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Kommentar:Der Schaden ist enorm

Der SkF leistet im Frauenhaus hervorragende Arbeit. Viele begreifen nicht, warum die Zusammenarbeit nicht einfach fortgesetzt werden kann

Der Alleingang des Landrats Martin Bayerstorfer bei der Kündigung des Betreibers des Frauenhauses hat viel Schaden angerichtet. Er wird nicht komplett wiedergutzumachen sein, zu viele verletzende Worte sind gefallen. Trotzdem ist zu hoffen, dass sich der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) an der Ausschreibung für den Betrieb des Frauenhauses wieder beteiligt. Denn das geht in dieser teilweise leicht wüsten Debatte über Verwendung von Spendengeldern, über Defizite, Schwächen in der Kommunikation und über angeblich zu hohe Personalkosten fast unter: Der SkF hat eine so hervorragende Arbeit geleistet, dass viele nicht begreifen, warum eine weitere Zusammenarbeit zwischen Landkreis und SkF auf diese rüde Art fast unmöglich gemacht worden ist. Viele wünschen sich einfach nur, dass der SkF seine Arbeit fortsetzt.

Der Landkreis wird nun also ein Defizit ausschreiben. Vertreter des Landratsamtes sagen, sie hätten sich rechtlich beraten lassen und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass ihnen keine Wahl bliebe: Ein Defizit, das erwartbar über 50000 Euro liegt, müsse ausgeschrieben werden wie eine Investition. Das klingt seltsam, das weiß auch Bayerstorfer und weist daher schon mal darauf hin, dass dies nicht überall so Usus sei. Auch der Landkreis Freising rechnet mit einem jährlichen Defizit von 100 000 Euro für das Frauenhaus und müsste demnach den Betrieb auch ausschreiben. Hat auch er keine andere Wahl?

Wäre eine andere Form der Vergabe möglich gewesen, dann wäre der eigentliche Fehler gewesen, sich die Dienste des SkF mit einer neuen Vereinbarung nicht schnellstmöglich gesichert zu haben, nachdem der Landkreis Freising ausgestiegen ist. Die anerkannt gute und unbestritten wichtige Arbeit des SkF mit erfahrenen Mitarbeiterinnen muss diesem reichen Landkreis 160 000 Euro im Jahr wert sein. Sie müsste ihm noch viel mehr wert sein. Sparpotenzial an anderer Stelle ist übrigens mit bloßem Auge zu erkennen: So ließe sich das bunt glänzende Faltblatt, in dem Landrat Bayerstorfer seine eigenen Erfolge belobigt, deutlich leichter entbehren als diese Einrichtung.