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Kommunalwahl in Lengdorf:Damen-Duell

Michele Forstmaier von den Freien Wählern fordert Bürgermeisterin Gerlinde Sigl von der CSU heraus: Bei vielen Sachthemen in der Gemeinde herrscht Konsens, Forstmaier will zudem mehr Klimaschutz

Von Thomas Daller, Lengdorf

Wirtshaus, Kirche, Rathaus - der Lengdorfer Ortskern ist noch traditionell geprägt und auch landwirtschaftliche Einsprengsel sind vorhanden. Viel Zuzug hat in den vergangenen Jahren nicht stattgefunden, wenn neue Baugebiete erschlossen werden, gehen sie zu 90 Prozent an Einheimische. Auch das neue Gewerbegebiet ist in erster Linie für Einheimische gedacht, der Boom der Flughafenregion ist nicht bis nach Lengdorf geschwappt.

Lengdorf

Lengdorf ist noch relativ ländlich strukturiert, der Zuzug in der Boomregion ist an der kleinen Gemeinde weitgehend vorbei gegangen. Das soll vorerst auch so bleiben, heißt es in den Wahlprogrammen. Ein stärkeres Wachstum würde die Infrastruktur überfordern.

(Foto: Renate Schmidt)

Seit 2008 ist Gerlinde Sigl Bürgermeisterin der Gemeinde. Die 57-Jährige tritt bei den Kommunalwahl 2020 erneut als Kandidatin von CSU und Bürgerblock Lengdorf an. Sie hat auch eine Gegenkandidatin: Michele Forstmaier von den Freien Wählern will ebenfalls als Bürgermeisterin ins Rathaus. In Lengdorf läuft es auf ein Damen-Duell hinaus. Im Gemeinderat will auch die neue Liste SPD/LOS ein Wörtchen mitreden, wobei LOS für "Lengdorf: oekologisch-sozial" steht.

Die Amtsinhaberin auf dem Bürgermeistersessel ist CSU-Ortsvorsitzende und Kreisrätin. Sigl will in einer weiteren Amtszeit die Ortsmitte neu gestalten, die Brückenstraße im Ortskern sanieren, Kindergarten und Gewerbegebiet erweitern und die Schule digitalisieren. Sie will Bauland erwerben und Radwege ausbauen. Die amtierende Bürgermeisterin ist nicht auf schnelles Wachstum erpicht. Sie befürchtet, dass Lengdorf sonst Probleme mit der Infrastruktur bekommt. Außerdem schwebt ihr ein Geschäftshaus an Stelle des alten Rathauses vor. Zu dieser Thematik möchte sie eine Bürgerversammlung einberufen und Ideen sammeln. "Da soll ein bisschen Leben rein", sagte Sigl.

Gerlinde Sigl ist seit 2008 im Amt. Die 57-Jährige tritt für CSU und Bürgerblock an.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Bevölkerungsentwicklung hält sich in Grenzen, der Grundstückserwerb ist wie fast überall im Landkreis Erding schwierig, aber im Flächennutzungsplan hat die Gemeinde einige Flächen aufgenommen, wo Lengdorf wachsen soll. Finanziell kann sich die Gemeinde keine großen Sprünge erlauben, der durchschnittliche Haushalt beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro. Die Entwicklungsmöglichkeiten des Gewerbes sind begrenzt. Ein neues Gewerbegebiet mit rund 30 000 Quadratmetern ist in Vorbereitung, dort soll auf einer Teilfläche auch ein kleiner Einkaufsmarkt entstehen. Ihren täglichen Bedarf decken die Bürger derzeit bei zwei Bäckern, zwei Metzgern und in einem Getränkemarkt, was darüber hinaus geht, wird in Isen und Dorfen eingekauft.

In den kommenden Jahren will Sigl die Infrastruktur verbessern. Man müsse die Kläranlage nachbessern, an der Wasserversorgung dranbleiben und den Breitbandausbau in der kompletten Gemeinde vorantreiben.

Forstmaier

Michele Forstmaier ist die Herausforderin. Die 49-Jährige tritt für die Freien Wähler an.

(Foto: Privat)

Ihre Gegenkandidatin Michele Forstmaier von den Freien Wählern ist 49 Jahre alt. Sie hat Architektur studiert und im Landratsamt im Bereich Bauleitplanung gearbeitet. Ihre drei Kinder sind 21, 19 und zwölf Jahre alt. Derzeit arbeitet sie im Elektrounternehmen ihres Partners, das auf Umwelttechnik spezialisiert ist. Forstmaier stammt aus der Nachbarstadt Dorfen und wohnt seit 15 Jahren in Lengdorf. Ganz wichtig sei ihr, die Klimaneutralität und die Energiewende voranzubringen, sagte sie über ihre Motivation zu kandidieren. Sie will klimaschädliche Gase vermeiden, indem man Förderprogramme aufgreift wie Kraft-Wärme-Koppelung beispielsweise für die Schule und andere kommunale Gebäude, oder bei der Kindergartenerweiterung energieeffizient bauen. Handlungsbedarf sieht sie auch beim Lärmschutz an der A 94. Wichtig sei, aufzuzeigen, wo genau Verbesserungsbedarf sei. Außerdem spricht sie sich für bessere Einkaufsmöglichkeiten aus, wobei ein Dorfladen oder der im Gewerbegebiet geplante Supermarkt keine Konkurrenz zu den Bäckern und Metzgern im Ort sein dürften. Forstmaier spricht sich für ein moderates Wachstum aus. Man benötige insbesondere für Einheimische Bauplätze in Lengdorf und Außenbereichssatzungen in den Ortsteilen. In den kommenden Jahren sieht sie, wie Sigl, Bedarf, die Kläranlage nachzubessern und in die kommunale Trinkwasserversorgung zu investieren. Generelles Ziel für Lengdorf müsse es sein, die wichtigste Infrastruktur mit Einzelhandel herzustellen, sowie die medizinische Versorgung und eine gute ÖPNV-Verbindung sicherzustellen. Dabei solle aber der dörfliche Charakter nicht darunter leiden.

Ohne Bürgermeisterkandidaten tritt das neue Bündnis SPD/LOS an. Spitzenkandidat ist der Lengdorfer SPD-Ortsvereinsvorsitzende Bodo Lampe. Das Bündnis fordert ein professionelles Gesamtkonzept für die Ortsentwicklung, den Erhalt ländlicher Strukturen und des Dorfcharakters, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, sowie eine neue Ortsmitte mit Gemeindehaus. Die Gemeindepolitik soll auf erneuerbare Energien ausgerichtet werden, man will Photovoltaik auf den Dächern gemeindeeigener Gebäude, der Fuhrpark soll elektrifiziert werden und man will die Klimaziele auf regionaler Ebene voranbringen. SPD/LOS plädiert für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den Radweg-Lückenschluss Isen-Dorfen, den Breitbandausbau und den Hochwasserschutz. Das Bündnis fordert, den politischen Druck zur Herstellung eines optimalen Lärmschutzes an der A 94 zu erhöhen. SPD/LOS spricht sich für Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen in einem künftigen Gemeindehaus aus, für Ausstellungen und Vorträge, Kurse und musische Angebote. Die Straßen sollen mit Zebrastreifen und Ampel insbesondere für Kinder sicherer gemacht werden, man will den Ausbau der Seniorenbetreuung, einen Jugendtreff und aktiv um einen Allgemeinmediziner werben. "Im Gemeinderat werden dringend mehr Meinungsvielfalt und Offenheit für neue Ansätze gebraucht", heißt es in ihrem Wahlprogramm.

CSU/BB: Gerlinde Sigl, Bernhard Hartl, Johannes Maier, Lydia Neumaier, Diana Zydek, Josef Neumeier, Hans Maier, Roland Altmann, Martin Strobl, Thomas Baumgartner, Stefan Weiherer, Bernhard Waxenberger, Rupert Hutterer, Volker Schrath. Freie Wähler: Michele Forstmaier, Philipp Greimel, Ursula Angenend, Peter Frank, Florian Bauer, Veronika Holnburger, Werner Huber, Evi Werner, Reinhard Schatz, Nina Gribl-Karst, Werner Boeckelen, Elvira Vignaroli, Kerstin Helmig, Helmut Solchenberger. SPD/LOS: Bodo Lampe, Franz Obermeier, Jens Goede, Albrecht Griebl, Eduard Lindenthal, Hermine Spiegl, Hans Ecker, Eva Kierner.

© SZ vom 09.03.2020

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