Landkreis Erding Rasend schnell ins Unglück

Überhöhte Geschwindigkeit steigert das Unfallrisiko. Die Bürger im Landkreis Erding sind dennoch häufig zu schnell unterwegs. Die Zahl der Verkehrsunfälleist im verangengen Jahr um fast die Hälfte gestiegen.

Von Florian Tempel

Die polizeiliche Unfallstatistik 2010 verzeichnet eine eklatante Zunahme von Verkehrsunfällen, bei denen zu hohe Geschwindigkeit zumindest eine der Ursachen war. Binnen zwölf Monaten stieg die Zahl solcher Unfälle im Landkreis Erding von 167 auf 283 und somit um enorme 42,5 Prozent. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord hat deshalb den morgigen Donnerstag und den Freitag zum Aktionstag gegen Temposünder erklärt - die Polizei wird an etwa zwanzig Stellen im Landkreis verschärft Tempomessungen durchführen.

In Erding sind die Auto- und Motorradfahrer schneller unterwegs, als in den benachbarten Landkreisen. Viele sind sogar zu schnell unterwegs und erhöhen damit das Unfallrisiko.

(Foto: dpa)

Der Zahl der Unfälle wegen "überhöhter beziehungsweise nicht angepasster Geschwindigkeit" ist zwar im gesamten, zehn Landkreise und die Stadt Ingolstadt umfassenden Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums gestiegen. Doch "speziell Erding ist ein bisschen überdurchschnittlich", sagte Polizeisprecher Peter Grießer.

Im Landkreis Ebersberg nahm die Zahl der Tempo-Unfälle nur um gut zehn Prozent zu, im Landkreis Freising war der Anstieg prozentual genau so hoch wie im Landkreis Erding und am höchsten war der Anstieg mit 65 Prozent im Landkreis Fürstenfeldbruck. Sind also die Ebersberger Auto- und Motorradfahrer besonnener als die hektischen Erdinger und Freisinger und sind die Fürstenfeldbrucker die schlimmsten Raser?

Diesen Schluss wollen weder das Polizeipräsidium noch örtliche Polizeivertreter ziehen. Denn der Anstieg der Zahlen in einzelnen Landkreisen kann durchaus auch eine meteorologische Erklärung haben: Jeder, der in einem kalten und schneereichen Winter mit seinem Auto von einer eisglatten Fahrbahn in den Straßengraben rutscht, baut einen Unfall wegen "nicht angepasster Geschwindigkeit". Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich, dass die Werte tatsächlich von Jahr zu Jahr stark variieren.

Dennoch bleibt überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Ursache vor allem bei besonders schweren Verkehrsunfällen mit Verletzten und Toten. In vielen Fällen sei jedoch nicht nur hohes Tempo, sondern vor allem risikoreiches Überholen und zu dichtes Auffahren eine weitere, ebenso entscheidende Unfallursache, sagte Polizeisprecher Grießer.

Ein klares Ergebnis der Statistik ist hingegen in jedem Fall, dass junge Autofahrer deutlich häufiger Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit verursachen als ältere Verkehrsteilnehmer. Über ein Drittel dieser Unfälle gehen auf das Konto der 18- bis 24-Jährigen. Als zweite Altersgruppe nach den Fahranfängern ist in der Unfallstatistik die ungleich größere Menge der 25 bis 64 Jahre alten Verkehrsteilnehmer erfasst, die 2010 für 137 Tempounfälle im Landkreis Erding verantwortlich waren. Aus dem Kreis der über 64-Jährigen haben nur zwei einen Unfall wegen zu hoher Geschwindigkeit verursacht.

Auch ein weiteres Ergebnis einer näheren Betrachtung der Statistik ist wenig überraschend: Die meisten Unfälle durch zu hohe Geschwindigkeit passieren im Landkreis Erding auf den viel befahrenen Bundesstraßen B 388 und B15, auf der Flughafentangente Ost sowie auf den anderen Straßen Richtung Flughafen und auf den Staatsstraßen, die Erding mit Hohenlinden, Wartenberg und Markt Schwaben verbinden.