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Landkreis:Einmalige Konstellation

Im Mai hat das Rätselraten ein Ende: Hans Schreiner (FW), Ulla Diekmann (SPD) und Helga Stielmeier (Grüne) eröffnen den Wahlkampf um das Amt des Landrats.

(Foto: Renate Schmidt)

Grüne, SPD und Freie Wähler präsentieren einen gemeinsamen Kandidaten gegen den amtierenden Landrat: Hans Schreiner (FW) tritt gegen Martin Bayerstorfer (CSU) an

Grüne, SPD und Freie Wähler sorgen im Mai für eine politische Überraschung: Sie präsentieren einen gemeinsamen Kandidaten gegen den amtierenden Landrat. Hans Schreiner (Freie Wähler) tritt gegen Martin Bayerstorfer (CSU) an. Eine ungewöhnliche Konstellation, "es ist einmalig in Bayern, dass sich drei Parteien zusammen tun", sagt die SPD-Fraktionssprecherin im Kreistag, Ulla Diekmann.

Der Diplom-Agraringenieur Hans Schreiner ist seit 35 Jahren kommunalpolitisch tätig und seit fast 18 Jahren Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Bockhorn. Der 62-Jährige hatte sich Weihnachten 2018 entschlossen, nicht noch einmal als Bürgermeister anzutreten. "Erst als ich gesagt habe, dass ich als Bürgermeister aufhöre, bin ich ins Gespräch gekommen", sagte Schreiner im Interview mit der SZ. Im März 2019 begannen in aller Verschwiegenheit die Gespräche von Vertretern aller drei Parteien, im Mai war man sich dann einig. Schreiner setzt bei dieser Kandidatur alles auf eine Karte: Er kandidiert nicht auf der Kreistagsliste der Freien Wähler, dieser Verzicht war eine Bedingung von Grünen und SPD. Und er kann aus Altersgründen nur für eine Amtszeit von sechs Jahren zur Verfügung stehen: "Entweder gehe ich in Rente, oder ich werde 2020 Landrat", sagt Schreiner.

Es wäre eine kleine Sensation, wenn der Herausforderer aus Bockhorn den Amtsinhaber Bayerstorfer aus dem Sattel heben könnte. "Wenn ich es ganz optimistisch betrachte, steht es vielleicht 50:50", räumt auch Schreiner ein. Und fügt hinzu: "Man muss schon sagen, in den 18 Jahren Bayerstorfer ging es dem Landkreis nicht schlecht. Alles in allem läuft es, aber der Ton ist viel rauer geworden. Es geht um menschliche Aspekte."

Vor allem wirtschaftspolitisch zieht Bayerstorfer mit breiter Brust in den Wahlkampf, und das zurecht: Die Gewerbesteuereinnahmen sind in den vergangenen um 120 Prozent von 35 auf 77 Millionen gestiegen, die Einkommenssteuer ging um 60 Prozent nach oben. Die Arbeitslosenquote von 1,6 bis 1,8 Prozent bildet kaum mehr als eine Fluktuation beim Arbeitsplatzwechsel ab, de facto kann man von Vollbeschäftigung sprechen. Hinzu kamen enorme Investitionen in die Bildungspolitik, das gute schulische Angebot ist auch ein Argument für junge Familien, in den Landkreis zu ziehen.

Aber da ist noch die andere Seite der Medaille, die nun die drei Parteien zusammengeschweißt hat: Sein Umgangston im Kreistag sei respektlos und man fühle sich oft falsch informiert. Exemplarisch wird auch der Fall Stephan Glaubitz immer wieder genannt: Der Grünen-Kreisrat wurde nach seiner Kritik an der Erdinger Asylpolitik mit einer existenzbedrohenden Klage verfolgt. Die von Bayerstorfer eingeleitete Klage wurde vom Freistaat erst über- und später zurückgenommen. Bei seinem ersten großen Wahlkampfauftritt in Dorfen ging Schreiner auch auf diesen Fall ein und bezeichnete das als "rein diktatorische Verhaltensweisen".

Bayerstorfer darf sich nicht zu sicher fühlen und das weiß er auch; der Trend läuft gegen den Amtsinhaber: Bei seiner ersten Wahl 2002 erhielt er knapp 68 Prozent, ein sensationelles Ergebnis. Bei seiner ersten Wiederwahl 2008 sank die Zustimmung auf 62 Prozent und bei der zweiten 2014 auf 54,5 Prozent. Aber eine Stärke der CSU ist es auch, in solchen Situationen geschlossen aufzutreten und sie hat auch Bayerstorfer volle Rückendeckung gegeben. Bei den Wahlen zum CSU-Kreisvorsitzenden im Mai erhielt er mit 98 Prozent das beste Ergebnis seiner Ära und bei der Kandidatenaufstellung für das Amt des Landrats wird er ohne eine einzige Gegenstimme nominiert.

© SZ vom 28.12.2019
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