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Kommunalwahl:Gemeinsam für den Wechsel

"Ich bin bereit", erklärte Hans Schreiner bei seiner Nominierungsrede, für die es stehende Ovationen gab.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Kreisvereinigung der Freien Wähler votiert in Moosinning einstimmig für Hans Schreiner als Landratskandidaten. Bockhorns Bürgermeister wird von Grünen und SPD unterstützt und kündigt einen neuen Politikstil an

Die Freien Wähler (FW) im Landkreis haben Weichen für die Kommunalwahl 2020 gestellt: 17 Wahlberechtigte votierten am Dienstag im Daimerwirt in Moosinning einstimmig für den Bockhorner Bürgermeister Hans Schreiner als Landratskandidaten. Einen Neuanfang gab es im Vorstand: Der Sankt Wolfganger Bürgermeister Ulli Gaigl ist neuer Vorsitzenden, sein Stellvertreter ist der Erdinger FW-Ortsvorsitzende Benedikt Hoigt, Schriftführerin ist die Bezirksrätin Maria Grasser aus Isen. Der bisherige Chef der Kreisvereinigung, der Erdinger Stadtrat Rainer Mehringer, und sein Stellvertreter, der Wartenberger Bürgermeister Manfred Ranft, hatten nach zehn Jahren aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiert, beide wollen aber wieder auf der Kreistagsliste antreten.

"Jetzt pack' mas, ich bin bereit", sagte Hans Schreiner nach der Antrittsrede und Nominierung zu dem für ihn "ganz besonderen Moment", - er erhielt stehende Ovationen. Einstimmig hatten die FW-Mitglieder der geplanten Kandidatur Schreiners für FW, Grüne und der SPD zugestimmt. "Hans macht ehrliche Politik für die Bürger und nicht fürs Ego", sagte dazu Gaigl, der Schreiner als Kandidat vorgeschlagen hatte und ihm volle Rückendeckung und Unterstützung im Wahlkampf zusicherte. Als "authentischen und sympathischen Kandidaten" bezeichnete der parlamentarische Geschäftsführer der FW im Landtag, Fabian Mehring, den Landratskandidaten. Der 62-jährige gebürtige Erdinger Schreiner, der in Erding Abitur gemacht und in Weihenstephan studiert hat und Diplom-Landwirt ist, teilte mit, dass er für einen demokratischeren Stil und mehr Transparenz bei Entscheidungen sorgen würde. Nach beruflichen Tätigkeiten an der Uni, bei Intel in Feldkirchen und im Silicon Valley, 27 Jahren als Gemeinderatsmitglied und 18 Jahren als Bürgermeister traue er sich Kreisrat das Amt des Landrats zu. Klima, Klinik, Verkehr, demografischer Wandel seien wichtige Themen. Mit den Grünen und der SPD im Landkreis verbinde ihm eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, gegenseitige Wertschätzung und Respekt. Er wolle "den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen", hieß es. Zu den Gratulanten zählten die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Helga Stieglmeier (Grüne) und Ulla Dieckmann (SPD): "Wir stehen hinter dem Kandidaten und freuen uns auf eine vertrauensvolle, offene und ehrliche Zusammenarbeit", sagten sie.

Mit der Nominierung durch die Freien Wähler wurde die erste formale Hürde zur Kandidatenkür genommen. Ziel sei ein personeller Wechsel auf dem Posten des Landrates, hieß es während der Versammlung. Seit Jahrzehnten sitzen dort CSU-Politiker, in den vergangenen 18 Jahren Martin Bayerstorfer. Hans Schreiner habe "viel Vertrauen in die Menschen", er werde "ein Landrat für alle" sein, sagte Dieckmann. Etwa fünfzig Genossen seien bei einer SPD-Versammlung in Erding von Schreiner begeistert gewesen. "Wir wollen gemeinsam einen Wechsel", fügte Stieglmeier an.

"Heute ist eine besondere Versammlung, weil wir den neuen Landrat aus der Taufe gehoben haben", sagte dazu der Landtagsabgeordneter Benno Zierer aus Freising. Er warnte jedoch vor Euphorie, der Weg zum Ziel sei "keine gmahde Wiesn". Als Riesenchance bezeichnete Rainer Mehringer die momentane Situation. Die Freien Wähler benötigten nun den "Rückenwind aus der Region". Er sagte, er räume auch der designierten Erdinger Oberbürgermeister-Kandidatin Petra Bauernfeind gute Chancen ein. Nun müsse eine starke Kreistagsliste mit 60 Kandidaten gefunden werden, wobei bei den FW keine Frauenquote nötig sei: Auf den ersten zehn Plätzen werde er bei der Aufstellungsversammlung fünf Frauen und einen Nachwuchskandidaten vorschlagen, kündigte Mehringer an, der sich um den Spitzenplatz bewerben wolle. Schreiner geht als Kandidat der FW, Grünen, SPD nicht auf die Kreistagsliste. Mehringer sagte, er sei froh, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werde. Die FW sind derzeit im Kreistag zweitstärkste Fraktion.