Kreisausschuss Erding:Landkreis muss beim Palais sparen

Kreisausschuss Erding: Das Widnmann-Palais in der Langen Zeile wird zur Baustelle. Parallel werden weiterhin Einsparmöglichkeiten gesucht.

Das Widnmann-Palais in der Langen Zeile wird zur Baustelle. Parallel werden weiterhin Einsparmöglichkeiten gesucht.

(Foto: Renate Schmidt)

Kurz vor dem Baustart am Alten Landratsamt sucht der Ausschuss nach weiteren Einsparmöglichkeiten. Zwei Millionen Euro sind dabei die Zielsetzung.

Von Thomas Daller, Erding

Der Landkreis steht vor einer sehr angespannten Haushaltslage: Der Haushalt 2023 hat bereits ein Rekordvolumen von 275 Millionen Euro und konnte nur noch finanziert werden, indem die Rücklagen komplett aufgebraucht wurden. Dieser Notgroschen steht somit nicht mehr zur Verfügung, daher muss im Vorgriff auf den Haushalt 2024 jetzt an allen Ecken und Enden gespart werden. Der Kreisausschuss für Bauen und Energie bot einen ersten Vorgeschmack, dass der Rotstift nun die Politik regiert. Aktuelles Beispiel ist der Um- und Neubau des Alten Landratsamtes. Von den veranschlagten 27 Millionen Euro sollen die Planer zwei Millionen einsparen. Sogar der Passivhaus-Standard steht dabei zur Disposition.

Das Landratsamt will das Widnmann-Palais an der Langen Zeile grundsanieren und die nicht denkmalgeschützten westlichen Flügel abreißen und neu bauen. Nach der Fertigstellung im Dezember 2025 sollen dort zusätzliche Büros für die Mitarbeiter des Landratsamtes entstehen. Danach können voraussichtlich drei angemietete Liegenschaften wieder zurückgegeben werden, da die bisher ausgelagerten Mitarbeiter dann wieder zurückkehren können. Damit will man 360 000 Euro Nettokaltmiete im Jahr einsparen.

Das Landesamt für Denkmalpflege fordert, dass der Dachstuhl sichtbar bleiben soll

Ein paar Einsparungen hat man bei der Planung bereits vorgenommen. So soll beispielsweise der Innenhof nicht mehr überdacht werden. Auch beim Ausbau des Dachgeschosses des Widnmann-Palais will man nun eine günstigere Lösung wählen: Ursprünglich sollten dort Zimmer für die Beratungen der Fraktionen entstehen. Das Landesamt für Denkmalpflege fordert jedoch, dass der Dachstuhl sichtbar bleiben soll. Man hätte daher Glaswände einbauen müssen. Bei einer Büronutzung wäre dann der Datenschutz nicht mehr gewährleistet.

Ohnehin sind die Auflagen der Denkmalpflege ganz erheblich, weil man bei der Untersuchung des Palais Bauteile gefunden hat, die bis ins Jahr 1200 zurückreichen. Es gilt daher als sehr hochwertiges Denkmal. Deshalb soll es dort kaum Substanzverluste geben. Das Erscheinungsbild der Räume muss gewahrt und auch die Gewölbe sollen sichtbar bleiben.

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sprach sich beim Dachgeschoss des Widnmann-Palais dafür aus, diesen Innenausbau zurückzustellen. "Wir müssen ein Zeichen setzen und weiter nach Einsparungen suchen", sagte er. Die Planer sollten nach Wegen suchen, wie man bei diesem Projekt zwei Millionen Euro einsparen könne. Die Architekten des Büros Claus und Forster erklärten jedoch, dass man ohnehin versuche, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Das sei jedoch oftmals nicht möglich, weil die Denkmalpflege bei den zu verwendenden Materialien Vorschriften mache. Auch beim Neubau ließen sich die Kosten nicht spürbar reduzieren, weil man dort bereits Trockenbau und Teppichböden verwende und keine teuren Materialien.

Planer Günther Forster wies daher auf eine Möglichkeit hin, bei der man noch einsparen könne: Der Passivhaus-Standard koste Geld, allerdings sei das eine Vorgabe des Bauherren. Hier könne man aber noch abwägen. Bayerstorfer entgegnete, dazu müsse man wissen, wie viel man einsparen könne, wenn man auf diesen Standard verzichte. Andererseits habe die öffentliche Hand auch eine Vorbildfunktion. Man benötige daher eine Entscheidungsgrundlage, die man durchrechnen müsse. Rosmarie Neumeier-Korn (FDP) befürchtete, es könne Förderung verloren gehen, wenn man auf den Passivhaus-Standard verzichte. Matthias Huber von der Liegenschaftsverwaltung konnte das entkräften: "Wir bekommen Förderung für Schulen, aber für Verwaltungsgebäude bekommen wir keine."

Durch das Zurückstellen des Ausbaus des Dachgeschosses sollen 200 000 Euro eingespart werden

Durch das Zurückstellen des Ausbaus des Dachgeschosses sollen 200 000 Euro eingespart werden. Darüber hinaus stimmte der Ausschuss für Bauen und Energie der Entwurfsplanung zu. Die Planer sollen nun die Kosten ermitteln, welche finanziellen Auswirkungen der Verzicht auf den Passivhaus-Standard mit sich bringen würde, auch bei den laufenden Kosten. Landrat Martin Bayerstorfer bat die Planer zudem, weitere Kosteneinsparungen zu ermitteln und gab ihnen "zwei Millionen mit auf den Weg", wie er es formulierte. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Auch bei einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde in der Sitzung gespart: Bei der Fassadeninstandsetzung am Korbinian-Aigner-Gymnasium, bei der man mit Netzen Schüler vor herabfallenden Teilen schützt, soll es vorerst bei diesem Provisorium bleiben. Die Netze würden halten und ihren Zweck damit erfüllen. Bis auf Weiteres ist die Fassadeninstandsetzung verschoben.

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