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Kunstverein Erding:Offen oder verschlossen?

Europa ist für Peter Breth vor allem ein Friedensprojekt. Das visualisiert er in seinem Beitrag zur Jahresausstellung, einer Collage unter anderem mit Todesanzeigen aus dem Zweiten Weltkrieg, die seine Großmutter aus der Wormser Zeitung ausgeschnitten hatte. Repro: Renate Schmidt/Oh

Das Thema der großen Jahresausstellung heißt "Europa". Beim Sinnflut-Festival wird mit einer ganz und gar positiven Aktion der friedensstiftende Aspekt betont

Das Thema, das der Kunstverein Erding für seine Jahresausstellung 2019 ausgesucht hat, besteht nur aus einem einzigen Wort: "Europa". Das ist kurz und knapp, ebenso alt wie zeitgemäß, offen und weit - oder klingt es manchen heute nicht eher zaudernd und verschlossen?

Das Thema "Europa" bietet für die künstlerische Auseinandersetzung so viel Raum, dass es einigen schon zu viel war. Der Isener Uwe Kloos, seit diesem Frühjahr Vorsitzender des Kunstvereins, geht darauf im Vorwort des Ausstellungskatalogs ein: Es habe bei den Mitgliedertreffen richtig kontroverse Diskussionen gegeben, schreibt Kloos, ob man das Thema "Europa" denn ohne jeden weiteren Zusatz einfach so für sich stehen lassen könne. Nicht wenige vertraten die Ansicht, man müsste mit einem Zusatz für einen schärferen thematischen Fokus sorgen. Die Vorschläge gingen von "Europa - mon amour" bis zu "Europa - fake views". Letztlich aber blieb es doch beim puren Begriff, der es in maximaler Bandbreite erlaubt, mit ihm künstlerisch umzugehen.

76 Künstlerinnen und Künstler haben die Herausforderung angenommen und auf die landesweite Ausschreibung des Kunstvereins mit der Einreichung von insgesamt 148 Werken reagiert. Etwas weniger als die Hälfte der Bewerbungen kamen von Vereinsmitglieder, die Mehrzahl kam von auswärts.

Die offene Jahresausstellung in Erding, die Anfang August zwei Wochen lang im Frauenkircherl zu sehen sein wird, lockt auch, weil es zwei Preise zu gewinnen gibt. Den mit 1000 Euro dotierten Kunstpreis des Landkreis Erding und einen von der Sparkasse Erding-Dorfen gestifteten Preis mit 500 Euro. Eine fünfköpfige Jury, bestehend aus dem ersten Vorsitzende und vier extra dafür gewählten Vereinsmitgliedern, hat im Juni alle eingereichten Arbeiten gesichtet und 33 Werke für die Ausstellung ausgewählt. Zu sehen sein werden Bilder in den verschiedensten Techniken, aber auch Objekte und Skulpturen. Noch will und darf Kloos nicht viel verraten. Doch so viel kann er schon sagen: Das offen gehaltene Europa-Thema ist in sehr vielseitiger Weise umgesetzt worden. Die Sichtweisen und Aspekte, die die Künstler in ihren Arbeiten eingenommen haben, spiegeln die Vielschichtigkeit und die Zerrissenheit wider, mit der sich Europa betrachten und interpretieren lässt.

Wenn im Frauenkircherl alles steht und hängt, wird eine Preisjury, für die der Kunstverein drei renommierte Künstler gewonnen hat, sich alles anschauen und sich auf die zwei Gewinner einigen müssen. Am gleichen Abend werden die Namen der Preisträger dann bei der Vernissage bekannt gegeben.

Das Thema "Europa" wird vom Kunstverein auch auf Sinnflut-Festival umgesetzt. Peter Breth baut einen sechs Meter hohen Friedensbaum, an dem 28 unterschiedliche Tauben die 28 Mitgliedsstaaten der EU symbolisieren. Die Tauben werden von etwa einem Dutzend Mitgliedern aus verschiedenen Materialien gefertigt. Dazu wird am Friedensbaum jeder EU-Staat mit seiner Fahne und dem Wort "Frieden" in der Landessprache dargestellt.

"Europa"-Friedensbaum , Aufstellung am Sinnflut-Gelände, Samstag, 27. Juli, 11 Uhr, um 17 Uhr lässt der Kunstverein weiße Tauben fliegen; Jahresausstellung , 2. bis 18. August, im Frauenkircherl.