Mitten in der Region Schluss mit Fast-Fashion

Ständig neue Klamotten kaufen, ist nicht gut für den Planeten. Aber nicht alle Mittel zur Beschaffung gebrauchter Kleidung sind legal.

Kolumne von Andreas Junkmann

Wir leben eigentlich in ganz guten Zeiten. Hierzulande mangelt es uns an nichts, der Wohlstand ist allgegenwärtig, und Sorgen muss man sich nur um Dinge machen, über die man sich auch wirklich Sorgen machen will. Klar, mit der Erde geht es zunehmend den Bach runter. Aber das ist für einige Menschen ja gar nicht so schlecht. Immerhin ist man dadurch in der komfortablen Lage, sich schon durch kleine Gesten als großer Klimaretter aufzuspielen.

Kleider-Sharing ist da so ein Beispiel. Selbst wenn man mit seinem bis oben hin vollgeladenen Straßenpanzer mit durchgedrücktem Gaspedal auf dem linken Fahrstreifen zum Flughafen donnert, um gerade noch so den Billigflieger Richtung Mallorca zu erwischen - wenn die Flamingo-Shorts und das pinke Designerpolo von einer Plattform wie Kleiderkreisel stammen, kann man all das mit seinem Öko-Gewissen recht gut vereinbaren. Schließlich rückt die sogenannte Fast-Fashion, also die Massenproduktion von Billigkleidung, unserem Planeten immer mehr zu Leibe - und ist ein nicht unwesentlicher Faktor beim menschengemachten Klimawandel.

Als da wäre etwa der abnormal hohe Wasserverbrauch, der bei der Herstellung von Klamotten anfällt. Ganz zu schweigen von den giftigen Pestiziden und Düngern, mit denen die Baumwollbauern ihre Pflanzen regelmäßig malträtieren, und den Chemikalien, die bei der Produktion im Trinkwasser landen. Ach ja, Menschen werden dabei auch noch im großen Stil ausgebeutet. Und dann muss das ganze Zeug natürlich auch noch über die halbe Welt zu uns nach Europa verfrachtet werden.

"Da mach ich nicht mehr mit", muss sich deshalb ein Mann gedacht haben, der für sich selbst einen Schlussstrich gezogen hat. Er wird bis zu seinem Lebensende kein Bekleidungsgeschäft mehr betreten. Dafür hat er nun vorgesorgt und sich zwei komplette Container voll Altkleider organisiert - zu 100 Prozent recycelt sozusagen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der potenzielle Planetenretter dabei nicht ganz legaler Mittel bedient hat. Die Container standen nämlich ganz rechtmäßig auf einem Supermarktparkplatz, ehe sie der Mann weniger rechtmäßig abtransportiert hat. Und auch wenn er damit seine persönliche Öko-Bilanz deutlich aufbessert, die Polizei ist ihm jetzt trotzdem auf den Fersen.