Mitten in der Region:Novum in der Vereinsgeschichte

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Legendäre Siege gibt es nicht nur im High-End-Sport, sondern auch und vor allem ganz unten

Glosse von Alexander Kappen

Man kennt sie ja, die großen Meilensteine der deutschen Sportgeschichte. Am 12. Juni 1930 etwa, da wurde Max Schmeling als erster Deutscher Weltmeister im Profiboxen. 1985 gewann Boris Becker als 17-Jähriger das weltweit renommierteste Tennis-Turnier in Wimbledon und ist dort bis heute der jüngste Sieger aller Zeiten. 2002 schaffte Skispringer Sven Hannawald den Grand Slam bei der Vierschanzentournee und gewann als erster Athlet überhaupt alle vier Springen. 2004 sicherte sich Michael Schumacher seinen siebten Formel-1-Weltmeister-Titel. Ein Rekord, den er - inzwischen zusammen mit Lewis Hamilton - bis heute hält.

Und nun hat also auch der EV Aich seinen Eintrag in den Annalen des Sports. Sonntag, 9. Januar 2022, Bezirksliga Bayern, Gruppe 3. Die Reserve des EHC Waldkraiburg empfängt den EV Aich - und was sich da entwickelt, ist "ein Spiel für die Geschichtsbücher", wie die Aicher hinterher auf ihrer Facebookseite schreiben. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte - oder: "in der 45-jährigen Aicher Eishockey-Historie", wie der EVA selbst schreibt - endet ein Spiel nach regulärer Spielzeit 0:0. Dass Torhüter Jo Pfafferott seinen ersten Shutout feiert und Jannis Gabler später im Penaltyschießen mit seinem ersten Tor für den EVA den Siegtreffer erzielt, macht die Dreifach-Premiere an diesem Abend perfekt.

Doch das Bemerkenswerteste bleibt das torlose Unentschieden nach 60 regulären Spielminuten. Während ein gepflegt-langweiliges 0:0 im Fußball zum Standardrepertoire gehört, ist so eine Torflaute im tempo- und actionreichen Eishockeysport die große Ausnahme. Das kommt dort in etwa so selten vor, wie wenn eine Mannschaft den Tabellenführer in Grund und Boden spielt und mit 8:1 aus der Halle schießt - um nur drei Tage später das Rückspiel mit exakt demselben Ergebnis zu verlieren. Gelungen ist dieses Kunststück, ebenfalls am vergangenen Wochenende, dem Aicher Stadtrivalen EV Moosburg. Irgendwie hatte also auch der EVM sein Spiel für die Geschichtsbücher. Dass sie das hinterher in der Kabine gefeiert haben wie einen Vierfachtriumph bei der Vierschanzentournee oder den sensationellen Wimbledonsieg eines 17-Jährigen, ist eher nicht anzunehmen. Außer beim Gegner Dingolfing vielleicht.

Der trägt seine Heimspiele übrigens in einer Eishalle aus, die nach Marco Sturm benannt ist. Und der schrieb als Trainer des deutschen Nationalteams mit dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 ebenfalls Sportgeschichte. Dagegen verblasst sogar ein 0:0 gegen ein Waldkraiburger 1-b-Team in der Bezirksliga fast ein wenig. Aber nur fast.

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