Kreismusikschule Erding:Traumhaft schön

Mit dem Konzert "Mozart und die Zauberkugel" eröffnet die KMS in der Stadthalle den Bayerischen Musikschultag - und feiert sich selbst zu ihrem 50-jährigen Bestehen

Von Florian Tempel, Erding

Das erste Stück ist ein furioser Aufschlag. Fünf Akkordeonisten geben mit schnellen Fingern und heiligem Ernst die Ouvertüre aus "Figaros Hochzeit". Dann tritt Oberbürgermeister Max Gotz auf die Bühne, vor den wieder geschlossenen Vorhang. "Keine Angst", beruhigt er das Publikum, "ich werde keine Arie singen oder Sie mit irgendeinem Instrument aus dem Saal jagen." Als Hausherr in der Stadthalle Erding ist sein Auftritt auf eine gut gelaunte Begrüßungsansprache beschränkt, mehr nicht. Gotz sagt, wie schön doch die Musik sei, wie wohl sie tue und wie sehr sie die Menschen verbinden könne und solche Sachen. Nur ganz kurz dauert das, dann übergibt er an Musikschuldirektor Peter Hackel, der das Festkonzert zum 50. Geburtstag der Kreismusikschule konzipiert hat und weiter geht's.

Kreismusikschule Erding: Zum Weinen schön spielte das Kammerensemble Violinissimo, hier mit Sandra Rieger, Constanze Gad und Clara Büsel.

Zum Weinen schön spielte das Kammerensemble Violinissimo, hier mit Sandra Rieger, Constanze Gad und Clara Büsel.

(Foto: Renate Schmidt)

"Mozart und die Zauberkugel" stand als Titel über dem Abend und so war es auch, samt Konterfei des Komponisten, in blauem Licht auf zwei Leinwände neben der Bühne projiziert. Hackel hatte den Abend als Multimediaereignis gestaltet, bei dem zwischen den neun musikalischen Programmpunkten kurze Videoepisoden eingespielt wurden. Überhaupt war das Konzert ja ein multifunktionale Angelegenheit, da mit ihm auch der 44. Bayerische Musikschultag eröffnet wurde, der anlässlich des KMS-Jubiläums in Erding stattfand. Wobei sich auch hier ein Kreis schloss, da der 1. Musikschultag 1978 auch in Erding war.

Kreismusikschule Erding: Peter Heger und Astrid Lazar verzückten das Publikum mit einer traumhaft schönen Arie.

Peter Heger und Astrid Lazar verzückten das Publikum mit einer traumhaft schönen Arie.

(Foto: Renate Schmidt)

Damals war Reinhard Loechle seit sieben Jahre Leiter der KMS Erding. Am 1. Oktober 1971 hatte er, gerade mal 24 Jahre alt und frischer Absolvent des Richard-Strauß-Konservatoriums, mit vier Lehrkräften und 150 Schülerinnnen und Schülern den Unterrichtsbetrieb gestartet. Loechle war insgesamt 41 Jahre lang KMS-Direktor und baute die Kreismusikschule zu einer der großen in Bayern aus. Seit 1995 hat die KMS in Erding ein eigens für sie gebautes Schulgebäude, ist aber auch in vielen Orten im Landkreis und an immer mehr Grundschulen präsent. Unter Loechles Nachfolgern Bernd Scheumaier, der die Kreismusikschule von 2013 bis 2020 leitete, und Peter Hackel ist sie weiter gut gediehen. Aktuell nehmen mehr als 3000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der KMS Instrumental- oder Gesangsunterricht, den 69 festangestellte Lehrkräfte geben, die darüberhinaus noch 58 Ensemble aller Art leiten.

Kreismusikschule Erding: Gabriel Keogh erfüllte - auf einer der Videoeinspielungen - Mozarts Wunsch nach einem Flügelhorn-Solo.

Gabriel Keogh erfüllte - auf einer der Videoeinspielungen - Mozarts Wunsch nach einem Flügelhorn-Solo.

(Foto: Renate Schmidt)

Dass das alles zu tollen Ergebnissen führt, war am Donnerstagabend in konzentrierter Form zu erleben. Ein Flötenduo lässt den Vogelfänger Papageno aus der Zauberflöte jubilieren und das Kammerensemble Violinissimo spielte ein zum Weinen schönes Adagio. Kurz darauf bekommt man eine wunderbare Arie aus "Die Entführung aus dem Serail" zu hören, einen witzigen Mozart-Boogie für Klavier zu vier Hände und eine herrliche volksmusikalische Bearbeitung bekannter Mozart-Motive. Ein Gitarren-Quintett lässt Mozart am Strand im Spanienurlaub relaxen, ein Ensemble mit Saxphonen und Klarinetten spielt ein Allegro maestoso des Meisters unverschämt elegant und vier Hornisten machen sich auf die Pirsch auf den bereits eingangs angespielten Vogelfänger. Die KMS-Band lässt es dann noch mal richtig krachen, mit "Rock me Amadeus". Das Publikum war begeistert.

Im filmische Werk, das zwischendrin zu sehen ist, nimmt Hauptdarstellerin Marlene an verschiedenen Orten im Landkreis über ein magische Kugel Kontakt mit Wolfgang Amadeus auf. Weil man ja doch noch ein paar Frage an früh Verstorbenen hat: Warum hat er nichts für Cello komponiert? Welches Instrument war ihm das liebste? An wen er dachte, als er die Arie "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" komponierte? Erst meldet sich nur Mozarts Management per Whatsapp zurück, am Ende aber antwortet das Genie selbst und erklärt aus der Cloud den Fragenden, philosophisch, worauf es ankommt: Das Wesentliche im Leben und in der Musik sei doch letztlich, dass die Schönheit einen stets ganz unvermittelt treffen werde.

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