Landrat Bayerstorfer wird 50:Auf der Überholspur

Landrat Bayerstorfer wird 50: Martin Bayerstorfer ist seit 2002 Landrat in Erding. An diesem Samstag steht aber der Mensch Martin Bayerstorfer im Mittelpunkt. Mit Freunden und Weggefährten feiert er im Landratsamt.

Martin Bayerstorfer ist seit 2002 Landrat in Erding. An diesem Samstag steht aber der Mensch Martin Bayerstorfer im Mittelpunkt. Mit Freunden und Weggefährten feiert er im Landratsamt.

(Foto: Peter Bauersachs)

Vom jüngsten Bürgermeister in Deutschland zum erfolgreichen Landrat und stellvertretenden Vorsitzenden der CSU Oberbayern: Martin Bayerstorfer hat eine steile Karriere gemacht. An diesem Samstag feiert er Geburtstag

Von Thomas Daller, Erding

Landrat Martin Bayerstorfer musste in den vergangenen Wochen in Diskussionen, in Kommentaren und Leserbriefen so viel Kritik einstecken wie noch nie in seiner politischen Laufbahn. Schuld daran ist der Kommunal Pass, der mit viel Sand im Getriebe gestartet ist. Aber diese Momentaufnahme wird diesem Zoon politikon, der am Samstag, 28. Mai, seinen 50. Geburtstag feiert, nicht gerecht. Denn der Landkreis Erding verdankt Bayerstorfer viel. Und insbesondere weil ein 50. Geburtstag kein Amtsjubiläum ist, sondern ein sehr persönliches Datum, muss man den Bogen etwas weiter spannen, um den Menschen im Politiker zu verstehen.

Der erste Schultag - ein Kulturschock

1966, in Bayerstorfers Geburtsjahr, regierte in Bonn die Große Koalition, Frank Sinatra hatte mit "Strangers in the Night" einen Nummer eins Hit und in den Kinos liefen die Winnetou-Filme. Bayerstorfer wuchs in Kleinaign in der Gemeinde Hohenpolding als ältester von vier Brüdern auf. Ein Weiler, der so klein und eigen ist, wie es der Name nahelegt. Bayerstorfer bezeichnet seinen ersten Schultag im Nachhinein scherzhaft als "Kulturschock": Auf die Begegnung mit so vielen Kindern sei er als Bauernbub von einem Einödhof nicht vorbereitet gewesen.

Aber kommunalpolitisch ist Kleinaign keineswegs aus der Welt. Martin Bayerstorfers Großvater war bis 1972 Bürgermeister und Gemeindeschreiber der Gemeinde Hohenpolding und in seine Kanzlei auf dem Hof in Kleinaign kamen die Bürger mit ihren Anliegen und dann wurde diskutiert und politisiert. Für den kleinen Buben, der oft zuhören durfte, eine spannende Sache, die ihn früh prägte.

Nach der Grundschule wechselte Bayerstorfer an die Realschule Taufkirchen, danach absolvierte er eine landwirtschaftliche Berufsausbildung und Fachschule. Er ist erst 23 Jahre alt und besucht die Höhere Landbauschule im Rottal, als man ihn zum 1. Bürgermeister der Gemeinde Hohenpolding wählt. Dabei spielte natürlich auch die Beliebtheit seines Großvaters eine nicht unwesentliche Rolle. Aber diese Konstellation fordert einen unermüdlichen Arbeitswillen: Bayerstorfer trifft mit dem Schulleiter in Rottal-Münster die Abmachung, auch außerhalb der Schulzeiten den Stoff nachholen zu können. Werktags kümmert er sich in Hohenpolding um die Belange der Gemeinde und an den Wochenenden fährt er nach Rottal-Münster, um anhand von Unterrichtsmitschriften, die ihm seine Mitschüler zur Verfügung stellen, seine schulischen Aufgaben zu erledigen. Und damit schafft er dann auch seine Meisterprüfung als Landwirt.

Zu Besuch im "Schlachthof" und bei Biolek

Und weil er 1990 mit 23 Jahren der jüngste Bürgermeister in Deutschland ist, lädt man ihn in Talkshows ein: Erst in "Live aus dem Schlachthof", dann zu Alfred Biolek. Er tritt charmant auf, gewitzt und sachkundig. Und er schafft sich damit auch Neider: "Was will denn der im Fernsehen", granteln manche im CSU-Kreisverband. Aber auch die grauen Eminenzen der Partei wie beispielsweise Hans Zehetmair, der von 1993 bis 1998 stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates war, beobachten genau, was der junge Mann aus Hohenpolding macht.

Dort steckt die Karre buchstäblich im Dreck. Man hat es in den vergangenen Jahren versäumt, die Infrastruktur zu modernisieren. Das Landratsamt sperrt sich gegen jegliche Siedlungserweiterung, die Kläranlage ist dafür nicht ausgelegt und mit der Trinkwasserversorgung muss auch erst was passieren. Bayerstorfer arbeitet innerhalb seiner ersten Wahlperiode alle liegen gebliebenen Aufgaben ab und eröffnet dem Ort somit wieder Perspektiven. Dadurch können die jungen Hohenpoldinger in ihrem Heimatdorf bleiben und dort bauen. Das hat ihm die Bürgerschaft hoch angerechnet.

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