Markt Schwaben:Ohne Alternative

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Markt Schwaben: Seit Jahrzehnten hoffen Verantwortliche im Landkreis darauf, dass zusätzliche Gleise zwischen München und Markt Schwaben gebaut werden.

Seit Jahrzehnten hoffen Verantwortliche im Landkreis darauf, dass zusätzliche Gleise zwischen München und Markt Schwaben gebaut werden.

(Foto: Christian Endt)

SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer betont die Notwendigkeit des S-Bahn-Ausbaus zwischen München-Ost und Markt Schwaben. Er fürchtet, dass die Strecke ansonsten zu einem völlig überlasteten "Flaschenhals" wird

Von Annalena Ehrlicher, Markt Schwaben

"Es muss, es muss, es muss", ruft Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer beim SPD-Stammtisch in Markt Schwaben und betont jedes "muss" mit einem kleinen Schlag auf die Tischplatte. Der SPD-Mann hat sich in Rage geredet - mit einem allzu bekannten Thema: dem S-Bahn-Ausbau im Münchener Osten. Mitte Dezember wird der Bundesverkehrswegeplan beschlossen - ein viergleisiger Ausbau zwischen Markt Schwaben und dem Ostbahnhof München wird darin nicht zufinden sein.

Im Zuge des Bundesverkehrswegeplans werden zirka 50 Prozent der geplanten 270 Milliarden Euro in den Straßenbau investiert. Zehn beziehungsweise 40 Prozent verteilen sich auf Wasserstraßen und Schienen. Nach wie vor gilt jedoch, dass für den öffentlichen Nahverkehr die Länder aufkommen müssen, weshalb der Streckenabschnitt im Dezember nicht berücksichtigt wird, erzählt Schurer beim SPD-Stammtisch in Markt Schwaben.

Auf das Kopfschütteln der Genossen hin folgen die guten Nachrichten: Auch im Landkreis kommt es, so der Bundestagsabgeordnete, zu "spektakulären" Projekten: "Ich weiß, dass die Pläne schon da sind", betont er. Im Falle des Landkreises wird die Strecke zwischen Markt Schwaben und Mühldorf zweigleisig ausgebaut. Exakter: Während die Bauarbeiten zwischen Ampfing und Tüßling im Landkreis Mühldorf im Bau beziehungsweise fertig sind, ist nun von Markt Schwaben aus auch die Strecke im Landkreis Ebersberg in Arbeit. "Das läuft jetzt nicht mehr unter 'ferner liefen', sondern ist ein priorisiertes Projekt", betont Schurer.

Bürgermeister Georg Hohmann ist, was die Strecke zwischen München Ost und Markt Schwaben angeht, dennoch kritisch: "Ich stehe da vor einem Rätsel: Ab dem Ostbahnhof fahren alle zehn Minuten Bahnen nach Dachau - die Züge wären also da." Völlig schleierhaft sei ihm, wieso die Anbindung der östlichen Landkreise immer noch vernachlässigt werde - "zumal Ebersberg die höchste Wachstumsrate in der Gegend hat".

Von Seiten der SPD-Vereinsmitglieder kommen verschiedene Vorschläge. Ein Herr wirft - nach einer Polemik gegen die Bahn - ein, dass eine Art Pendelverkehr von Zügen die durch die Stammstrecke führenden Linien ersetzen könne. Auch ein Ausbau der U-Bahn-Linie 2 bis nach Vaterstetten wird angesprochen. Schurer verteidigt jedoch die Notwendigkeit eines S-Bahn-Ausbaus.

Die Entwicklungen bei der sogenannten ABS 38, also der Ausbaustrecke Richtung Freilassing, lassen sich - so Schurer - auf den Bau des Brenner-Basistunnels zurückführen. Die zirka 60 Kilometer lange Tunnelstrecke bis Innsbruck soll bis 2025 fertig gestellt werden. "Und bis dahin muss auch auf der deutschen Seite schon etwas passiert sein", so Schurer. Sollte er recht behalten, würde der Tunnel eine massive Veränderung im Güterverkehr über die Alpen nach sich ziehen. "Es gibt da noch viele Widersprüche", so der SPD-Abgeordnete. Wenn auf der Strecke Richtung Mühldorf sich der Güterverkehr deutlich erhöhe, "dann wird der Flaschenhals zwischen München Ost und Markt Schwaben ja noch schlimmer. Die zwei Gleise werden nicht reichen." Bereits jetzt plane man mit einer Verdopplung der Verkehrsfrachten bis 2025. Auf besorgte Nachfragen von Anwohnern rund um den Markt Schwabener Bahnhof reagierten sowohl Hohmann als auch Schurer beschwichtigend.

Sein Wunschszenario? Erste konkrete Planungsschritte für den S-Bahn-Ringschluss zum Flughafen. Dazu weiteren Druck im Rahmen der S-Bahn-Initiative für den Ausbau zwischen München-Ost und Markt Schwaben. Und nicht zuletzt: die zweite Strammstrecke in München. "Wir fahren immer noch auf einer Infrastruktur von 1971", klagt er. Aber: "Wir stehen Verkehrsminister Dobrindt auf den Schuhen - denn ohne einen Bundeszuschuss wird auch der Freistaat das nicht finanzieren." Nach der Bekundung, dass sich sowohl Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Bahn für den Freistaat, als auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unter der Hand ebenfalls für einen Ausbau ausgesprochen hätten, schlägt Schurer ein Fachgespräch von Markt Schwabener Bürgern, Politikern und Bahnfunktionären vor. "Ausnahmsweise ziehen Bund, Land und Bahn an einem Strang - da müssen wir ab Januar 2017 unbedingt dranbleiben und Druck machen", so Schurer.

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