Krähen in Erding:Der Falkner soll helfen

Saatkrähe

Mal schauen, was sich die Erdinger jetzt ausdenken: Krähen sind klug und machen nicht immer das, was die Menschen von ihnen erwarten.

(Foto: Günther Reger)

Erding möchte Greifvögel einsetzen, um die Population in Splitterkolonien einzudämmen

Von Antonia Steiger, Erding

Was den Menschen nicht gelingt, sollen jetzt Greifvögel schaffen: Wie Umweltschutzreferent Thomas Schreder (CSU) sagt, möchte die Stadt Erding die Erdinger Krähenpopulation mit Unterstützung eines Falkners eindämmen. In Meitingen sei dies schon gelungen, sagt Schreder. Unklar ist jedoch noch, ob ein Falkner seinen Vogel dafür überhaupt zur Verfügung stellen wird, denn ganz ungefährlich ist das nicht - für den Greifvogel. Für die unter Krähengeschrei leidenden Anwohner des Stadtparks sind diese Gedankenspiele jedoch weiterhin ohne jede Relevanz: Die Hauptkolonie im Stadtpark bleibt, wie sie ist. Sie darf nicht angetastet werden.

Mehr als 970 Stück hatte die letzte Zählung der Krähennester ergeben, das war im April 2018. Noch bis zum 15. März laufen die üblichen Vergrämungsmaßnahmen, die bisher aber nur punktuell und vorübergehend erfolgreich waren: Nester werden aus den Bäumen gepflückt, aber wenn der Krähe das nicht gefällt, baut sie einen Tag später wieder ein neues. Trotzdem, es gibt auch Erfolge zu vermelden: Die Zahl der Splitterkolonien lag schon einmal bei zehn, bei der letzten Zählung waren es nur noch sieben, wie Schreder sagt. Dort liegt auch der Fokus für alle weiteren Maßnahmen: Es soll möglichst wenig Splitterkolonien in Erding geben. Dafür würde Schreder gerne einen Falkner mit Greifvogel einsetzen. Diese Maßnahme hat andernorts zum Erfolg geführt, sie ist aber recht aufwendig. Wie Schreder sagt, ist die Stadt Meitingen der Krähenpopulation mit Greifvögeln Herr geworden. Falkner und Vogel waren jedoch 250 Stunden im Einsatz. Die Stadt müsse wissen, ob sie das finanzieren wolle. Eine Genehmigung durch die Regierung von Oberbayern liege bereits vor, sie beziehe sich auf die Splitterkolonien.

Für die Greifvögel ist die Aktion jedoch nicht ungefährlich, weil die Splitterkolonien in bewohntem und befahrenen Gebiet lägen. Zwar zielt der Einsatz eines Greifvogels in erster Linie darauf ab, die Krähen zu vergraulen und nicht zu töten. Es könne aber durchaus sein, dass ein Greifvogel eine Krähe reiße und sich mit seiner Beute auf eine Straße setze. "Der Vogel hört dann nicht mehr auf einen Pfiff. Er jagt, wie er es gelernt hat", sagt Schreder. Das ist in besiedeltem Gebiet auch wegen der Fenster nicht risikolos. "Einen Falken mit gebrochenem Genick, das wollen wir nicht." Die Stadt Erding hat jedoch bereits schon ein Gebiet gefunden, das sie den Krähen gerne anbieten möchte: eine Fläche mit hohen Bäumen unterhalb des Kronthaler Weihers am Fehlbach, wie Schreder sagt. Dort würden die Krähen kaum stören. Aber: "Die Krähen hören nicht auf uns." Ob sie das Ausweichquartier akzeptieren, ist offen. Dennoch glaubt er, dass die Krähen sich zurückziehen, "wenn sie nachhaltig gestört werden". Gelungen ist so etwas bereits in Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck: Dort sind seit Februar Greifvögel und Lautsprecher im Einsatz, nicht zum ersten Mal - und die Zahl der Krähen ist dort zurückgegangen. Die Greifvögel wurden in Splitterkolonien geschickt; Lautsprecher, die Saatkrähenpanikrufe versenden, werden zudem am Rand der Hauptkolonie eingesetzt. Vor zwei Jahren wurden mehr als 400 Nester gezählt, im vergangenen Jahr waren es etwa 250. Geschützt ist in Puchheim wie in Erding jedoch die Hauptkolonie am Schopflacher Friedhof. Dort dürfen aber immerhin Eier aus den Nestern entfernt werden, das ist für Anfang April geplant.

Unangetastet bleibt laut Schreder der allgemeine Schutzstatus der Saatkrähe. Allerdings weist er darauf hin, dass auch der Biber einen hohen Schutzstatus genieße, der aber in besonderen Bereichen herabgesetzt werden könne. Für die Hauptkolonie im Stadtpark gilt dies nicht: Dort darf die Stadt Erding nur am Rand zum Anne-Frank-Gymnasium hin die Nester entfernen - in der Hoffnung darauf, dass die Krähen die Lust verlieren, das Nest wiederherzustellen. Allerdings, die Krähenpopulation im Park bleibt nicht ohne Folgen: Schreder haben schon viele Anrufe erreicht, denen zufolge die Vogelwelt an Vielfalt verliert.

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