Mitglieder springen ab Baugemeinschaft gibt auf

Pro Erding hat sich aufgelöst, weil vielen der Grundstückspreis im Südlichen Thermengarten zu hoch ist. Münchner Team würde neue Gemeinschaft unterstützen, im Rathaus denkt man ebenfalls nach

Von Regina Bluhme, Erding

Aus der Traum: Die Baugemeinschaft Pro Erding wird nicht im Baugebiet Südlicher Thermengarten bauen. Der Verein hat sich aufgelöst. Vielen war der Grundstückspreis zu teuer, sagt einer der Initiatoren, der Erdinger Stadtrat und Wohnungsreferent Herbert Maier (Grüne). Was aus dem Grundstück wird, ist offen. Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) kann sich vorstellen, dass die Stadt dort selbst tätig wird, wie er sagte. Ebenfalls Interesse an dem Areal hat auch ein Münchner Projektentwicklerteam, das sich auf Baugemeinschaften spezialisiert hat und eine neue Erdinger Bauherrengruppe begleiten würde.

Der Verein Baugemeinschaft-pro-Erding existiert nicht mehr. Er sei inzwischen aufgelöst, schreibt Pro-Erding-Sprecherin Silvia Rohe auf Nachfrage der SZ. Mehr will sie zu dem Projekt nicht sagen, weil sie jetzt kein Mandat mehr besitze. Sie bedauere, dass es nicht gelungen sei, "in Erding erstmals ein Baugemeinschaftsprojekt zu realisieren". Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen: Im März 2017 hatten sich bereits 15 Interessenten zusammengefunden, die im Westen Erdings gemeinsam ihr Eigenheim stemmen wollten - dank günstigerer Kosten für eine gemeinsame Planung und Handwerkerleistungen. "Ein paar Mutige", so nannte Sprecherin Silvia Rohe die künftigen Bauherren damals. Die größte Hürde stand noch bevor: der Kauf des von der Stadt Erding reservierten Grundstücks.

Laut Herbert Maier sind einige abgesprungen, als die Grundstückspreise schließlich festgestanden hätten. Letztendlich seien es einfach zu wenig Mitglieder gewesen, um das Projekt finanziell zu stemmen. Dass die Baugemeinschaft jetzt das Handtuch schmeißt, findet Maier "sehr schade". Er ist aber sicher, dass die Gemeinschaft "weiter auf der Lauer liegen wird".

Von Anfang an war klar, dass es für die Baugemeinschaft keine Vorzugskonditionen für den Kauf des städtischen Grundstücks geben würde. Gotz verweist auf rechtliche und bürokratische Gründe. So wären einige der Gemeinschafts-Häuslebauer unter die Kriterien des Einheimischenmodells gefallen, andere jedoch nicht. "Es wäre sehr kompliziert geworden, das rechtlich zu sichern", so Gotz. Vom "großen Verwaltungsakt" ganz zu schweigen. Jetzt könne es durchaus sein, dass die Stadt selbst dort baue, fügte Gotz hinzu.

Kalliopi Garouba aus München berät von Berufs wegen Interessierte, die in einer Baugemeinschaft bauen wollen. Zusammen mit dem Münchner Architektenbüro Plan-Z hatte sie ursprünglich auch einmal die Fühler nach dem Südlichen Thermengarten ausgestreckt. Das Projekt hieß Baugemeinschaft Erding Plan-Z. Die Homepage existiert immer noch mit dem Hinweis "Baugemeinschaft in Gründung". "Wir haben uns damals zurückgezogen, weil sich eine eigene Erdinger Gruppe gebildet hatte und wir dachten, da macht es wenig Sinn", sagt Garouba, die seit Jahren Baugemeinschaften zusammenbringt und berät, hauptsächlich in München, aber auch außerhalb. In der bayerischen Landeshauptstadt ist laut Garouba für Baugemeinschaften eine professionelle Projektleitung vorgeschrieben.

Bauen in der Gemeinschaft, das sei "eine komplexe Angelegenheit", sagt sie. Schon alleine deswegen, weil unterschiedliche Bauherren unter einen Hut zu bringen sind. Sie wäre jederzeit bereit, für interessierte Erdinger Häuslebauer die Projektleitung zu übernehmen. Sollten sich Interessenten für eine Baugemeinschaft bei ihr melden, "dann nehmen wir das Projekt Südlicher Thermengarten sofort wieder auf", so Garouba.

Der Bebauungsplan für das Baugebiet Südlicher Thermengarten ist inzwischen gesatzt. Auf dem Areal werden ganz unterschiedliche Bauherren tätig werden. Neben der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises bauen dort auch die Oberbayerische Heimstätte und 15 Familien im Einheimischenmodell. Die Planungen sind unterschiedlich weit gediehen. Wer auf dem städtischen Grundstück bauen wird, das ursprünglich für Pro Erding vorgesehen war, ist jetzt wieder völlig offen.