Messungen im Flughafenumland Die Aufmerksamkeit ist da

Flugzeugturbinen emittieren Ultrafeinstaub. Der Bürgerverein Freising misst die Belastung im Umland des Münchner Flughafens.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Bürgerverein Freising sensibilisiert für die Gefahr von Ultrafeinstaubpartikeln

Von Johann Kirchberger, Freising

Ultrafeinstaub ist mittlerweile deutschlandweit ein Thema, diesen Erfolg schreibt sich der Freisinger Bürgerverein zugute. Doch der Verein ist unzufrieden damit, wie es am Montag bei der Jahreshauptversammlung in Freising hieß, dass verantwortliche Stellen nach wie vor untätig seien, obwohl sie seit 1990 von der Gefährlichkeit der Ultrafeinstaubpartikel (UFP) wüssten. Vorsitzender Reinhard Kendlbacher: "Im Umweltausschuss des Landtags wurde ein UFP-Monitoring mit den Stimmen der CSU abgelehnt. Auch die FMG misst keine UFP. Jetzt machen's eben wir."

Der Bürgerverein kann dafür seit kurzem ein zweites Messgerät einsetzen. In der Versammlung stellte Oswald Rottmann das neue Gerät mit dem Namen "Disc-Mini" vor, das Partikel bis hinunter zu zehn Nanometern messen kann, wie er sagte. "Damit können wir jetzt auch die extrem kleinen Partikel darstellen, die besonders gesundheitsschädlich sind." Die Partikelgröße gebe Hinweise auf ihr Herkunft - und das sei nachweislich der Flughafen. Von dort würden die Partikel mit dem Wind großflächig verteilt. Die Flughafengesellschaft messe nur den groben Feinstaub und das an Stellen, die die wahren Belastungen nicht wiedergeben würden. Allerdings erfasse auch das neue Gerät nur etwa zwei Drittel des Ultrafeinstaubs, weshalb von den Freien Wählern im Landtag - allerdings vergeblich - ein Monitoring beantragt worden sei. Die Luft vor dem Flughafen enthalte etwa 3000 Partikel pro Kubikzentimeter, die ersten Messungen mit dem neuen Gerät hätten am Parkdeck des Flughafens aber 50 000 bis 120 000 Partikel ergeben. An der Nordostecke des Flughafens seien es am Zaun bis zu 1,3 Millionen gewesen, berichtete Kendlbacher. Ziel müsse deshalb sein, die Zahl der Messgeräte zu erhöhen.

Ein wenig stolz ist der Bürgerverein immer noch darauf, dass er im November im Umweltausschuss des Landtags vor Experten über seine Arbeit berichten durfte. Als Ergebnis stellte Kendlbacher fest, dass die UFP als Problem anerkannt seien, dass die Flughäfen als UFP-Hotspots gesehen und die UFP nun als extrem schädlich für die Gesundheit bewertet würden. Grenzwerte festzulegen sei keine Lösung des Problems, so Kendlbacher: "Grenzwerte sind kein Schutz, sondern politisch erkämpfte Kompromisse." Die Fürsorgepflicht der Verantwortlichen erfordere "pragmatische Sofortlösungen". Das heiße: keine Kurzstreckenflüge mehr, keine Subventionen und keine dritte Startbahn.

Die Aussage von Markus Söder, wonach es plötzlich mit dem Bau einer dritten Startbahn nicht mehr so eile, habe auch ihn überrascht, sagte der Landtagsabgeordnete Christian Magerl (Grüne). Diese Kehrtwende sei zwar dem Wahlkampf geschuldet, "aber wir haben jetzt erst einmal bis Anfang nächsten Jahres Ruhe". Sie zeige aber auch, dass Söder und die Staatsregierung "an uns nicht vorbeikommen, sie trauen sich keinen neuen Bürgerentscheid zu".

Söder habe offensichtlich anerkannt, so Magerl, "dass es momentan keinen Bedarf für eine dritte Startbahn gibt". München solle zu einem Premiumflughafen und Dienstleister für die Region ausgebaut werden statt ihn zu vergrößern. Quantitatives Wachstum, so Magerl bringe Bayern nichts.