Die Marktgemeinde Wartenberg will einen Waldkindergarten einrichten und folgt damit dem Wunsch vieler Eltern, die ihre Kinder gerne in Verbundenheit zur Natur aufwachsen sehen wollen. Einen Kindergartenträger hat man schon gefunden, einen Standort auch, das Gelände der Klinik Wartenberg. Der Bauantrag für eine kleine Holzhütte (ja, auch dafür braucht es einer Genehmigung) ist beim Landratsamt eingereicht, die Verträge sind geschlossen. Mitte Januar soll es los gehen.
Doch es gibt einen Haken: Für diesen klitzekleinen Waldkindergarten mit maximal zwanzig (!) Kindern muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Ein Fall für die Untere Naturschutzbehörde. Kinder, die in der Natur rumrennen? Schön und gut, aber bitte nicht dort, wo laut Artenschutzkartierung Schwarzspechte, Baumpieper und Fichtenkreuzschnabel leben. Kinder und Vögel. Geht das? Passt das zusammen? Auf Wunsch der Behörde soll eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung klären, ob die "tatbestandliche Voraussetzungen der Verbotstatbestände erfüllt sind".
Auf gut Deutsch: Wenn die Kinder in ihrem Drang, ihre natürliche Umwelt zu erkunden, den Piepmätzen auf den Geist gehen, dann sollen sie doch bitte lieber im Haus bleiben und die Vögel im Internet angucken. Und am besten auch jeder Patient der Klinik, der meint, dort ein bisserl Abstand vom Klinikbetrieb und Ruhe zu finden und den Vögeln zu lauschen. Es ist zu befürchten, dass auch Katzenbesitzer bald die Auflage erhalten, ihre Stubentiger auch als das anzusehen: nur in der Stube zu halten und ja nicht in die Natur zu lassen. Katzen sind nämlich noch gefährlicher für Vögel. Die Freigänger jagen zudem aus reinem Zeitvertreib - gegessen wird daheim. Hoffentlich sagt das keiner der Unteren Naturschutzbehörde.