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Landgericht Landshut:Hauptzeuge fehlt  erneut

Beweisaufnahme wegenversuchten Totschlags geht weiter

Erneut zu keinem Urteil ist es im Prozess gegen zwei Asylbewerber aus Afghanistan wegen versuchten Totschlags am Landgericht Landshut am Freitag gekommen. Wie am ersten Verhandlungstag war der Hauptbelastungszeuge, ein somalischer Flüchtling, nicht erschienen. Nachdem er schon beim ersten Mal unentschuldigt nicht gekommen war, hatte das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Markus Kring diesmal die zuständige Polizeiinspektion in Dorfen gebeten, den Zeugen rechtzeitig von seiner Asylbewerberunterkunft abzuholen. Doch diese scheiterte mehrmals, sowohl am Tag vor der Verhandlung als auch am Freitag.

Mit einem Verzicht auf dessen Anhörung und nur der Verlesung des Protokolls, das bei seiner Zeugenvernehmung bei der Polizei nach dem Vorfall verfasst worden war, wie es Richter Kring angeregt hatte, wollte sich die Verteidigung des vor allem durch vorherige Zeugen stark belasteten Mandanten nicht einlassen. Laut Richter Kring sei die Aussage bei der Polizei "tendenziell entlastend" für den Angeklagten. Sollte er vor Gericht aussagen, müsse er sich aber darauf einstellen, die "Diskrepanz" wischen seinen Aussagen und denen der anderen Zeugen, die den Vorfall alle so ähnlich wie in der Anklageschrift geschildert hatten, zu erklären, sagte Kring. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Somalier am 8. Mai 2018 im Streit von einem der beiden Afghanen zu Boden gebracht und massiv gewürgt worden sei, während der andere mit den Füßen auf das Opfer eingetreten habe.

Sollte der 20-jährige Somalier auch zur Verhandlung am Freitag, 24. Mai, 9 Uhr, am Landgericht unentschuldigt nicht erscheinen, droht ihm ein Ordnungsgeld sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten, die dadurch entstanden sind, wie der Vorsitzende Richter erklärte. Alleine der Dolmetscher, der für den Somali bestellt ist, kam bisher zweimal umsonst.

Weil es zu keiner Zeugenvernehmung kam, wurden Gutachten und Auszüge aus dem Bundeszentralregister der beiden Angeklagten verlesen. Bei beiden passten nach den ärztlichen Befunden die Verletzungen, die sie am Körper vorwiesen, zur Schilderung des Tatablaufs, wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft steht. Beim Angegriffenen, dem Somalier, kamen vor allem tatrelevante Verletzungen am Hals dazu. Diese würde plausibel durch Würgen mit einer Hand zusammen passen. Auch die Schilderungen der Zeugen von Atemnot, Röcheln und Augenverdrehen, würde dazu passen. Bei einer "konsequenten Fortführen" des Würgen wäre auch der Tod des Somaliers möglich gewesen, was durch das beherzte Eingreifen eines Polizeibeamten außer Dienst verhindert wurde.

Da die Zeugen des Vorfalls in der Erdinger Asylbewerberunterkunft in der Nähe des Korbinian-Aigner-Gymnasiums, Nachbarn und der ebenfalls benachbarte Polizist bereits am ersten Verhandlungstag vor allem den jungen Afghanen belastet hatte, der gewürgt habe, zeigten auch die Einträge im Bundeszentralregister laut Richter Kring eines: "Kann es sein, dass Sie möglicherweise unter Stress zu Gewalttätigkeit neigen und Würgen geradezu ein Mittel der Gewalt für Sie ist?" Zweimal wurde der Angeklagte schon wegen Angriffe auf Vollzugsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung und Beleidigung verurteilt. In einem Fall - einen Tag vor der Tat - waren die Polizeibeamten zur Unterkunft wegen Hilferufen gekommen. Laut Richter Kring soll er damals seine Freundin ebenfalls gewürgt haben. Sie sei sogar ins Krankenhaus gefahren worden.