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Landkreis Erding:Weniger Fehltage in den Betrieben

Im Landkreis Erding melden sich Arbeitnehmer seltener krank als im bayernweiten Durchschnitt. Arbeitsmoral, Alter oder einfach gute Vorsorge?

Laut der Krankenstatistik der AOK Erding liegt die Zahl der krankgeschriebenen Arbeitnehmer im Landkreis unter dem bayernweiten Durchschnitt. So sind 2009 noch 4,1 Prozent der Arbeitnehmer krankheitsbedingt ausgefallen, 2010 sank die Zahl um 0,1 Prozent. Zu Allgemeinarzt Ulf Müller kommen täglich rund zehn Patienten in seine Erdinger Praxis, um sich krankheitsbedingt von der Arbeit abzumelden. Dabei gebe es nur selten "Blaumacher", so Müller. "Meist ist das Problem eher, dass sich die Arbeitnehmer nicht krankmelden möchten."

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Yoga-Kurse in der Mittagspause oder Rückenschulung nach der Arbeit - viele Firmen bieten ihren Mitarbeitern Programme an, um sich fit zu halten und Krankheiten vorzubeugen.

(Foto: DPA)

Der Grund sei nicht die Angst um den Arbeitsplatz, sondern eher die Verantwortung gegenüber der Arbeitsstelle selbst. Viele befürchteten, dass sie nicht zu Hause bleiben können, da ansonsten die Arbeit liegen bleibe und nicht verrichtet werde. Dieses Verantwortungsbewusstsein sieht Ulf Müller auch als Grund, warum gerade in Erding weniger Krankmeldungen vorliegen: "Es gibt derzeit viel Arbeit in Erding, das wirtschaftliche Hoch nimmt die Arbeitnehmer in Erding voll in Anspruch."

Heinrich Neumann von der AOK Erding vermutet zudem, dass die Arbeitnehmer im Landkreis meist jünger sind als im bayernweiten Durchschnitt, daher seien auch die Fehlzeiten geringer. Die AOK bietet überdies bundesweit ein betriebliches Gesundheitsmanagement an, um arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen, das in Erding rund 20 Unternehmen in Anspruch nehmen. "Den Arbeitgebern liegt bei einer Krankmeldung kein Grund für das Fehlen vor, die Krankenkassen wissen jedoch über die Ursache Bescheid", sagt Neumann.

Daher bietet die AOK den Firmen eine Analyse der Krankheitsbilder und mögliche Verbesserungsvorschläge, um die Krankenzahlen zu reduzieren. So ist bei häufigen Infektionskrankheiten meist die Zugluft an den Arbeitsplätzen schuld, die Rückenschulungen der AOK sollen Arbeitnehmern bei der richtigen Haltung am Arbeitsplatz helfen, denn ein Viertel der Fehltage geht auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück. "Den Unternehmen steht nach der Präsentation der Daten frei, ob und wie sie die Bedingungen an den Arbeitsplätzen verändern."

Der Stresspegel steigt

Die Raiffeisenbank in Erding nutzt seit Herbst 2010 das Angebot der AOK und prüft derzeit die Ergebnisse der vorgelegten Statistik. "Wir sehen bereits jetzt, dass der Stress für die Mitarbeiter deutlich zugenommen hat", sagt Helmut Daschinger, Vorstand der Raiffeisenbank. Der Arbeitsalltag sei schnelllebiger geworden. "Hat ein Mitarbeiter früher einen Brief bekommen, hatte er zwei bis drei Tage Zeit für die Bearbeitung. Wenn heutzutage Vormittag eine E-Mail kommt, erwartet der Absender eine sofortige Antwort", erklärt Daschinger.

Um den Stress der derzeit 100 Mitarbeiter zu reduzieren, entwickelt der Arbeitskreis der Raiffeisenbank neue Strategien, damit die Arbeit nicht krank macht. "Der Krankenstand der Arbeitnehmer ist in unserem Unternehmen in einem normalen Bereich." Zu den üblichen Ausfallgründen gehörten Grippe oder Sportverletzungen. Damit es nur dabei bleibt, versucht das Unternehmen präventiv die Belastung der Angestellten zu reduzieren.

Das Kreditinstitut legt zudem Wert auf rückenfreundliches Arbeiten: "Bei den Steharbeitsplätzen am Schalter muss es für unsere Mitarbeiter Ausweichmöglichkeiten geben, um zwischendurch auch sitzen zu können", sagt Daschinger. Zudem testeten die Angestellten neue Stühle. Das "Probesitzen" sei vor allem aufgrund der neuen flexiblen Sitzfläche wichtig gewesen. "Es ist nicht einfach, diese Eigenbewegung auszugleichen." Doch dabei wird die Muskulatur gestärkt und der Rücken geschont. "Jetzt überprüfen wir alle Arbeitsplätze und tauschen gegebenenfalls altes Mobiliar aus", erklärt der Bankvorstand.