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Auf den Straßen tobt der Fasching - Zeit, sich über sein Essen Gedanken zu machen

Von Kerstin Vogel

Es gibt Tage, da erreichen einen auf den diversen Kanälen der modernen Kommunikation rund um die Uhr quasi zeitgleich so viele interessante Nachrichten, spannende Botschaften und wichtige Mitteilungen, dass man fast einen übergeordneten Plan dahinter vermuten könnte, irgendeine Absicht des Universums, alles aufregender zu gestalten, das gemeine Leben aufzupimpen, vielleicht gar den Lauf der Welt zu beschleunigen. Nicht so indes dieser Tage, wo der Fasching in den Straßen tobt. An einem dieser überwiegend nachrichtenarmen Tage drängt sich plötzlich ein Thema in den Vordergrund, mit dem so nicht zu rechnen war: Essen, das man nicht auf dem Teller haben will.

Beispiel 1: das Ismaninger Kraut. An sich schon nahezu ausgestorben, soll es nun als "Slow Food" wieder kultiviert werden und ist von einer gleichnamigen Bewegung dieser Tage zum schützenswerten Lebensmittel ernannt worden. Allerdings räumt ein an dem Vorgang beteiligter Professor folgenden Sachverhalt unumwunden ein: "Man kommt nicht so ohne weiteres drauf, dass es sich beim Kraut um ein Genussprodukt handelt." Hatte wohl einen Grund, die Sache mit dem nahezu Aussterben.

Beispiel 2: die Schwarzwurzel. Irgendein Obst und Gemüse-Internetportal preist via Pressemitteilung unter der Überschrift "Renaissance einer verkannten Diva" die gute, alte Schwarzwurzel als "Spargel des kleinen Mannes", als "großen Genuss" und "riesige Bereicherung der saisonalen Küche im Winter" an - auch wenn die Verfasser im nächsten Satz ungefragt zugeben, dass dieses Gemüse "auf den ersten Blick eher aussieht wie ein Stück Holz" und sich auch auf den zweiten Blick eher "zäh und widerspenstig" präsentiere.

Während man sich noch fragt, warum man so etwas essen sollte, erfährt man, dass sich das Zeug wohl unter Einsatz von Hilfsmitteln wie Zitrone und Gummihandschuhen tatsächlich doch auch zu einem Lebensmittel verarbeiten lässt - und als Heilmittel unter anderem gegen Schlangenbisse hilft. Immerhin.

Vielleicht könnte die Praktikantin jetzt Krapfen holen?