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Meindl-Areal:Dorfen kommt in Partylaune

Der Immobilienunternehmer Robert Decker will die Fläche als Vergnügungsstätte nutzen, bevor dort ein neuer Stadtteil entsteht. Am Mittwoch wird beraten

Für die Entwicklung des neuen Dorfener Stadtteils auf dem riesigen Gelände der 2016 still gelegten Dachziegelfabrik Meindl wird ein städtebaulicher Wettbewerb veranstaltet. Die Dorfener SPD hatte den Antrag dazu bereits vor fast einem Jahr gestellt. Nun endlich hatte ihn Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) auf die Tagesordnung des Stadtrats gesetzt, der ihn einstimmig annahm. Bis der Bau von Wohnungen beginnen kann, werden zwar noch mehrere Jahre vergehen. Dennoch tut sich bald schon einiges: Der Dorfener Immobilienunternehmer Robert Decker, der das 23 Hektar große Meindl-Gelände mit all seinen alten Hallen und Gebäuden im vergangenen Jahr gekauft hat, plant eine Zwischennutzung als Vergnügungsgebiet.

Am Mittwoch werden Deckers erste konkrete Pläne in dieser Hinsicht im Bauausschuss besprochen. Details will er zwar nicht nennen, doch schon die Tagesordnung der Sitzung ist vielsagend: "Änderung einer Betriebskantine in eine Gaststätte; Änderung eines Lagers in einen Escaperoom; Änderung einer Werkstatthalle in eine Veranstaltungsstätte."

Etwas verwirrend ist nur der Begriff "Veranstaltungsstätte", denn so etwas gibt es im deutschen Baurecht eigentlich gar nicht. Es dürfte sich hier um eine begriffliche Verwechslung handeln und vielmehr eine "Vergnügungsstätte" gemeint sein, worunter die Baubürokratie vor allem Spielhallen, Nachtlokale und Diskotheken zusammenfasst. Eine Disco kann man sich auf dem Meindl-Gelände ganz gut vorstellen: Es gibt dort keine direkten Nachbarn - Lärmschutz ist das A und O bei der Diskothekenplanung - , aber sicher ausreichend Platz zum Abfeiern und Austoben. Was ein Escape Room ist, ist seit dem tragischen Unglück, bei dem in Polen fünf Mädchen bei einem Brand ums Leben gekommen sind, allgemein bekannt: In einem Escape Room lassen sich Teams in einen Themen-Raum einsperren, um in einer vorgegebenen Zeit Rätsel zu lösen und anhand von Zahlencodes den Weg ins Freie zu finden.

Decker hat, so viel sagt er dann doch, für die Zwischennutzung des Meindl-Areals extra "zwei junge Leute" engagiert, "die das entwickeln". Und er hatte schon bei der ersten Präsentation seiner Ideen gesagt, er möchte die alte Ziegelei auch "in der Übergangszeit mit Leben erfüllen". Offensichtlich schwebt ihm die Nutzung als Vergnügungsquartier vor, in etwa so, wie man das seit Jahrzehnten aus München kennt, wo alte Kasernen- oder Industriekomplexe oft für viele Jahre in dieser Weise genutzt wurden.

Langfristig wird aus dem ehemaligen Fabrikgelände aber dann eben doch ein neuer Dorfener Stadtteil. Decker hat bekundet, dass er vielfältige Ideen verwirklichen will. Das betrifft nicht nur Bauart, Ausstattung und technische Innovation. Neben gewissermaßen normalen Wohnungen sollen dort auch genossenschaftliche Wohnanlagen entstehen, zudem Sozialwohnungen und besondere Projekte wie Inklusionswohngemeinschaften oder andere Arten betreuten Wohnens. Alles geht, sagte Decker schon vor Monaten: "Das ist groß genug, dass man das alles realisieren kann." Und er hat auch gesagt, dass auch er unbedingt einen städtebaulichen Wettbewerb wolle, "um ein Maximum an Ideen zu bekommen".

Stadträtin Simone Jell erklärte, dass es der SPD mit ihrer Forderung nach einem Wettbewerb ebenfalls darum gehe, "Chancen und Ideen zu erhalten, die man vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat". Bürgermeister Grundner sagte, er unterstütze den Antrag der SPD vorbehaltlos. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München soll mit der Durchführung des Wettbewerbs beauftragt werden. Damit der Wettbewerb in die richtige Richtung läuft, will der Stadtrat intensiv beraten, welche konkreten "städtebaulichen Ziele" verwirklicht werden sollen. Aktuell verhandelt die Stadtverwaltung mit Decker den Abschluss einer Grundsatzvereinbarung, die schon mal regelt, in welchem Anteil die Stadt Grundstücke für eigene und besondere Zwecke wie ein Einheimischenmodell abschöpfen kann.

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