Bayerisches BrauchtumSchlaflose Nächte in Schwaig

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Der Schwaiger Maibaum lagerte kurz vor dem Abtransport auf dem Heiglhof. Bevor es auf die Reise nach Rom ging, wurde in Schwaig gefeiert. Für die Musik sorgte die Kapelle Augustiner Blech.
Der Schwaiger Maibaum lagerte kurz vor dem Abtransport auf dem Heiglhof. Bevor es auf die Reise nach Rom ging, wurde in Schwaig gefeiert. Für die Musik sorgte die Kapelle Augustiner Blech. Renate Schmidt

Der Schwaiger Maibaum ist heil in der Casa Santa Maria in Rom angekommen.  Nach der erfolgreichen Wache wartet auf die Mitglieder vom Verein Moosmotor dort eine weitere Bewährungsprobe.

Von Regina Bluhme, Oberding

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Das letzte Aprilwochenende hat Michael Miesbauer schlaflose Nächte beschert. Der Vorsitzende von Moosmotor Schwaig musste gemeinsam mit Vereinsmitgliedern Wache halten für den Maibaum von Kardinal Marx.  Inzwischen kann Miesbauer melden, dass das gute Stück aus dem Landkreis Erding am Mittwoch, 29. April, gegen 5 Uhr morgens heil in Rom gelandet ist.

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hatte im vergangenen Jahr eine Idee: Wie wäre es mit einem Maibaum für das Begegnungszentrum Casa Santa Maria der Erzdiözese München-Freising? Dass der erste Maibaum für den Garten von Santa Maria aus Schwaig kommt, hängt mit Andreas Huber, Vorstand der Stiftung Begegnungszentrum der Erzdiözese und Geschäftsführer der Casa Santa Maria, zusammen.

Huber, ein gebürtiger Schwaiger, stellte die Verbindung zum Moosmotor Schwaig her. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die dörflichen Traditionen zu pflegen. Mit Maibaumaufstellen kennen sich die Schwaiger also aus. Der „römische“ Maibaum aus Schwaig freilich ist ein besonderes Exemplar, „eine moderne Interpretation“, sagt Michael Miesbauer.

Weißblau bemalt ist der Stamm jedenfalls schon mal nicht. Der Baum misst auch nur etwa zwölf Meter und ist somit bedeutend kleiner als ein traditioneller Maibaum. Außerdem hat er moderne Schilder aus Cortenstahl – und er wird auch nicht wie alle anderen Maibäume am 1. Mai, sondern erst am 9. Mai in Rom aufgestellt.

Moderne Version eines Maibaumschilds: Gestanzte Motive in Cortenstahl.
Moderne Version eines Maibaumschilds: Gestanzte Motive in Cortenstahl. Renate Schmidt
Die Spitze für den Maibaum der Erzdiözese München-Freising zeigt den Heiligen Korbinian mit dem  Bär. Korbinian ist der Schutzheilige der Diözese und  zugleich Stadtpatron von Freising.
Die Spitze für den Maibaum der Erzdiözese München-Freising zeigt den Heiligen Korbinian mit dem  Bär. Korbinian ist der Schutzheilige der Diözese und  zugleich Stadtpatron von Freising. Renate Schmidt

Jetzt, da es der Baum per Transporter nach Rom geschafft hat, darf verraten werden, wo er zuvor versteckt war: Der Fichtenstamm, per Hand geschlagen im Forst bei Walpertskirchen, war zunächst über verschlungene Wege in eine Schreinerei im Schwaiger Nachbarort Oberding geschafft worden. Von dort ging es für zwei Nächte zum Vereinssitz, dem Heiglhof, wo der Baum am 25. April bei einer Feier verabschiedet und am Tag darauf auf die Reise nach Rom geschickt wurde.

Richtig ausschnaufen wird Michael Miesbauer aber erst am 9. Mai. An dem Tag wird es in der Casa Santa Maria noch mal richtig spannend. Nach einer Maiandacht beginnt das Aufstellen durch die Schwaiger – unter den Augen von Kardinal Marx persönlich. Da soll dann auch nichts schiefgehen. Miesbauer war bereits mit einer Delegation in Rom, um die Örtlichkeiten im Garten auszumessen und zu schauen, wie und wo der Baum am besten aufgestellt werden kann. In etwa 45 Minuten sollte der Baum stehen, schätzt Miesbauer, aufgerichtet wird er ganz traditionell mit Schwalben, also mit hölzernen Stöcken.

Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke (zweiter von links) verabschiedete den Baum am Heiglhof zusammen mit Vereinsvorstand Michael Miesbauer (dritter von rechts).
Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke (zweiter von links) verabschiedete den Baum am Heiglhof zusammen mit Vereinsvorstand Michael Miesbauer (dritter von rechts). Renate Schmidt
Andreas Huber, Geschäftsführer der Casa Santa Maria, kam persönlich zur Verabschiedung des Schwaiger Maibaums vorbei.
Andreas Huber, Geschäftsführer der Casa Santa Maria, kam persönlich zur Verabschiedung des Schwaiger Maibaums vorbei. Renate Schmidt

Bleibt nur zu hoffen, dass der Maibaum nicht noch kurz vor Schluss in Italien entführt wird. Die Landjugend aus Inning am Ammersee hatte es zuvor schon einmal versucht. Der Baum, den sie am Heiglhof mitgehen ließ, stellte sich allerdings als Attrappe heraus. Es handelte sich um den „Übungsbaum“ des Vereins. Der Echte lagerte im Versteck in Oberding.

So wie es aussieht, wird der „Testbaum“ in Inning bleiben. Die Landjugend wolle ihn einem Mitglied schenken, das schon lange einen Maibaum für seinen Garten wollte, erzählt Miesbauer. Irgendwann werde man sich zu einem Rollbratenessen in Inning treffen. Aber jetzt geht es erst mal nach Rom.

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