AusstellungseröffnungDorfen entdeckt Max Hertwig wieder

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Max Hertwigs Plakat zum Hemadlenzen ist in Dorfen bestens bekannt. Dabei dominiert der grafische Stil, holzschnittartig, aber von archaischer Kraft.
Max Hertwigs Plakat zum Hemadlenzen ist in Dorfen bestens bekannt. Dabei dominiert der grafische Stil, holzschnittartig, aber von archaischer Kraft.
Thomas Daller
  • In Dorfen wird erstmals seit 20 Jahren wieder eine Ausstellung mit Werken des Malers und Grafikers Max Hertwig (1881-1975) gezeigt.
  • Hertwig kam 1947 als Heimatvertriebener nach Dorfen und begann dort mit der Aquarell- und Ölmalerei bekannter Dorfener Motive.
  • Die Ausstellung mit etwa 50 Gemälden und 30 Drucken ist am ersten Mai-Wochenende im evangelischen Gemeindezentrum zu sehen.
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Vor 20 Jahren fand die letzte Ausstellung mit Werken des Grafikers und Malers statt. Nun sind seine Bilder im evangelischen Gemeindezentrum erneut zu sehen. Eine überfällige Begegnung mit einem fast vergessenen Meister

Von Thomas Daller, Dorfen

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Der Maler und Grafiker Max Hertwig (1881 bis 1975) zählt zu den prägendsten Künstlern der Stadt Dorfen. Der gebürtige Schlesier zog erst 1947 in die Isenstadt, davor war er einer der führenden deutschen Gebrauchsgrafiker, der unter anderem mit Mies van der Rohe und Walter Gropius arbeitete. In Dorfen begann er sich mehr und mehr der Malerei zu widmen.

Hertwig hat Dorfen malerisch entdeckt, seine spezielle Darstellung eröffnete eine völlig neue Sichtweise auf eigentlich Bekanntes. Anlässlich seines 50. Todestags im vergangenen Jahr erinnerte der Historische Kreis bereits mit einem Vortrag und einer Lesung an den Künstler, seit Freitag sind nun auch seine Bilder im Rahmen einer Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus zu sehen. Die letzte Ausstellung mit Bildern Hertwigs liegt bereits 20 Jahre zurück: 2006 waren sie im Sparkassensaal ausgestellt.

Hertwig war ursprünglich kein Kunstmaler, sondern Zeichner und Gebrauchsgrafiker. Nach einer Lehre in der Druckerei studierte er bei dem berühmten Künstler und Architekten Peter Behrens an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf und zog dann nach Berlin, wo er zusammen mit anderen Künstlern den „Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker“ gründete, der bis heute besteht und mittlerweile „Bundesverband Kommunikationsdesign“ heißt. Von 1913 bis 1943 unterrichtete er als Dozent an der Berliner Reimann-Schule, der größten privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule in Deutschland.

Nach den Luftangriffen der Alliierten auf Berlin suchte er mit seiner Familie zunächst Zuflucht in seiner Heimatstadt Bunzlau. Als die Russen 1945 das Gebiet besetzten, floh er mit Frau und Tochter zunächst nach Leipzig, von wo er 1947 nach Dorfen gelangte. Dort bestand über seine Frau ein enger Kontakt zu einer anderen Heimatvertriebenen.

Ein Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1960. Hertwig hat erst in Dorfen mit der Aquarell- und dann mit der Ölmalerei begonnen. Viele Porträts waren Auftragsarbeiten Dorfener Bürger.
Ein Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1960. Hertwig hat erst in Dorfen mit der Aquarell- und dann mit der Ölmalerei begonnen. Viele Porträts waren Auftragsarbeiten Dorfener Bürger.
Thomas Daller

Obwohl er damals bereits 66 Jahre alt war, arbeitete er unermüdlich weiter. Und so entstanden neben Kino-, Theater- und Faschingsplakaten, Firmensignets und Kleingrafik erstmals Aquarelle und Ölbilder von bekannten Dorfener und Isentaler Motiven: die Dorfener Tore, Plätze, der Kirchberg, die Marktkirche und die Kirchen und Kapellen der Umgebung.

Der Stil ist von archaischer Kraft geprägt

Künstlerisch bewegte er sich dabei zwischen zwei völlig unterschiedlichen Stilen: Sein Markenzeichen als Grafiker war der flächige, an den Jugendstil angelehnte Druck, abstrahierend, holzschnittartig, streng sachlich und zurückhaltend in der Farbwahl der Bildthemen. In diesem Stil sind auch seine Grafiken über den Hemadlenzen-Umzug in Dorfen gehalten, die vor archaischer Kraft sprühen. Im Gegensatz dazu stehen die Aquarelle: Bilder mit idyllischen Szenarien in weichen Farben, schöne, unverstellte Blickwinkel, die an das romantische Gefühl seiner Kundschaft appellieren. Interesse an Dorfen und seiner Umgebung spricht aus jedem dieser Bilder und lässt noch die kleinste Kirche als etwas ganz Besonderes erscheinen.

Das Isener Tor in Dorfen, eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1949. Aus dem Bild spricht der damals noch sehr ländliche Charakter der Stadt, mit unbefestigten Straßen und freilaufenden Gänsen.
Das Isener Tor in Dorfen, eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1949. Aus dem Bild spricht der damals noch sehr ländliche Charakter der Stadt, mit unbefestigten Straßen und freilaufenden Gänsen.
Thomas Daller

Seine Aquarelle und Ölbilder zeigen oftmals eine „heile Welt“, heißt es in einem Text zur Ausstellung: „Kein Strommast trübt den idyllischen Häuserwinkel, keine Gewitterwolke die Gebirgsszene. Doch das war auch prägend für die damalige Zeit: Die Bevölkerung hatte Krieg und Entbehrung hinter sich, und der Künstler selbst, nach Heimatverlust, Flucht und Neubeginn, hatte das Recht, sich dem Beschaulichen und Intakten zuzuwenden.“ 1975 starb Hertwig im Alter von 93 Jahren im Krankenhaus Dorfen.

Zu sehen sind etwa 50 Gemälde und rund 30 Drucke. Neben den Bildern, die sich im Besitz der Stadt Dorfen befinden, sind auch sehr viele Arbeiten aus Privatbesitz zu sehen, die man nur bei Besuchen Dorfener Sammler bewundern kann. Viele Leihgaben stammen von Günther Janocha, Franz Streibl, Berta Sewald und Georg Pelkermüller. Die Familie Blüml hat insbesondere die Drucke und Gebrauchsgrafiken beigesteuert. Zu sehen ist die Ausstellung noch am kommenden Wochenende, 2. und 3. Mai, jeweils von 13 bis 17 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Dorfen, Rathausplatz 16.

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