Messe zum Hochwasserschutz Zeit zum Handeln

Im August 2014 trat der Hirschbach in Forstern über die Ufer. Wohl dem, der wasserdichte Kellerfenster hatte. Wie Hausbesitzer sich besser schützen können, erfahren sie im April in der Stadthalle Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Der erste bayerische Hochwasserschutztag am 7. April in Erding richtet sich an alle Hausbesitzer. Sie erfahren, wie sie ihre Immobilie gegen die Folgen von Starkregen und Sturzfluten absichern können

Von Antonia Steiger, Erding

Dass Hochwasserschutz nicht nur den Schutz vor über die Ufer tretende Flüsse meint, sondern auch den Schutz vor vom Himmel herabstürzende Wassermassen, ist eine noch recht junge Erkenntnis. Aus ihr folgert, dass Hochwasserschutz jeden etwas angeht. Denn Starkregen und Sturzfluten können überall auftreten, sie sind Folgen des Klimawandels. Wie sich der einzelne schützen kann, darüber soll der erste bayerische Hochwasserschutztag in der Stadthalle Erding am Samstag, 7. April, Auskunft geben. Dabei wird sich auch zeigen: Hochwasserschutz ist ein prosperierender Wirtschaftszweig.

Messeveranstalter Detlef Garthen hat mehr als zwanzig Aussteller engagiert, bei der großen Mehrheit handelt es sich um Anbieter von Schutzvorrichtungen: von wasserdichten Fenstern über Kellerschutz und Wassermelder bis zu weißen Wannen, die beim Neubau verwendet werden und die den Keller vor steigendem Grundwasser schützen können. Dazu kommen die Versicherungskammer Bayern, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, das Wasserwirtschaftsamt München und der Europaverband Hochwasserschutz, der sich als Interessensvertreter von Anbietern von Hochwasserschutz versteht. Sie alle werden am Samstag, 7. April, von 10 bis 18 Uhr, mit ihren Produkten, mit Vorträgen und einer Podiumsdiskussion und mit Aktionen den Besuchern bei freiem Eintritt klarzumachen versuchen, dass sie mitverantwortlich sind, wenn ihnen eine Immobilie gehört, dass sie sich vor den Wassermassen schützen und dass sie sich außerdem auch versichern können. Der Versicherungsschutz wird künftig noch wichtiger: Wie Christian Schmidt von der Versicherungskammer Bayern bei einem Pressegespräch am Dienstag in der Stadthalle sagte, sollen Hausbesitzer ab Mitte 2019 keine staatlichen Hilfen mehr bekommen, sofern ihre Gebäude versicherbar gewesen wären. Die Staatsregierung und die Versicherungsbranche sind der Ansicht, dass es für alle Gebäude in Bayern ausreichenden Versicherungsschutz gibt. "Die Nachfrage nach Versicherungen gegen Hochwasserschäden wird steigen", sagte Schmidt. Hochwasserschäden seien nicht in der normalen Gebäudeschutzversicherung enthalten, das sei vielen nicht geläufig. Firmen wie Rank Wasserschutzsysteme aus Fürstenfeldbruck, die Josef Hain GmbH aus Ramerberg im Landkreis Rosenheim, IBS Technics aus Thierhaupten im Landkreis Augsburg und TBS Torbau Schwaben aus Eberhardzell in Oberschwaben werden in Erding ihre Systeme vorstellen und mit den Besuchern zumindest teilweise zu klären versuchen, was an ihrem Haus gemacht werden müsste. Es seien auch Firmen aus dem Landkreis dabei, sagte Garthen. Aber auch alle anderen sind bereit, die Häuser vor Ort zu inspizieren, wie sie versicherten.

Die Messe soll zunächst einmal dem Besuchern einen Eindruck davon vermitteln, was es alles für Systeme im Hochwasserschutz gibt. Weil es sich dabei um die allererste Veranstaltung im süddeutschen Raum handelt, rechnen Garthen und die Stadthallen-Geschäftsführerin Jutta Kistner mit Zulauf aus ganz Südbayern - vergleichbar mit der Resonanz auf die Einbruchschutzmesse, bei der laut Kistner und Garthen Besucher bis aus Garmisch nach Erding gekommen waren. Nicht nur wegen der Hochwasserereignisse im Sommer 2013 und der aktuellen Debatte um Hochwasserschutzmaßnahmen für die Stadt Erding, die sich bis auf das Gebiet der Gemeinde Wörth erstrecken könnten, ist man sich sicher: "Die Veranstaltung wird in Erding auf fruchtbaren Boden fallen." Dabei darf sich Garthen auch auf die Unterstützung der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf verlassen, wie Garthen sagte. Sie schrieb ein Grußwort.