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Kommentar:Ein abgekartetes Spiel

Der CSU-dominierte BRK-Kreisverband soll die Trägerschaft für das Frauenhaus übernehmen, so wünscht es die CSU-Spitze im Landkreis. Dass das BRK keine Erfahrungen hat mit dieser Aufgabe, andere aber schon, interessiert nicht.

Mit jedem neuen Schritt wird deutlicher, dass die Kündigung des bisherigen Trägers des Frauenhauses und die Neuvergabe ein abgekartetes Spiel ist. Offensichtlich ist es das Ziel der CSU-dominierten Kreispolitik, dass der CSU-dominierte Kreisverband des Roten Kreuzes der neue Träger wird. Ein Verband, der keine Erfahrung mit Frauenhausarbeit hat. Die Bewerbung des BRK-Kreisverbands für das Erdinger Frauenhaus ist keine fachlich fundierte, sondern eine politisch motivierte Entscheidung lokaler CSU-Granden. Die Frauen des Trägers, dem Sozialdienst katholischer Frauen München (SkF), nerven Landrat Martin Bayerstorfer, er will sie los werden. Also wird von ihm und weiteren CSU-Männern mutwillig kaputt gehauen, was in 25 Jahren von qualifizierten Frauen aufgebaut wurde. Weil Bayerstorfer und seine CSU-Freunde nichts davon verstehen, weil es ihnen egal ist und weil sie mal wieder zeigen wollen, wer Herr im Haus ist.

Genau so ging es los: Als Bayerstorfer im Februar dem SkF den Vertrag kündigte, hatte er das zuvor in keinem politischen Gremium diskutieren lassen. Die Behauptung, sein Alleingang sei dringlich gewesen, war nur eine Ausrede. In Wahrheit ging es ihm um pure Machtausübung. Das zeigte sich in seiner Nachverhandlungsstrategie, als er den SkF aufforderte, die ebenso wichtige Interventionsstelle fortan selbst zu zahlen oder aufzugeben, um Träger des Frauenhauses bleiben zu dürfen. Als Bayerstorfer im Kreistag Kritiker nicht zu Wort kommen lassen wollte, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sowie das Erzbistum München und Freising schmähte, war das ein weiterer Ausdruck herrschsüchtiger Borniertheit. Statt zu einem sachlichen Dialog zu finden, ließ er die Neuvergabe mit einem willkürlich festgelegten finanziellen Kriterium zur Farce werden. Jeder Fachverband, der sich mit Frauenhausarbeit auskennt, hat das 120 000 Euro-Diktum als inakzeptabel zurückgewiesen. Nur der völlig unerfahrene, aber eben CSU-geführte BRK-Kreisverband durfte sich das offenbar nicht erlauben.

Und dann noch das: Das Landratsamt verweigert die Auskunft, wie viele Bewerbungen insgesamt eingegangen sind. Die Begründung ist abenteuerlich: Die Berichterstattung über diese Zahl könnte der politischen Meinungsbildung schaden, die im Geheimen stattzufinden hat und die Öffentlichkeit nichts angeht.