Luftfilter in Schulen:Keine Ausreden mehr

Es ist inakzeptabel, dass alle Schulen des Landkreises Luftfiltergeräte haben und nicht alle anderen öffentlichen Schulen auch

Kommentar von Florian Tempel

Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte brauchen jetzt bloß nicht jammern, dass sie mehr oder minder gezwungen werden, Luftfiltergeräte für ihre Schulen anzuschaffen. Sie müssen sich vielmehr fragen lassen, warum die Dinger nicht schon längst überall da sind. Es gibt kein Zurück und keine Ausreden mehr. Da für die staatlichen Schulen im Landkreis Luftfiltergeräte gekauft worden sind, ist es nicht hinnehmbar, wenn es diese Ausstattung in Grund- und Mittelschulen nicht geben sollte. Es geht um Gleichbehandlung.

Alle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler müssen sich an Corona-Regeln halten. Der Einzelne kann und darf nicht entscheiden, ob die Maske Quatsch ist oder nicht. Das versteht auch jeder Kommunalpolitiker, weil er in dem Fall nichts entscheiden muss: Ist ja alles staatlich geregelt. Aber er glaubt - nur weil es nicht staatlich geregelt ist -, in jeder Kommunen können man einzeln darüber befinden, ob es Luftfilter braucht oder nicht. Als Beweis für scheinbar vernünftiges Abwägen kommt zum einen der Verweis nach weiter oben: Das Umweltbundesamt ist der Ansicht, dass Luftfiltergeräte eigentlich nur dort etwas bringen, wo das viel wesentlichere Lüften nicht funktioniere. Das mag schon sein. Doch das Umweltbundesamt schert sich nicht um Präsenz- oder Wechselunterricht und gibt deshalb mit seiner Einschätzung eine unfreiwillige Steilvorlage für alle, die Geld sparen wollen. Ebenso untauglich sind die Versuche in den Kommunen, die Sache nach unten zu delegieren und es auf die Schulleitungen abzuschieben, ob es Luftfilter braucht oder nicht. Beides zeigt eines ganz klar: Über Sinn und Zweck von Luftfiltergeräte zu diskutieren, überfordert die Gemeindeparlamente.

Am besten wäre es, wenn der Staat die Ausrüstung der Schulen mit Luftfiltern eindeutig anordnen würde. Die bayerischen Freiwilligkeitsnummern haben sich schon so oft als fataler Murks herausgestellt. Wie etwa, als beim Gewässerschutz durch Uferrandstreifen auf freiwilliges Mitmachen der Landwirte gesetzt wurde. Das war nichts anderes als eine Einladung, sich rauszuhalten.

Im Landkreis Erding darf aber eh keine Gemeinde aufheulen, dass sie Luftfilter kaufen soll, ja muss. Noch mal: Es ist inakzeptabel, dass alle Schulen des Landkreises Luftfiltergeräte haben und nicht alle anderen öffentlichen Schulen auch. Es ist absurd, dass Bürgermeister und Stadträte im Kreistag für die Anschaffung von Luftfiltergeräten stimmen und dasselbe in ihren eigenen Städten und Dörfern als unnötig erachten.

© SZ vom 06.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB