Nur neun der insgesamt 26 Gemeinden im Landkreis Erding haben noch einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Es sind neun kleine Ortschaften. Künftig können auch Kommunen ab 2500 Einwohnern einen Bürgermeister im Hauptberuf wählen - außer sie wollen das explizit nicht. Der Gemeinderat Berglern hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und vor Kurzem ausdrücklich dafür gestimmt, dass Berglern nach der Kommunalwahl in zwei Jahren erstmals einen Bürgermeister in Vollzeit erhalten soll.
Die Anfrage der SZ erreicht Berglerns Bürgermeister Anton Scherer in Österreich. Er macht dort Urlaub mit Frau und Tochter. Der Rückruf aber kommt prompt, er sei gerade von einer Wanderung zurückgekehrt und habe Zeit für ein Telefonat, erklärt der 44-Jährige. Seine Zeit einteilen und sich gut organisieren, das kann Scherer. Er wurde 2020 für die Berglerner Bürgerliste mit 72,9 Prozent gewählt und muss seither seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Verwaltungsgemeinschaft Wartenberg und seine hauptberufliche im Rathaus Erding unter einen Hut bringen.
Die Arbeitszeit als Leiter der Bauverwaltung im Erdinger Rathaus hat er reduziert, sodass er sich jeweils zur Hälfte Ehren- und Hauptamt widmen kann. Bisher habe das ganz gut geklappt, sagt Scherer. "Aber es ist schon ein ordentliches Pensum." Der Aufwand fürs Bürgermeisteramt werde nicht weniger, letztendlich fordere das Ehrenamt wohl doch mehr Stunden als nur die Hälfte der Zeit. Da sind Termine am Wochenende und am Abend oder diverse Besprechungen mit Behörden. Den Jour fixe mit den Mitarbeitern halte er meist nur im zweiwöchigen Rhythmus, einmal die Woche, wie andere Bürgermeisterkollegen, das sei dann doch nicht zu schaffen.
Zu tun gibt es genug. Die Nähe zum Flughafen München macht sich bemerkbar, innerhalb von 30 Jahren ist der Ort von knapp 1300 auf 3084 Einwohner gewachsen, so der letzte Stand. Der Rohbau für ein Einkaufszentrum steht, die Planungen für ein neues Wohngebiet und ein Feuerwehrhaus laufen. Für einen Bürgermeister sei es doch von Vorteil, sich "vollumfänglich" den Belangen seiner Gemeinde widmen zu können, sagt Scherer.
In Gemeinden unter 5000 Einwohnern waren Bürgermeister in der Regel ehrenamtlich tätig
Aktuell sieht das Bayerische Kommunalrecht vor, dass in Gemeinden von über 10 000 Einwohnern Bürgermeister immer hauptamtlich beschäftigt sind - als "Beamter oder Beamtin auf Zeit", wie auf der Homepage des bayerischen Innenministeriums nachzulesen ist. In Gemeinden mit einer Größe zwischen 5000 und 10 000 Einwohnern sind Bürgermeister in der Regel ebenfalls hauptamtlich beschäftigt - wenn der Gemeinderat nichts Gegenteiliges festlegt. In Gemeinden unter 5000 Einwohnern waren die Bürgermeister bisher teils ehrenamtlich tätig.
Künftig ist ein Bürgermeister in Gemeinden ab 2500 Einwohner automatisch hauptamtlich tätig - es sei denn, der jeweilige Gemeinderat stimmt explizit dagegen. Im Übrigen entfällt auch die bisherige Höchstaltersgrenze für hauptamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.
Bei der Entscheidung votiert nur Scherers Amtsvorgänger mit Nein
Im Landkreis Erding sind neben Berglern noch diese Gemeinden ohne hauptamtlichen Bürgermeister: Buch am Buchrain, Eitting, Hohenpolding, Inning am Holz, Kirchberg, Lengdorf, Pastetten, Steinkirchen und Walpertskirchen. Berglern hat sich mit Wartenberg und Langenpreising zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen getan, Scherer ist von drei Bürgermeistern der einzige im Ehrenamt. In einem SZ-Gespräch vor zwei Jahren hatte er davon gesprochen, dass es durchaus zu überlegen sei, die Aufgabe hauptamtlich zu gestalten. Vom Gemeinderat habe er schon "gewisse Signale" erhalten, sagte er damals.
Der 44-Jährige hat wohl die "Signale" richtig gedeutet. Vor Kurzem hat der Gemeinderat beschlossen, von 2026 an einen hauptamtlichen Bürgermeister einzuführen. Die einzige Gegenstimme in der Sitzung kam dabei laut Erdinger Anzeiger, der zuerst über die Abstimmung berichtet hatte, von Scherers Vorgänger Simon Oberhofer (CSU).
Noch sei es ja nicht so weit, erst 2026 werde die Entscheidung greifen, betont Scherer. Ob der erste hauptamtliche Bürgermeister von Berglern dann auch Anton Scherer heißen werde, das müssten die Wähler und Wählerinnen entscheiden. Der Bürgermeister wägt seine Worte vorsichtig ab. Und so lässt sich seine Aussage ungefähr so zusammenfassen: Wenn die Berglerner es wünschen, dann wäre er durchaus bereit und willens, weiterzumachen. Seine Wiederwahl hätte dann auch Auswirkungen auf die Große Kreisstadt Erding. Die müsste sich einen neuen Leiter für die Bauverwaltung suchen.

