Longhorn-Züchterin in Erding:"Rinder können viel mehr als Fleisch und Milch"

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Longhorn-Züchterin in Erding: Der Anblick der Longhorn-Rinder, die auch beim Wartenberger Leonhardiritt brav hinter Elke Treitinger hertrabten, ist jedes Mal beeindruckend.

Der Anblick der Longhorn-Rinder, die auch beim Wartenberger Leonhardiritt brav hinter Elke Treitinger hertrabten, ist jedes Mal beeindruckend.

(Foto: Peter Bauersachs)

Tierärztin Elke Treitinger züchtet Longhorns. Sie fallen auf und sind für manchen schwierigen Einsatz gut zu gebrauchen.

Von Regina Bluhme, Erding

Beim Leonhardritt in Wartenberg haben kürzlich Zeno und Hedda wieder einmal allen die Schau gestohlen. Der Anblick der Longhorn-Rinder, die brav hinter Elke Treitinger hertraben, ist jedes Mal beeindruckend. Die Tierärztin aus Erding züchtet die amerikanische Rasse seit einigen Jahren auf einem Hof im Zengermoos. Dort gibt es auch eine "Kuh- und Ochsenschule", in der sie zeigt, wie man die Tiere an Pflug und Egge gewöhnt oder sie dazu bringt, gefällte Bäume zur Seite zu schaffen. Denn Elke Treitinger weiß: "Rinder können viel mehr als Fleisch und Milch."

Wie kommen Texas Longhorn Rinder ins Zengermoos? "Da habe ich mir schon ein komisches Hobby angelacht", sagt Elke Treitinger. Rinder hätten sie einfach schon immer interessiert, berichtet die Tierärztin. Dabei habe sie gestört, dass das Rind nur noch als Fleisch- und Milchproduzent gesehen und entsprechend gezüchtet werde. Bei einer Fortbildung in den USA sei sie auf die Texas Longhorn-Rinder aufmerksam geworden, die älteste Rasse in den USA. Robust und unempfindlich.

Das Experiment ist gelungen

Nach längerem Hin und Her konnte die Tierärztin vor ein paar Jahren Longhorn-Embryonen nach Deutschland bringen. Das Experiment mit einem Leihmuttertier gelang: Hanna, mit das erste in Deutschland geborene Longhorn, kam in Erding zur Welt. Heute leben Hanna, ihre Töchter Hedda und Hilda und ihr Bruder Zeno auf dem Hof im Moos.

Auf der "Q und Oxn Schule", wie es auf Treitingers Homepage heißt, will die Erdinger Tierärztin zeigen, dass die Arbeitskraft der Rinder auch heute noch "vielfältig und vor allem umweltschonend in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann". Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel hätten Rinder im Ackerbau und im Transport eine große Rolle gespielt. "Die ärmeren Bauern konnten sich früher ja kein Pferd leisten, da mussten die Rinder ran", berichtet Treitinger.

Longhorn-Züchterin in Erding: Das Experiment mit einem Leihmuttertier gelang: Hanna, mit das erste in Deutschland geborene Longhorn, kam in Erding zur Welt.

Das Experiment mit einem Leihmuttertier gelang: Hanna, mit das erste in Deutschland geborene Longhorn, kam in Erding zur Welt.

(Foto: Renate Schmidt)

"Dann kamen die Traktoren und das Wissen über die Arbeitskraft ging verloren", fügt sie hinzu. Heute würden schwere Maschinen oft den Waldboden zerstören. Auf dem Hof im Zengermoos bringt sie jetzt ihren Rindern bei, Stämme aus dem Wald zu räumen. In der "Kuh- und Ochsenschule" gewöhnt sie ihre Schützlinge darüber Hinaus auch an Geschirre wie Joch und Kummet und spannt sie vor Eggen und Pflüge und Karren.

Respektvoller Umgang mit den Rindern

Wenn sie im Frühjahr ihre Furchen mit dem Rindergespann ziehe, dann steige so mancher Landwirt von seinem Traktor und komme neugierig herüber, erzählt Elke Treitinger. Schnell komme man dann ins Gespräch. Ab und zu gebe es dann einen Tipp, wo sie noch alte Werkzeuge und Geschirre finden könne.

Ganz wichtig ist ihr der respektvolle Umgang mit den Rindern. "Die Tiere sind sehr vertrauensvoll. Bei Kälbern rutscht man schnell in die Mutterposition", weiß Treitinger. Deshalb sei eins klar: "Man darf sie auf keinen Fall schlagen." Denn "wir brauchen ein selbstbewusstes Tier, das weiß, was es kann und mitarbeitet, ohne Angst". Und das könne eben mehr als Fleisch- und Milchliefern.

Unempfindliche, robuste Tiere

Das könne eben auch umweltschonend arbeiten in der Landwirtschaft. "Dafür möchte ich zumindest das Bewusstsein fördern", sagt die Tierärztin. Im Übrigen sieht Elke Treitinger im Texas Longhorn "ein Rind mit Potential". Das Tier sei unempfindlich, robust und immun gegen so manche Krankheit. "Das einzige, was beim Longhorn wächst, sind die Hörner", sagt Treitinger. "Sie haben weniger Fleisch und Fett als deutsche Rinder, dafür aber einen Stoffwechsel, der aus Nichts etwas macht."

Im Erdinger Moos kommen die Longhorn-Rinder, deren Vorfahren aus Ohio stammen, sehr gut zurecht. "In Ohio haben sie auch strenge Winter, zum Teil mit Schneestürmen", berichtet sie. Im Sommer wiederum seien dort die Böden wegen der Trockenheit recht ausgedörrt. Im Zengermoos dagegen stehe ihnen das Gras kniehoch und büschelweise zur Verfügung. "Das einzige Problem ist, dass es ihnen hier zu gut geht".

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