Süddeutsche Zeitung

Kommentar:Vermeidbarer Fehler

Die Zahlen der Hochschule für angewandtes Management fußen beim Anne-Frank-Gymnasium auf einem gravierenden Fehler - der auch die Gewagtheit von langfristigen Prognosen zeigt

Irgendwie kennt man das: Langfristige Prognosen im Schulbereich werden schon seit Jahrzehnten regelmäßig in Bayern in die Tonne getreten, kaum dass sie veröffentlicht sind. Mal sind es zu viel Lehrer, mal zu wenige. Mal platzen die Schulen aus allen Nähten und in den Klassen sitzen mehr als 30 Schüler oder Klassen müssen sogar ausgelagert werden, dann wieder können Klassen mit Mühe und Not gebildet werden, weil sich eigentlich zu wenig Schüler einschreiben.

Man kann natürlich sagen, in den vergangenen Jahren ist die Bevölkerung im Landkreis jährlich um so und so viele Prozent gewachsen, durch Zuzug und Geburten. In einer Boomregion sind das noch für ein paar absehbare Jahre relativ konstante Zahlen. Dementsprechend müssten es auch prozentual mehr Schüler werden. Doch die Entscheidung, sein Kind auf die Mittelschule, Realschule oder Gymnasium zu schicken, hat nur wenig mit Zahlen zu tun. Vielmehr hängt sie von vielen Faktoren ab, die unter anderem auch von der aktuellen Schulpolitik bestimmt wird, wie man derzeit bei der Entscheidung, zum G 9 zurückzukehren, sieht.

Die Schullandschaft bietet heute - zum Glück - sehr viele individuelle Wege an, um zu einem Abschluss zu kommen. Und das Gymnasium ist für viele Eltern und Jugendliche nicht mehr der allein selig machende Weg. Wenn schon ein Schuldirektor sagt, er wage keine Prognose, wie viele Schüler sich fürs nächste Jahr anmelden, wie soll das dann über zehn Jahre funktionieren? Langfristige Aussagen haben dann etwas vom Blick in die Kristallkugel.

Die aktuellen Zahlen der Hochschule für angewandtes Management fußen zumindest beim Anne-Frank-Gymnasium auf einem gravierenden Fehler, und der zeigt auch die Gewagtheit von langfristigen Prognosen. Man hat angenommen, dass sich dort im Schuljahr 2016/2017 zwischen 163 bis 166 Kinder in der fünften Klasse anmelden. Tatsächlich sind es nur 109. Diese Differenz - immerhin zwei Klassen - wird sich durch alle künftigen Jahrgänge ziehen und damit stark die Prognose verändern. Ein einfacher Anruf bei der Schule hätte zumindest diesen Fehler vermieden.

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Quelle:
SZ vom 07.04.2017
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