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Kreismusikschule Erding:Wettbewerb im Videoformat

Selina Bichlmaier, darf auf Bundesebene weitermachen.

(Foto: Privat)

Neun Schülerinnen und Schüler der KMS waren bei "Jugend musiziert" auf Landesebene mit zu Hause aufgenommenen Beiträgen erfolgreich

Von Julian Illig, Erding

Die Kreismusikschule Erding (KMS) freut sich über das gute Abschneiden ihrer Schülerinnen und Schüler beim diesjährigen Wettbewerb "Jugend musiziert", neun haben auf Landesebene einen Preis errungen. Im Corona-Zeitalter fand der Wettbewerb als Videoformat statt. Die Teilnehmer mussten ihr Repertoire selbst aufnehmen und einschicken. Es hätten "schon weniger als sonst" beim Wettbewerb mitgemacht, einen "wirklich messbaren Einbruch" kann KMS-Direktor Peter Hackel aber nicht feststellen.

Besonders erfolgreich war Selina Bichlmaier aus Fraunberg, sie holte einen ersten Preis und wurde auch zum Bundeswettbewerb zugelassen. Vieles war anders bei ihrer bereits dritten Teilnahme am Wettbewerb. Der Unterricht fand nur digital statt und auch die üblichen Konzerte zur Vorbereitung auf den Wettbewerbsauftritt fehlten. Trotzdem war die Hackbrettspielerin motiviert und empfand den Videowettbewerb als eine "schöne Erfahrung", wie sie sagt. Sie kann der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen, weil sie noch eigenständiger über den Tag verteilt üben konnte, auch Schulpausen nutzte sie. Hackbrett spielt sie seit zehn Jahren - das Instrument hatte ihr einfach besonders gut gefallen - und auch diese lange Erfahrung kam ihr jetzt zugute, meint die 15-Jährige.

Das digitale Format habe auch Vorteile, schließlich könne man sich öfter aufnehmen, sagt Selina. Ihre Einsendung habe sie etwa fünf Mal eingespielt, um dann die beste Version auszuwählen. KMS-Leiter Hackel und Hackbrettlehrerin Franziska Meier sind sich einig, dass das Aufnehmen an sich für die Schüler auch wichtig gewesen sei: "Eine gigantische Erfahrung" sei es, "sich selbst zu hören", sagt Hackel. "Sie hat es ein bisschen leichter gehabt, sich selbst zu reflektieren mit den Aufnahmen", sagt Meier über ihre Schülerin. "Sich selbst spielen sehen, Fehler selbst bemerken, Probleme selbst lösen", habe auch zur Weiterentwicklung beigetragen. "Alle haben das Beste draus gemacht", sagt Hackel.

Selina schildert, dass sie selbst sehr viel ausprobiert habe - "wo muss ich stehen, wo liegt das Handy" -, um herauszufinden, wie Video und Ton die beste Qualität haben. Alle paar Wochen habe sie eine Aufnahme gemacht und die hätten sie dann gemeinsam im Unterricht besprochen, sagt Meier. So hätten sie das schrittweise immer wieder verbessert. Viele Tipps zur Aufnahmequalität habe sie ihr aber nicht gegeben, "die Jugend kennt sich damit ja oft besser aus".

Trotzdem freut sich ihre Lehrerin, dass sie wieder in Präsenz unterrichten kann. Der digitale Unterricht sei manchmal schwierig gewesen. Zu oft habe sie gefragt "Selina, hast du jetzt Dynamik gemacht?" Das sei nicht gut rübergekommen, denn die Software reguliert die Lautstärke. Auch die kleinen Vorbereitungskonzerte über Zoom, sagt Hackel, seien kein richtiger Ersatz gewesen. Auch "diese Nähe, die man sonst aufbaut, hat bisschen gefehlt", meint Meier über den Digitalunterricht.

Nun will sie mit Selina an der Vorbereitung für den Bundeswettbewerb arbeiten, "es gibt immer Kleinigkeiten, die man noch verbessern kann". Motiviert ist Selina sowieso. Ihre Mutter sagt, "es war bei ihr nie so, dass ich sie erinnern musste". Es sei "immer motivierend, ein Ziel zu haben", sagt ihre Lehrerin - und so hat Selina noch einiges Üben vor sich.

© SZ vom 03.04.2021
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