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Landkreis Erding:Palliativteam startet im Frühsommer

Der Christophorus-Hospizverein Erding hat sich nach jahrelangen Verhandlungen mit den Krankenkassen geeinigt. Jetzt können Schwerstkranke ambulant mit schmerzlindernden Medikamenten versorgt werden.

Der jahrelange Kampf hat sich gelohnt: Noch in diesem Frühsommer startet die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) im Landkreis Erding. Vor wenigen Wochen hat sich der Christophorus-Hospizverein Erding mit der AOK geeinigt. Nun sollen die anderen Krankenkassen nachziehen. Dann kann die neu gegründete Palliativteam GmbH mit fünf Ärzten und fünf Hospizschwestern die ambulante Versorgung Schwerstkranker im Landkreis übernehmen - eine Aufgabe, die bislang der Hospizverein mit seinem Palliativ Care Team auf ehrenamtlicher Basis zu erfüllen versucht hat.

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Jahrelang rangen die Mitglieder des Erdinger Hospizvereins mit den Krankenkassen um die Finanzierung: Im Frühsommer kann jetzt die ambulante Versorgung Schwerstkranker, die es bisher vor allem in Großstädten gibt, auch im Landkreis Erding starten.

(Foto: dpa)

Nach dem Landkreis Mühldorf wird der Landkreis Erding der zweite Kreis in Bayern sein, bei dem die seit 2007 gesetzlich vorgeschriebene ambulante Versorgung Schwerstkranker mit schmerzlindernden Medikamenten auch im ländlichen Raum funktionieren wird.

Jahrelang rangen die Mitglieder des Erdinger Hospizvereins mit den Kassen um die Finanzierung dieser Arbeit. Zwischendurch habe er auch daran gedacht aufzugeben, sagt Peter Schmidkonz, der ärztlicher Leiter des Palliativteams wird und sich deswegen nicht mehr als Vorsitzender des Hospizvereins zur Wahl gestellt hat. Sein Nachfolger ist seit wenigen Wochen der Arzt Johannes Schollen, Stellvertreterin bleibt Herta Heymach. Nun sei er "superfroh", sagt Schmidkonz. Es sei "fast wie ein Wunder", freut sich auch Rita Gabler, die den Pflegedienst des Palliativteams leiten wird.

Bei den Kassen habe sich schließlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es eine "flexible Bezahlung" geben müsse, erläutert Schmidkonz. Anders sei die ambulante palliative Versorgung Schwerstkranker auf dem Lande nicht zu bekommen. Auch der politische Einfluss hat Schmidkonz zufolge auf diesen Sinneswandel bei den Kassen Einfluss gehabt.

Bislang gibt es die schmerzlindernde Versorgung der Schwerstkranken in ihren eigenen vier Wänden in Bayern vor allem in den Ballungszentren wie Regensburg, Nürnberg und München; dort sind die Wege kürzer. Die finanzielle Ausstattung der Palliativteams auch für den ländlichen Raum hatte sich zunächst daran orientiert.

Der Vertrag, der die ambulante Versorgung der Schwerstkranken im Landkreis Erding regelt, gilt laut Schmidkonz zunächst für zwei Jahre. Dann werde sich herausstellen, ob das Palliativteam für den Landkreis Erding wirtschaftlich arbeiten könne. "Auf Dauer muss das kostendeckend sein", sagt Schmidkonz, der mit stabilen Patientenzahlen rechnet.

Der Start der ambulanten Palliativversorgung soll noch in diesem Frühsommer erfolgen. Die fünf Ärzte und die fünf Schwestern stehen parat, dazu gibt es eine Sekretärin und einen Geschäftsführer. Räume müssen noch eingerichtet und die EDV vorbereitet werden, denn die Kassen verlangen eine detaillierte Dokumentation der Arbeit.

Die Vereinbarung mit der AOK, sagt Schmidkonz, ist der große Durchbruch gewesen. Von den anderen Kassen erwarte er nun, dass sie die Verträge ebenfalls unterschrieben. Am gestrigen Freitag ist beim Notar die Gründung einer GmbH besiegelt worden, die Träger des Palliativteams sein wird, das aus dem Hospizverein ausgelagert wird.