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Kreismusikschule:Auf neuen und breiteren Wegen

Am Ende steht immer ein Abschlusskonzert im wunderbaren KMS-Konzertsaal auf dem Programm.

(Foto: KMS)

Das Projekt "Gitarre Plus", an dem jeder teilnehmen kann, steht für die Öffnung der KMS Erding

Die Kreismusikschule Erding (KMS) ist der Zeit schon immer einen Schritt voraus. Vor bald 25 Jahren war sie eine der ersten Musikschulen in Bayern, die ein eigenes Haus bekam. Und das war nicht irgendein gerade leer stehendes Gebäude aus öffentlichem Bestand, sondern ein frischer Neubau, der speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen einer Musikschule zugeschnitten worden war. So was hat immer noch Seltenheitswert. In Erding gibt es seitdem "optimale Bedingungen", sagt Musikschulleiter Bernd Scheumaier. Dass ein eigenes Gebäude zu weiteren und neuen Ideen beflügelt, zeigt sich schon seit einigen Jahren. Die KMS öffnet sich immer mehr nach außen, sieht sich nicht mehr in erster Linie als musikalische Bildungsanstalt, sondern als Kulturzentrum mit einem weitergefassten gesellschaftlichen Auftrag.

Die Entwicklung "zu einer Begegnungsstätte für Musikschaffende aus dem Landkreis", wie Scheumaier sagt, folgt aber keinem vorgedachten Masterplan, sondern entspringt der Kreativität und Erfahrung der Musiker und Musikpädagogen, die an der KMS arbeiten. Die Gitarristen sind dabei besonders einfallsreich und aktiv. Peter Hackel, Barbara Effenberger und Martin Klinger haben vor sieben Jahren das Zusatzangebot "Gitarre Plus" an der Kreismusikschule eingeführt. Ein lehrer- und schülerübergreifendes Projekt, bei dem an fünf Samstagen im Jahr 40 bis 50 Gitarrenschüler aller Altersstufen in Erding zusammenkommen, um in verschiedenen großen Ensembles gemeinsam Musik zu machen und sich kennenzulernen. Das kostenfreie Zusatzangebot begeistert Schüler wie Lehrer gleichermaßen. Von diesem Jahr an wird Gitarre Plus noch offener: Jeder darf dazu kommen, jeder der Gitarre spielt, egal ob er Schüler der KMS ist oder nicht.

An den fünf Samstagen steht das Zusammenspielen im Mittelpunkt, mit Stücken für ein großes Gitarrenensemble, bei denen vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen alle Spaß haben, weil es drei Stimmen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen gibt. Zuletzt wurden Pop-Songs immer beliebter, bei denen auch ein Sänger dabei ist. "Tears in Heaven" von Eric Clapton gab es zum Beispiel letztes Jahr, heuer nimmt man sich "Every Breath You Take" von The Police vor. Bei den Gitarre Plus-Tagen wird aber auch in kleineren Gruppen oder auch mal im Trio zusammengespielt. Peter Hackel, Barbara Effenberger und Martin Klinger sind da maximal flexibel. Am Ende steht immer ein Abschlusskonzert auf dem Programm, für Eltern und Freunde. Der Auftritt ist dann Teil einer Gitarrennacht oder eine Matinée.

Der Entscheidung, dass von diesem Jahr an auch Nicht-KMS-Schüler mitmachen dürfen, liegt auch eine weitere Überlegung zugrunde. Jedes Jahr nehmen etwa 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der KMS Gitarrenunterricht. Im Schnitt bleiben sie etwa fünf Jahre. Wenn man das hochrechnet, auf die vergangenen 25 Jahre, dann wird klar, dass es im Landkreis unglaublich viele Gitarristen geben muss. Der ein oder andere hat womöglich Lust, sein Instrument wieder Mal abzustauben und neue Saiten aufzuziehen.

Für KMS-Leiter Bernd Scheumaier und seinen Stellvertreter Peter Hackel ist diese und weitere Öffnung nach außen kein Experiment, sondern eine folgerichtige Entscheidung. Die Kreismusikschule erfüllt längst nicht mehr nur den Zweck, Kinder an Instrumenten auszubilden. Sie kommt einem viel breiteren kulturell-sozialen Auftrag nach. Manches kann jeder leicht erkennen: Im wunderbaren KMS-Konzertsaal finden natürlich nicht nur die Vorspielabende statt. Erst vor ein paar Tagen gab es hier ein großes Benefizkonzert zugunsten der ehrenamtlichen Arbeit der Aktionsgruppe Asyl. Mitwirkende waren Lehrer und Schüler der Kreismusikschule, aber auch befreundete Musikerinnen und Musiker, die für den guten Zwecke gerne zusagten. Interne oder Externe - das kann keine Kategorie für Kulturschaffende sein.

Die KMS-Musiklehrer sind alle auch Künstler, die ihr persönliches Können und ihre Kreativität gerne noch öfter präsentieren sollten. Doch dazu braucht es ein Publikum, das weiß und wertschätzt, dass die KMS ein Kulturzentrum ist. Auch deswegen ist es richtig, noch stärker den eingeschlagenen Weg zu gehen.

Gitarre Plus, an fünf Samstagen, erstes Treffen am 19. Oktober, jeweils 10.15 bis 12.30 Uhr; Abschlusskonzert bei der Gitarrennacht am Samstag, 28. März; Anmeldung per E-Mail an hackel@kms-erding.de oder telefonisch unter 08122/55 898 14, Montag, Mittwoch und Freitag 9 bis 12 Uhr.