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Landkreis Erding:Fragen zum Frauenhaus

Grüne und SPD wollen wissen, wie es in diesem Jahr läuft

Von Florian Tempel, Erding

2017 war das Frauenhaus Erding monatelang ein großes Thema in der Landkreispolitik. Nach der für viele nicht nachvollziehbaren Kündigung des langjährigen Trägers, des Sozialdiensts katholischer Frauen München, übernahm der Erdinger Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Zugleich ging auch die Interventionsstelle für Opfer von Beziehungsgewalt an den BRK-Kreisverband und ein eigener Frauennotruf wurde neu eingerichtet. Vor einem Jahr ging es mit einem sogenannten Second Stage-Projekt weiter, bei dem Frauen aus dem Frauenhaus in externe Wohnungen umziehen können, aber weiterhin betreut werden. Die Kreistagsfraktionen der Grünen und der SPD wollen nun wissen, wie es in den vergangenen Monaten gelaufen ist und wie sich die einzelnen Projekten entwickelt haben.

Den Antrag dazu haben die Fraktionssprecherinnen Ulla Dieckmann und Helga Stieglmeier formuliert. Stieglmeier ist außerdem auch frauenpolitische Sprecherin im Landesvorstand der bayerischen Grünen. In der Einleitung des Antrags wird deutlich gemacht, wie wichtig Einrichtungen zum Schutz von Frauen sind. Im Jahr 2019 sei in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau durch ihren Partner getötet worden, heißt es, und statistisch gesehen werde alle 45 Minuten eine Frau im privaten Umfeld angegriffen. Zwei wichtige Fragen sind deshalb, wie in diesem Jahr bislang die Belegung im Erdinger Frauenhaus war und welche Auswirkungen die Pandemie hatte.

In den ersten Monaten der Corona-Krise hatte der BRK-Kreisverband einen vorübergehenden Aufnahmestopp verhängt, da die Gefahr einer Ansteckung durch Neuzugänge als zu groß angesehen wurde. Ende April wurde laut dem Landratsamt Erding eine eigene Quarantäne-Unterkunft bereit gestellt. Somit stünden mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um Frauen, die sich neu an das Frauenhaus wenden, zunächst an einem anderen Ort unterzubringen, hieß es im April. Die Grünen und die SPD wollen wissen, wie es seitdem weiterging.

Ein zweites Thema ist die Entwicklung des Second Stage-Projekts. In Erding gibt es - ebenfalls Stand April - drei Anschlusswohnungen für Frauen aus dem Frauenhaus. In ganz Bayern werden 15 Second Stage-Projekte im Rahmen eines zunächst bis Sommer 2021 befristeten Modellversuchs vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Erding bekommt laut Auskunft des Ministeriums 84 000 Euro Förderung. Die Grünen und die SPD wollen wissen, ob es einen Zwischenbericht über die Erdinger Erfahrungen und ein ausgearbeitetes Konzept gibt. Ganz grundsätzlich wird angefragt, ob auch für die Interventionsstelle, den Notruf und das Frauenhaus die maximale staatliche Förderung in Anspruch genommen werden kann, da diese stets an bestimme Personalschlüssel gebunden ist.

© SZ vom 14.11.2020
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