Kommentar:Unausgegoren und vergiftet

Straßen will heutzutage eigentlich keiner mehr bauen. Vor allem wenn sie gar nicht nötig sind.

Von Florian Tempel

Die Zeiten ändern sich, zum Glück. Vor wenigen Jahren noch hätte die Mehrheit im Dorfener Stadtrat wahrscheinlich bei einer so dermaßen schnäppchen-günstigen Staatsstraßenverlegung zufrieden zugegriffen. Eine neue Asphaltstrecke, für nichts, der Staat zahlt alles - her damit! Aber dass Straßen Geschenke sind, die einem das Leben verschönern, daran glauben immer weniger. Im aktuellen Dorfener Fall war die Verlockung allerdings auch besonders plump. Denn es war ein unausgegorenes und darüber hinaus sogar vergiftetes Geschenk, das dem Stadtrat präsentiert wurde. Gut, dass die Mehrheit es mit spitzem Finger zurückgewiesen hat.

Bürgermeister Heinz Grundner ist ein CSU-Stratege alter Schule. Was muss man machen, wenn der Verkehr zu viel wird? Seine einfachen Antworten lauten: Straßen bauen übers Land! Und Parkhäuser in der Stadt! Das müssen andere zwar nicht richtig finden. Doch man kann diese Haltung prinzipiell als programmatische Position akzeptieren. Grundlegend fürs Straßenbauen nach althergebrachter CSU-Manier ist allerdings, dass man Handlungsbedarf anhand der Verkehrsentwicklung irgendwie herleiten kann. Das funktioniert in diesem Fall aber nicht. Der Verkehr auf der Straße nach Isen hat abgenommen, seit die Isentalautobahn eröffnet ist. Das weiß auch Grundner, der die Erhebung von Verkehrsdaten gerade deshalb als verzichtbar erachtet. Da würde ja rauskommen, dass es keine neue Straße braucht! Im Übrigen hat ausgerechnet seine CSU-Kollegin Sabine Berger erkannt, worum es ihm wirklich geht: Die verlegte Straße wäre der erste Schritt hin zu einer Ortsumgehung von Dorfen.

Vergiftet ist die ganze Sache jedoch vor allem wegen des Bahnausbaus. Grundner ist ein Gegner der von der großen Mehrheit gewünschten Vieregg-Varianten, der Tieferlegung der Bahngleise in einem breiten Graben. Grundner wollte denen da oben im Verkehrsministerium mit einem Straßenverlegungsbeschluss hilfreich zur Seite springen. So hätte man in Berlin einen Punkt, der bislang vermeintlich für die Vieregg-Variante sprach, abräumen können. Die Vieregg-Variante geht aber übrigens auch ohne Staatsstraße sehr gut - sogar noch besser.

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