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Landkreis trotz Corona in Partylaune:Polizei geht mit Augenmaß vor

Die Beamten zeigen Verständnis, wenn friedlich gefeiert wird. Sollten aber große Partys aus dem Ruder laufen und sollte es zu Straftaten kommen, wird eingegriffen

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Sommerzeit ist Biergarten- und Partyzeit, doch noch gibt es Corona-Auflagen. Erst am vergangenen Wochenende hat die Polizei eine Feier am Kiesweiher in Moosinning beendet, am Kronthaler Weiher feierten am Freitag einige Hundert das Abiturende. Auch am Schranneplatz fand im Mai eine "Open-Air-Party" mit rund 300 Feiernden statt. Die Polizei griff in allen Fällen erst nach einiger Zeit ein, es kam auch zu keinen Ausschreitungen. "Verhältnismäßigkeit" ist das oberste Prinzip für die Einsätze, sagt Rainer Kroschwald, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Erding.

Die Corona-Zahlen sinken zwar, die Maßnahmen werden gelockert, auf große Partys muss man aber nach der aktuellen Verordnung verzichten. Bei einer Inzidenz unter 50 sind Feiern draußen mit bis zu 100 Personen möglich, drinnen mit bis zu 50. Dann entfällt auch die Testpflicht. Geimpfte und Genese zählen nicht mit. Generell ist jeder dazu verpflichtet, wo immer möglich zu anderen Menschen einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.

"Seit es im April und Mai schön geworden ist, haben wir das Thema, dass fast jedes Wochenende gefeiert wird. Was verständlich ist, die Leute wollen einfach raus", sagt Kroschwald. Die Polizei schreite erst dann ein, wenn man feststelle, dass Verstöße da sind. "Aber wir machen das immer unter der Vorgabe der Verhältnismäßigkeit. Wenn es zu viele Gäste werden oder die Feier zu lange dauert, werden wir natürlich aktiv, wie wir es auch schon gemacht haben. Wir haben ja Verständnis dafür, dass gefeiert wird", sagt der PI-Leiter. Deshalb weisen die Beamten bei Veranstaltungen zunächst nur darauf hin, vernünftig zu sein und die Abstände einzuhalten. Je niedriger die Inzidenz sei, desto weniger Verständnis bemerke man bei der Bevölkerung für Einschränkungen. Bisher habe der Appell an die Leute, dass es immer noch ein Abstandsgebot gibt, aber funktioniert. Es habe in Erding auch noch keine Situation gegeben, wie zuletzt in Augsburg oder München, wo Plätze wegen Straftaten geräumt wurden.

Aus der Abiturfeier ist eine Party am Kronthaler Weiher geworden. Das Wetter spielte mit, es kamen Hunderte zum Feiern - beobachtet von der Polizei.

(Foto: Antonia Steiger/oh)

Der PI-Leiter versteht, warum es für Privatleute schwer sei zu verstehen, warum sie im Außenbereich nur mit 100 Leuten Hochzeit feiern dürften, aber am Kronthaler Weiher würden viel mehr feiern. Man müsse trotzdem einen Unterschied machen. "Nach der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zählten zu den zehn erlaubten Personen Geimpfte und Genesenen aber nicht dazu. Dann können schnell mal 30 bis 40 Menschen auf einen Haufen zusammen kommen, was dann rechtlich nicht zu beanstanden ist." Die Kontrolle sei nicht einfach - weder für die Einsatzkräfte noch das Ordnungsamt.

"Natürlich fragt sich der Bürger, warum wir dort nicht einschreiten. Unsere Wahrnehmung ist, dass der Großteil der Bevölkerung sagt, dass es gut ist, wenn wir vernünftig handeln. Nicht rigoros einschreiten, weil es Ordnungswidrigkeiten gibt. Sondern mit Augenmaß, mit Bedacht und verhältnismäßig." Man habe aber auch schon Gruppen Jugendlicher gehabt, die alkoholisiert gar nicht den Anweisungen folgen wollten und den Platzverweis missachteten. "Dann wurden sie auch in Gewahrsam genommen", sagt Kroschwald.

Amtseinfuehrung

Rainer Kroschwald ist Leiter der Polizeiinspektion Erding.

(Foto: Antonia Steiger/oh)

Die Polizei schreite ein, sobald es zu Straftaten komme. Zum Beispiel Körperverletzungen, Sachbeschädigungen oder Sexualdelikte wie in München. "Dann sind wir verpflichtet einzuschreiten. Solange aber alles friedlich, ruhig und überschaubar ist, werden wir erst im Rahmen der Verhältnismäßigkeit einschreiten. Die Leute sollten aber immer daran denken, dass es das Abstandsgebot weiter gibt", sagt der Polizeichef.

Problematisch sei für die Polizei auch, wenn im Fernsehen Bilder von Fußballfans im Stadion bei der Europameisterschaft zu sehen seien, bei denen Masken- und Abstandspflicht verletzt würden. Deshalb habe man aber keinen eigenen Anspruch, es deshalb auch so zu machen. Austragen müsse es dann die Polizei vor Ort, die es nie allen Recht machen könne. "Schreiten wir ein, ruft ein Teil der Bevölkerung: Das ist völlig überzogen, wir haben doch eine Inzidenz von unter zehn. Machen wir nichts, sagt ein anderer Teil, Moment mal, wir haben doch noch Coronaauflagen, warum macht ihr nichts?"

Der Leiter der PI möchte nicht mit Gewalt gegen friedlich feiernde Jugendliche vorgehen, sondern nur im Rahmen der Verhältnismäßigkeit. "Aber wir sind präsent und beobachten das Veranstaltungsgeschehen natürlich. Wenn was aus dem Ruder läuft oder es Beschwerden gibt, reagieren wir - aber mit Augenmaß."

© SZ vom 23.06.2021
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