Süddeutsche Zeitung

Materialdepot Erding:Leere Regale

Nach 62 Jahren geht die Geschichte der Materialversorgung am Fliegerhorst zu Ende. Die traditionsreiche Einrichtung wird zum Jahresende aufgelöst

Mit der Auflösung des Materialdepots der Bundeswehr im Fliegerhorst geht nach 62 Jahren am 31. Dezember die lange Geschichte und Tradition der Materialversorgung aus Erding offiziell zu Ende: Bereits bei der letzten Jahresabschlussfeier an diesem Freitag wurde beim letzten militärischen Akt die Stelle von den Kommandanten außer Dienst gestellt. Ihr Hauptauftrag war es, Wehrmaterial zu lager und zu versenden, um die Streitkräfte mit Material zu versorgen und so ihren Dienstbetrieb zu gewährleisten.

Etwas Wehmut war wohl bei dem einen oder anderen Mitarbeiter dabei, als die sechs Jahrzehnte lange Historie der Materialversorgung aus Erding damit faktisch beendet wurde: "Es handelt sich um den formal letzten militärischen Akt, bevor es in die Weihnachtsfeiertage geht und das Materialdepot offiziell aufgelöst wird", sagte Depot-Kommandant Christian Martin der SZ Erding. "Die letzten Tage der vor der Auflösung stehenden Dienststelle waren schon sehr ereignisreich, es gab noch viel zu tun." Martin hatte am Freitag die Aufgabe, bei der internen Feier die Dienstelle beim Standortältesten des Fliegerhorstes, Oberstleutnant Robert Rummel, vor den Depotmitarbeitern und den Leitern der noch am Fliegerhorst verbliebenen Dienststellen formal abzumelden. Ende des Jahres wird der Versorgungsauftrag für das Depot dann auch offiziell endgültig beendet und die Auflösung und Abwicklung der Dienststelle abgeschlossen sein, sagte Martin.

Früher platzten die Deopothallen am Fliegerhorst Erding aus allen Nähten. Die Regale waren damals vollgestopft mit Einzelteilen für Tornado oder Eurofighter-Waffensysteme - von Platinen bis zu kompletten Triebwerken und Tragflächen für die Jets. Doch inzwischen hat sich der gesamte Fliegerhorst und zuletzt auch die Hallen des Materialdepots im Zuge der Umstrukturierungen nach 2011 geleert. Das Depot diente in den vergangenen Jahren als logistische Einrichtung des Organisationsbereichs Streitkräftebasis mit Lagerung und Verteilung von einer großen Bandbreite an militärischem Material. "Das Materialdepot hatte im Fliegerhorst eine wichtige Aufgabe", sagte auch Stadtrat und Fliegerhorst-Experte Willi Scheib. Aus Erding wurden jahrzehntelang Truppen und Dienststellen der Streitkräfte, vor allem der Luftwaffe, mit Ersatzteilen von den in Spitzenjahren bis zu 200 Mitarbeitern des Depots versorgt.

Nach dem letzten Antreten am 21. Dezember werden die meisten der noch bis zum Schluss verbliebenen Depot-Mitarbeiter im neuen Jahr bei neuen Dienststellen und oft auch an neuen Standorten neu anfangen, hieß es. Begonnen hatte die Geschichte des Materialdepots im Jahr 1956. Damals wurde am 1. Oktober das Luftwaffenversorgungsregiment 1 am Fliegerhorst mit einer Nachschubgruppe samt Logistiklager gegründet. 1959 wurde die Logistikstruktur dann nachhaltig geändert und das Luftwaffen-Versorgungsregiment 1 in "Luftwaffenparkregiment 1" umbenannt. 1968 hieß die Nachschubgruppe Hauptdepotgruppe 1, ihr waren in Erding das Waffenmaterialhauptdepot 1 und das Waffenmaterialdepot 11 unterstellt. 1973 erfolgte eine weitere Umgliederung und Umbenennung des Verbands. Im Januar 1990 wurde das Luftwaffenmaterialdepot 11 mit dem 1980 gegründeten Trinationalen Verteiler- und Übernahmedepot für Deutschland, Großbritannien und Italien fusioniert. Die neu gegründete Einheit hieß Luftwaffenübernahme- Materialdepot 11: Am 27. Juni 2002 wurde sie nach langer Zugehörigkeit zur Luftwaffe dem neu geschaffenen Organisationsbereich Streitkräftebasis zugeordnet und 2004 in Materialdepot Erding umbenannt. Das Materialdepot war die Drehscheibe für den Versand von Material für die beiden Kampfflugzeuge Tornado und Eurofighter. Alle auf diese Waffensysteme bezogenen Transporte wurden über Erding abgewickelt. Im Rahmen der Bundeswehrstrukturreform 2011 wurde die Auflösung des Materialdepots Erding für Ende 2018 verfügt. Die Erdinger Aufgaben wurden in andere militärische Logistiklager in Deutschland verteilt, die Aufträge für das Erdinger Depot wurden sukzessive reduziert.

Das Materialdepot Erding im Fliegerhorst wird in der Stadt künftig auch wegen des gesellschaftlichen Engagements der Einheit fehlen, denn bei den Jahresabschlussfeiern, Sondersammlungen und Sommerfesten sammelten die Mitarbeiter der Dienststelle jeweils für den guten Zweck viel Geld. So wurden beim Sommerfest in diesem Jahr 1300 Euro für das Bundeswehrsozialwerk gesammelt, 666 Euro im Jahr 2017 für den Tierschutzverein im Landkreis Erding und 830 Euro für das Palliativteam Erding. Im Jahr 2016 bekam das Kinderhospiz München 1850 Euro. Die Spenden seien jeweils durch Einzelspenden noch erhöht worden, sagte Martin.

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Quelle:
SZ vom 22.12.2018
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