Mitten im Landkreis:Vergesslicher Yoda

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In der S-Bahn lassen die Menschen manchmal merkwürdige Dinge liegen.

Kolumne von Iris Hilberth

Wer schon einmal etwas in der S-Bahn vergessen hat, weiß wie ärgerlich das sein kann. Möglicherweise merkt man den Verlust kurz nach dem Aussteigen, doch da ist das Ding schon auf dem Weg zur nächsten Haltestelle und danach weiß Gott wohin. Nachtelefonieren ist oft mühsam, meist auch zwecklos. Manchmal sogar ein bisschen unangenehm. Dabei muss es sich gar nicht mal um intime oder eigenwillige Gegenstände handeln, wie etwa in Cottbus, wo eine Motorsäge und ein Abgasanalysegerät unter den Fundsachen waren. Auch ein Kartoffelsalat kann peinlich sein.

Es ist zwar schon viele Jahre her, dass die mit viel mütterlicher Liebe zubereitete Beilage für das Schulfest in der Bahn liegenblieb. Ärgerlich war damals nicht nur, dass es so keinen Kartoffelsalat zur Wurst gab, sondern dass die - aus mütterlicher Sicht - beste Tupperschüssel verloren ging. Um ein Nachtelefonieren bei der Bahn kam man nicht herum, aber die Anfrage stieß auf wenig Verständnis. Bei der Hotline fühlten sie sich veräppelt.

Klar: Mützen, Schals und Jacken, Schlüssel jeglicher Art, Taschen und Schirme sind die Klassiker, die in Bussen und Bahnen liegen bleiben. Jeder versteht, dass man leicht ohne diese Dinge aussteigt. Bei Gebissen, Hörgeräten und Elektrorollstühlen fragt man sich dann schon, wie das passieren konnte. Als das Fundbüro der Berliner S-Bahn vor ein paar Jahren umzog, fanden sich bei der Bestandaufnahme außerdem eine Bowlingkugel, ein großer Fernseher in Originalverpackung, ein Katzenbett, ein XXL-Rollator und eine 750-Meter-Drahtrolle. Am Münchner Hauptbahnhof stapeln sich gefundene Yogamatten, Gitarren und Goldfische.

In der S-Bahn zum Flughafen im Erdinger Moos hat kürzlich jemand etwas liegen gelassen, ohne das er noch wesentlich mehr in Erklärungsnot geraten wird als durch das Verschusseln einer Tupperschüssel mit Kartoffelsalat. Es was schon sehr spät am Donnerstagabend, da blinkte etwas grün im vorderen Wagen der S8 zwischen Ismaning und Unterföhring. Ein Laserschwert! Star-Wars-Fans wissen: Das ist die wichtigste Waffe überhaupt. Aber weit und breit kein Yoda, kein Luke Skywalker oder sonst irgendein Jedi in Sicht, dem das Schwert hätte gehören können. Das wird Ärger zu Hause geben.

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