Mitten in der Region Kalt, warm, Wiesn

Der September ist nicht nur in diesem Jahr ein meteorologische Phänomen, auch die Wiesn will einfach kein Oktoberfest sein

Von Karin Kampwerth

Vom April ist man das ja gewöhnt: Dieser Monat macht munter, was er will. Mal lässt er es schneien, wie man sich das an Weihnachten gewünscht hätte. Und einen Tag später haut die Frühlingssonne Temperaturen raus, die selbst den Hochsommer neidisch machen. Ein Wettersalat, der an einem Tag nach Glühwein schreit und am nächsten nach Eistee.

Ein bisschen weiter im Jahreslauf nun schickt sich der September an, ein kleiner April zu werden. So richtig entscheiden kann er sich nicht, ob er lieber noch ein bisschen Sommer oder doch schon ein ordentlicher Herbst sein möchte. Das ist das meteorologische Phänomen. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch das modische Problem, das so mancher Landkreisbürger zwischen den Jahreszeiten kaum zu lösen vermag. Gut zu beobachten zum Beispiel in der Kassenschlange im Supermarkt. Ganz vorne steht die Kundin im ärmellosem Top und barfuß in Sandalen. Hinter ihr ein junger Mann mit Pelzkragen an der wattierten Jacke. Im Büro kommt die eine Kollegin mit Wollstrumpfhose ins Meeting, die andere zeigt in luftiger Bluse noch stolz ihre Urlaubsbräune.

Wie gut, dass mitten in diese kleidungstechnische Unsicherheit die Wiesn platzt. Auch wenn das Volksfest seinem Namen nach dem September vorgaukelt, dass es längst Oktober ist, ist es doch 18 Tage lang Garant für einen jahreszeitlich korrekt ausgeführten Dresscode. Dirndl und Lederhosn gehen schließlich bei jedem Wetter.