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Kreismusikschule Erding:Lust auf Verantwortung

Nach ihrem Studium arbeitete Sarah Lilian Kober als freischaffende Musikerin. Jetzt ist sie stellvertretende Leiterin der Kreismusikschule mit Verantwortung für Prüfungen und Personal

Von Diana Mammana, Erding

Schon ihre Großmutter wollte Musikerin werden. "Damals war das aber noch nicht so einfach," sagt Sarah Lilian Kober. Auch ihre Mutter hat Saxofon gespielt und ihre Tochter auf Rockkonzerte mitgenommen. "Das fand ich toll und wollte es auch können." Jetzt kann sie es: Die 32-jährige Sarah Lilian Kober hat die Musik zu ihrem Beruf gemacht. An der Hochschule für Musik und Theater in München hat sie klassisches Saxofon studiert, sie spielt zudem auch noch Klarinette, Klavier und Cello. Diese Freude an den Instrumenten und am Musizieren möchte sie an ihre Schüler weitergeben. Kober unterrichtet an der Kreismusikschule (KMS) Erding und ist neben Leiter Peter Hackel seit kurzem stellvertretende Leiterin der Schule.

Zur Musikvermittlung gehört für Kober auch, sich auf die Lebenswelten ihrer Schüler einzulassen. Und da lernt sie ganz unterschiedlichen Erwartungshaltungen kennen, wie sie sagt. "Erwachsene erfüllen sich oft einen Lebenstraum, sie sind sehr motiviert, aber denken auch viel mehr nach, wenn etwas schief klingt." Das sei bei Kindern ganz anders. "Sie spielen einfach drauf los, da passiert viel mehr intuitiv." Ein Musikinstrument zu lernen, soll bei Kindern und Jugendlichen ein Ausgleich zur Schule sein. "Nichts Lästiges, sondern etwas, das in erster Linie Freude macht." Daher wird gespielt, was die Schüler wollen. "Dann ist auch der Lerneffekt größer," sagt Kober. Trotzdem spielt sie auch mit den jüngeren Schülern gerne mal klassische Duette. Ein bisschen Repertoirekenntnisse schaden ja nicht.

Schon früh hat sich Sarah Lilian Kober Gedanken darüber gemacht, eines Tages in die Leitung einer Musikschule einzusteigen. Seit 2017 unterrichtet sie an der Kreismusikschule Erding. Jetzt gehört auch ein Teil der Verwaltung zu ihren Aufgabengebieten.

(Foto: Renate Schmidt)

Als Musikerin experimentiert Kober mit Beethoven, Schostakowitsch, Weltmusik und Tango. Ab und an spielt sie auch mal Jazz, aber die Klassik hat es ihr besonders angetan: "Mit dem Trio Étoiles versuchen wir, neue Dinge auszuprobieren. Wir schreiben klassische Stücke um und kreieren Musik, die es so noch nicht gab."

Als Musikerin ist Kober trotz ihrer Tätigkeit an der KMS aktiv. Um ihre Karriere macht sie sich aber keine Sorgen, wie sie sagt. Im Gegenteil, ein zweites Standbein bietet ihr finanzielle Sicherheit. "Als klassische Musikerin ist man doch etwas exotisch unterwegs. Man muss immer schauen, wo das nächste Konzert herkommt." Dass man sich ständig fragen müsse, ob man es schaffe, davon zu leben, sei auf Dauer "ermüdend". Jetzt spiele sie nur noch, was sie gut findet oder spielen möchte. "Ich muss nicht mehr alles annehmen, das ist beruhigend," sagt Kober. Für Kober als Lehrerin bleibe es aber wichtig, sagt sie, als Musikerin die eigene künstlerische Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren. "Wenn dich deine Schüler und Schülerinnen auf der Bühne sehen, dann sehen sie auch, was es bedeutet, Musikerin zu sein. Das ist wichtig und inspirierend für den Unterricht."

Auch an der Kreismusikschule in Erding scheint das eher außergewöhnliche Instrument beliebt zu sein. 34 Schüler und Schülerinnen unterrichtet Kober, zusätzlich leitet sie eine Bläsergruppe in Oberding. "Das Saxofon ist ein ganz wunderbares und wandelbares Instrument. Von den Klangfarben her passt es in jede Stilrichtung, man kann auch Rock oder Pop damit spielen," so die Saxofonistin. "Meistens beginnt man mit Alt-Saxofon, da gibt es das meiste Repertoire," erklärt Kober. Peter Hackel und Sarah Kober bilden seit Januar 2021 die neue Spitze der Kreismusikschule Erding, Hackel war zuvor schon stellvertretender Schulleiter. Die 32 Jahre alte Saxofonistin ist als stellvertretende Leiterin für die Personalarbeit und Prüfungsorganisation zuständig, wie sie erläutert. Bevor Kober 2017 nach Erding kam, unterrichtete sie an der Musikschule in Rottenburg an der Laaber. Auch dort habe sie bereits mit dem Gedanken gespielt, in die Leitung der Musikschule einzusteigen und einer Tätigkeit mit mehr Verantwortung nachzugehen. Sarah Lilian Kober ist in München geboren und in Wasserburg aufgewachsen.

Sarah Lilian Kober

"Wenn dich deine Schüler und Schülerinnen auf der Bühne sehen, dann sehen sie auch, was es bedeutet, Musikerin zu sein. Das ist wichtig und inspirierend für den Unterricht."

Pandemiebedingt klingt es zwar momentan nur sehr leise aus der Musikschule, ein paar größere Veranstaltungen sind aber bereits in Planung. Unter anderem wird im Oktober der 44. Bayerische Musikschultag in Erding stattfinden. "Das Thema ist Mozart und die Zauberkugel, mehr kann ich noch nicht verraten", so Kober. Auch die Feier zum 50-jährigen Bestehen, das die Kreismusikschule eigentlich schon vergangenen Jahr begehen wollte, werde dieses Jahr nachgeholt, so Kober.

Für die wahrscheinlich noch etwas andauernden ruhigeren Stunden empfiehlt Kober ein bisschen Musik - was sonst: "Die Musik ist einfach immer da für einen, sie hilft einem durch gute und weniger gute Zeiten. Man fühlt sich lebendig, und das ist es auch, was wir als Schule vermitteln wollen."

© SZ vom 20.02.2021
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