Mitten in der Region Hauptsache kühl

Wenn es dem Storch zu heiß wird, bespritzt er seine Beine mit flüssigem Kot. Das darin enthaltene Wasser entzieht dem Körper beim Verdunsten Wärme

Kolumne von Claudia Wessel

Von Tieren kann man lernen. Katzen etwa haben eine solche Naturbegabung im entspannten Rumliegen, dass man meinen könnte, sie seien alle wiedergeborene Buddhas. Hunde machen sich über ihr eigenes Leben null Gedanken, geben einfach alle Verantwortung an Herrchen oder Frauchen ab. Vögel lassen sich von der Schwerkraft nicht einschränken und fliegen davon, wenns ihnen irgendwo nicht mehr taugt. Überhaupt Tiere: Alles, was der Mensch sich erst mühsam anzueignen versucht in Yoga- und Meditationskursen, Anti-Stress-Trainings oder Achtsamkeitsseminaren, können sie längst und leben mir nichts, dir nichts ganz entspannt im Hier und Jetzt.

Angesichts der Hitzewelle fühlt sich nun der Bayerische Jagdverband berufen, ebenfalls auf ein gewisses Entspannungspotential der Tiere hinzuweisen. Entgegen dem Zweibeiner nämlich nehmen sie es nicht so genau mit Hygiene und Sauberkeit und genießen dies auch noch. Während also der Mensch sich mit Deostiften und Duschmarathons abquält, nutzen einige Tiere eher naturgegebene Mittelchen. Der Storch mag seinen Sonnenschutz "lieber anrüchig", teilt der in Feldkirchen sitzende Jagdverband mit. Der Vogel bespritze seine Beine bei hohen Temperaturen mit flüssigem Kot. Das darin enthaltene Wasser entziehe dem Körper beim Verdunsten Wärme, so die Erläuterung der Jäger. Auch Hirsch und Wildschwein bräuchten Abkühlung, zur Erfrischung suhlten sie sich an heißen Tagen in matschigen Pfützen. Die dicke Schlammkruste am Körper sei gleichzeitig ein perfekter Mückenschutz.

Wem diese Verhaltensweisen doch ein wenig zu entspannt sind, der kann dem Wetter mit etwas Zauberei aus Japan zu Leibe rücken. Dazu bastelt man eine kleine geisterartige Puppe aus Tüchern, eine teru teru bozu, und stellt sie auf die Fensterbank. Ändert sich daraufhin das Wetter tatsächlich nach Wunsch, besprenkelt man die Puppe mit Sake und wirft sie in den nächsten Fluss. Auch wer mit dem Wetter zufrieden ist, kann die Geisterpuppe verwenden: Man hängt sie dann einfach kopfüber auf und es bleibt heiß.