Süddeutsche Zeitung

Kunstausstellung in Erding:Durch die Witwe vereint

Die Bilder des Tiermalers Johann Georg Schlech werden ab September im Franz Xaver Stahl Museum zu sehen sein. Die beiden verband eine Freundschaft - und dieselbe Ehefrau

Es gehört zu den Privilegien der Künstler, dass das, was sie hinterlassen, gegenständlich ist. Da mag die Biografie in einigen Fällen schon einen Schatten werfen, der sich zu einem fetten Fragezeichen auftut - das Werk bleibt einfach bestehen. Seit 2014 gibt es das Franz Xaver Stahl Museum in Erding. Margarete Stahl hatte es der Stadt vermacht und mit ihm die Werke ihres verstorbenen Mannes. Dabei war er nicht der einzige Künstler, dessen Bilder sich in dem Haus an der Landshuter Straße befanden. Denn bevor Margarete Stahl den Erdinger Künstler heiratete, lebte sie mit Johann Georg Schlech zusammen. Und dessen Bilder sind ab dem 1. September im Museum ausgestellt. Der Tiermaler kam aus einer reichen Münchner Hoteliersfamilie, musste als Jugendlicher im Ersten Weltkrieg kämpfen und entschloss sich, nachdem er ein Kriegsabitur abgelegt hatte, ab 1920 Tiermalerei an der Kunstakademie in München zu studieren. Da entstanden die ersten Bilder. Zu sehen sind Tiere und Landschaften in Acryl und Öl aber auch mit Buntstiften gemalte. Schafe, Esel und Schweine sind genauso realistisch dargestellt wie Stillleben von Blumensträußen. Während des Studiums in München lernte er Franz Xaver Stahl kennen, mit dem ihn eine Freundschaft verband. So kam er gelegentlich nach Erding in das Elternhaus Stahls.

Anders als der Freund und spätere Ehemann seiner Frau, Franz Xaver Stahl, hat der 1952 verstorbene Tiermaler Johann Georg Schlech keine NSDAP-Vergangenheit aufzuweisen. Ansonsten gibt es aber vieles, was die beiden vereint, nicht zuletzt, dass sich ihrer beider Nachlass in dem seit 2014 bestehenden Franz Xaver Stahl Museum befindet. Als Margarete Schlech mit ihrem neuen Mann in den fünfziger Jahren nach Erding zog, nachdem ihr Johann Georg 1952 gestorben war, brachte sie auch etwa 3000 Kunstobjekte des Verstorbenen mit in das Haus in der Landshuter Straße, wo die Bilder, Zeichnungen und Radierungen Schlechs von nun an neben denen Stahls hingen.

Stahl kannte den vorherigen Mann seiner Frau Margarete aus der gemeinsamen Zeit an der Akademie. Tiermalerei war da noch eine eigene akademische Disziplin. Schlechs realistische Landschafts- und Tierdarstellungen bilden den Kontrast zu den Kriegserinnerungen. Hier ist das idyllische Land zu sehen. Damit ist er nicht allein: "Die Bilder haben sich schon damals sehr gut verkauft", sagt die Leiterin des Franz Xaver Stahl Museums in Erding, Heike Kronseder. In ihrem Haus sind September an ungefähr fünfzig Bilder, Dokumente, Fotografien und Briefe Schlechs zu sehen. Er hätte dieses Jahr seinen 120. Geburtstag feiern können. Der Geburtstag ist allerdings nicht der einzige Anlass. Zu Lebzeiten war es Margarete Stahl ein Anliegen, auch das Werk ihres ersten Ehemannes bekannt zu machen. "Schorschi", so hätte sie Johann Georg Schlech immer genannt, wäre aber in Erding zu unbekannt gewesen und der Chiemsee, wo er lange Zeit gearbeitet hatte, sei für die Witwe zu weit weg gewesen, sagt Kronseder. 2004 gab es im Frauenkircherl schon einmal eine Ausstellung. Die kommende Bilderschau wird wesentlich größer. Neben den vielen Tierbildern werden auch etliche Landschaftsbilder zu sehen sein. "Das ist der große Unterschied in der Malerei der beiden, dass Schlech mehr Landschaftsbilder aus dem Chiemgau und dem Dachauer Land gemalt hat", sagt Kronseder, für die sich die Werke der beiden ansonsten gut ergänzen. Unter seinen Freunden galt Schlech zu Lebzeiten als der König der Buntstifte, weil er die immer zur Hand hatte.

Die Ausstellung "Johann Georg Schlech: Ein Meister der Landschafts- und Tiermalerei" ist geöffnet am 1., 8. und 15. September von 14 bis 17 Uhr. An allen anderen Tagen kann man Führungen zur Besichtigung buchen unter Telefon 0171/80 95 120 oder 08122/40 81 60.

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SZ vom 20.08.2019
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