Seit fast einem Vierteljahrhundert ist Martin Bayerstorfer (CSU) Landrat des Landkreises Erding. Die CSU hat ihren Kreisvorsitzenden erneut für die Kommunalwahl nominiert. Der 59-Jährige erhielt knapp 98 Prozent Zustimmung aus den eigenen Reihen. Er tritt zum fünften Mal für dieses Amt an. Zwei Mitbewerber stehen ebenfalls parat: Rainer Mehringer von den Freien Wählern sowie Christina Treffler von der ÖDP. Mehringer ist seit 18 Jahren Stadtrat in Erding und Kreisrat sowie seit sechs Jahren stellvertretender Landrat, Treffler sitzt seit zwölf Jahren für die ÖDP im Kreistag und ist dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Die Linke hatte zwischenzeitlich ebenfalls einen Kandidaten nominiert, doch der zog sich wieder zurück.
Amtsinhaber Martin Bayerstorfer, CSU

Martin Bayerstorfer kann mit seiner großen politischen Erfahrung punkten. Mit 23 Jahren wurde er in seiner Heimatgemeinde Hohenpolding zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Und er ist gut vernetzt: Mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verbindet ihn eine persönliche Freundschaft, die in Bayerstorfers Zeit als Landtagsabgeordneter von 1996 bis 1998 entstanden ist.
Eine politische Nagelprobe als Landrat hat Bayerstorfer zuletzt bei der Kommunalwahl 2020 überstanden. In der Amtsperiode von 2014 bis 2020 brachte er im Kreistag immer wieder Grüne, SPD und Freie Wähler gegen sich auf. Oftmals belehrend, herablassend und manchmal auch abkanzelnd reagierte er auf Beiträge, die nicht von der CSU kamen. Die drei Fraktionen stellten bei der Wahl 2020 Hans Schreiner von den Freien Wählern als gemeinsamen Gegenkandidaten auf, gegen den sich Bayerstorfer erst in der Stichwahl mit 53,2 Prozent durchsetzte. Und die Zahl der Sitze für die CSU im Kreistag sank von 28 auf 24.
Bayerstorfer gibt sich seitdem diplomatischer. Er muss um Mehrheiten werben und das gelingt ihm auch. Selbst schwierige Themen wie Haushaltsbeschlüsse fallen einstimmig. Er kandidiert wieder aus einer gefestigten Position im finanziell gut aufgestellten Landkreis Erding, in dem die CSU seit Jahrzehnten die stärkste Kraft ist.
Rainer Mehringer, Freie Wähler

Seinem Stellvertreter Rainer Mehringer dürfte es nur schwer gelingen, ihn aus dem Sattel zu heben. Vielmehr stellt sich die Frage, ob dies sein Ziel ist, oder ob er mit seiner Kandidatur nur den Hut in den Ring wirft, weitere sechs Jahre stellvertretender Landrat zu werden. Im Wahlkampf betont er: „Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern für die Sache und die Bürger.“ Zudem positioniert er sich nicht gegen die CSU: Er wolle die bürgerliche Kraft voranbringen, gegen das Anwachsen von extremen Parteien, namentlich der AfD.
Als Ziele nennt der 63-jährige Geschäftsführer der Erdinger Waldbesitzervereinigung die Steuerung des Zuzugs, die Verbesserung der Schieneninfrastruktur sowie die Energieunabhängigkeit des Landkreises. Ferner wolle er sich für das Klinikum starkmachen und mehr gegen die Wohnungsnot unternehmen.
Christina Treffler, ÖDP

Die ÖDP war im Landkreis Erding mal eine Partei, die Achtungserfolge erringen konnte. Susanne Bachmaier, Mitbegründerin des ÖDP-Kreisverbandes, war von 1997 bis 2000 sogar Bundesvorsitzende der Partei. Doch seither ist die ÖDP überaltert. Bei der Kommunalwahl 2020 verlor sie einen weiteren halben Prozentpunkt und sackte auf 4,27 Prozent. Im Kreistag verfügt sie über drei Sitze, namentlich Christina Treffler, ihren Mann Stefan sowie den Apotheker Wolfgang Reiter.
Mit 45 Jahren zählt Christina Treffler noch zum Nachwuchs der Partei. Sie ist Realschullehrerin aus Erding, unterrichtet Physik und Mathematik und ist Mutter von zwei Kindern. Die ÖDP hat sie 2017 als Kandidatin für die Bundestagswahl aufgestellt.
Christina Treffler ist bereits seit zwölf Jahren im Kreistag, fiel aber bislang nicht als starke politische Stimme auf. Sie wirkt dort interessiert und stellt gerne Fragen, doch Näheres zu ihrer Programmatik erfuhr man erst im Wahlkampf. Sie möchte sich um eine Verbesserung der Ambulanz im Klinikum Erding bemühen, ebenso um eine Verbesserung des ÖPNV sowie den Bau von Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen vorantreiben.

