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Grundschulen im Landkreis Erding:Stabile Zahlen und reichlich Ungewissheit

Es gibt etwas weniger Erstklässler als im vergangenen Jahr, dank Zuzug aber insgesamt mehr Grundschüler. Die Mittelschulen sind durchweg gut besucht. Sorgen bereiten die coronabedingte Ausfälle von Lehrern

Von Florian Tempel, Erding

So vieles ist beim Schulstart in diesem Jahr anders als in den Jahren zuvor. Nur auf dem Papier, in den Statistiken und Erhebungen des Schulamts, sieht alles ganz stabil aus. Die Zahl der Erstklässler liegt mit 1227 Buben und Mädchen geringfügig unter der des Vorjahrs (1246). Dafür ist die Gesamtzahl aller Grundschüler jedoch um 122 auf 5017 gestiegen. Da die Steigerung also nur die Klassen drei bis vier betrifft, zeigt dies, dass der Zuzug in den Landkreis auch im Corona-Jahr 2020 angehalten hat. Auch die Mittelschulen, für die das Schulamt ebenfalls zuständig ist, weisen stabile Schülerzahlen auf. 2338 Kinder und Jugendliche an den Mittelschulen sind nur 22 weniger als im Jahr zuvor. Unter diesen Umständen ist aktuell der Bestand keiner der 31 Grund- und zehn Mittelschulen im Landkreis gefährdet.

Schulamtsdirektorin Marion Bauer und der neue Schulrat Stephan Rettig, der zuletzt die Grund- und Mittelschule in Finsing leitete, hatten somit im Pressegespräch zum Schulstart durchaus Positives und Unproblematisches zu berichten. Die Auswirkung der Corona-Pandemie und die Anstrengungen, trotzdem vom 8. September an einen relativ normalen Schulalltag hinzubekommen, beschäftigen aber auch sie natürlich am meisten. Bauer stellte zwar klar, dass das Schulamt den einzelnen Schulen keine besonderen Vorgaben mache. Jede Schulleitung sei selbst dafür verantwortlich, wie die vom Kultusministerium bestimmten Regeln zum Schutz vor Corona-Infektionen im Detail umgesetzt werden. Das sei aber auch gar nicht anders möglich, sagte Bauer, da die Schulen in vieler Hinsicht unterschiedlich seien. Falls es zu Ansteckungen kommen sollte, erwartet sie keine kompletten Schulschließungen - "die soll es nicht mehr geben".

Allerdings müsse man gut darauf vorbereitet sein, dass ganze Klassen vorübergehend wieder nach Hause geschickt werden und dann doch wieder das Homeschooling anläuft. Das Kultusministerium habe in einem ministeriellen Schreiben nun klarere Regeln für den Distanzunterricht in Bayern festgelegt. So soll es in jedem Fall "einen festen Rhythmus" geben, etwa mit "Guten-Morgen-Botschaften" der Lehrkräfte an die Schüler und einer Anwesenheitsüberprüfungen. Es gehe darum, im Fall von Heimunterricht "Struktur in den Tag zu bringen", sagte Bauer.

Eine Schwierigkeit sieht Bauer jedoch in der technischen Ausstattung der Schüler: "Das Problem sind die Endgeräte." Man brauche aber nicht nur Laptops oder Tablets als Leihgeräte, "sondern sie brauchen auch Wlan zu Hause". Eine zweite Frage sei, ob die vom Kultusministerium flächendeckend angebotene Software für Videokonferenzen auch für jüngere Schüler geeignet sei. Die Anwendung von Microsoft Teams sei für Grundschüler sicher nicht das Richtige. Was für welche Jahrgangsstufe passe, müsse noch getestet und ausprobiert werden. "Da ist viel in Bewegung", sagte Bauer, auch dank vieler Fachberater und engagierter Lehrkräfte, die ihre Kollegen "im technischen und pädagogischen Bereich" des digitalen Distanzunterrichts schulten.

Insgesamt sind 642 Lehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen in diesem Schuljahr im Einsatz. Coronabedingt fallen zwei Lehrkräfte, die zu einer Risikogruppe gehören, und zwölf schwangere Lehrerinnen für den Präsenzunterricht aus. Sie seien dennoch im Dienst, sagte Bauer, und arbeiteten von zu Hause aus mit. Die mobile Lehrerreserve sei deshalb aber bereits stark reduziert. Sollten im Schuljahr weitere Lehrkräfte ausfallen, gebe es kaum Ersatz, der einspringen könne.

Konzeptionell neu ist in diesem Schuljahr die Einführung von M-Kursen an den Mittelschulen mit M-Zweigen und analogen M-Modulen an den anderen Schulen. Die seit langem bekannten M-Klassen beginnen erst in der siebten Jahrgangsstufe und können von Schülern belegt werden, die in Deutsch, Mathematik und Englisch einen Notenschnitt von 2,66 vorweisen können. Mit den M-Kursen und Modulen, die schon in der Fünften beginnen, sollen Schüler gezielt auf den M-Zug vorbereitet werden. Die Gesamtzahl der Schüler, die an einer Mittelschule einen Mittleren Schulabschluss anstreben, liegt mittlerweile bereits bei etwas mehr als 20 Prozent.

© SZ vom 04.09.2020

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