Das Klinikum Erding steckt wirtschaftlich gesehen seit Jahren in der Misere. Zuletzt wurde vor 17 Jahren ein finanzielles Plus erwirtschaftet. Von 2012 bis 2023 haben sich die Ausgleichszahlungen auf den enormen Gesamtbetrag von 72 Millionen Euro summiert, fast die Hälfte davon fiel allein in den Jahren 2022 und 2023 an. Danach ist jedoch eine Trendumkehr zu beobachten: Das Defizit steigt nicht mehr weiter an, sondern geht seither kontinuierlich zurück. Krankenhausdirektorin Sabine Wahl stellte die Entwicklung jetzt im Krankenhausausschuss des Kreistags vor.
Zum dritten Mal in Folge konnte das Klinikum ein Jahresergebnis erzielen, das über den ursprünglichen Planungen liegt: 2023 war im Wirtschaftsplan ein Defizit von 15,5 Millionen Euro veranschlagt, das Ergebnis lag mit 14,6 Millionen um 900 000 unter dem Ansatz. 2024 waren 18,6 Millionen Euro angesetzt, das Ist-Ergebnis lag mit 12,8 Millionen sogar um 5,8 Millionen Euro darunter. 2025 betrug das Ist-Ergebnis 11,2 Millionen Euro Defizit, drei Millionen Euro weniger als im Wirtschaftsplan angesetzt waren. Damit hebt sich das Klinikum entgegen dem allgemeinen Branchentrend hervor.
Trotz dieses Erfolgs bleibe der wirtschaftliche Rahmen herausfordernd, so Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). „Wir haben mit harter Arbeit und konsequenter Strategie unsere wirtschaftliche Ausgangslage in den letzten drei Jahren kontinuierlich verbessert. Gleichwohl müssen wir realistisch bleiben“, sagte der Landrat im Ausschuss. „Aufgrund verschiedener gesetzlicher Änderungen wie etwa dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz geraten wir bei den Kosten sowie auf der Erlösseite zunehmend unter Druck. Es wird daher eine enorme Anstregung erfordern, dieses erreichte Niveau langfristig zu halten.“
Die Einsparungen des vergangenen Jahres beruhten nach Angaben von Sabine Wahl auf günstigeren Energiekosten, Einsparmaßnahmen durch Einkaufsverbünde vor allem im OP-Bereich sowie Personalkosten, die niedriger als im Plan gelegen hätten. Der Grund: „Wir konnten Stellen nicht zeitnah nachbesetzen.“ Bayerstorfer ergänzte, dass man vor allem den Bereich der Leiharbeiter komplett abgeschafft habe. Dadurch hätten sich aber auch Personalprobleme im OP ergeben. „Gibt es im Moment Überlastungsanzeigen?“, erkundigte sich Kreisrätin Nicole Schley (SPD). „Bisher haben wir eine gute Personalausstattung“, erwiderte Wahl. Wenn es zu Überlastungsanzeigen komme, beruhe das auf kurzfristigen Krankmeldungen.
Für 100 Millionen Euro ist ein neuer OP-Trakt geplant
Das Klinikum steht in den nächsten Jahren vor großen Investitionen. Geplant ist ein Erweiterungsbau, der Neubau der zentralen Notaufnahme sowie ein neuer OP-Trakt mit acht Operationssälen. Dabei wird mit Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro gerechnet. Das Projekt ist im Jahreskrankenhausbauprogramm der Regierung von Oberbayern aufgenommen worden, man geht von einer Fördersumme von 30 Millionen Euro aus, 70 Millionen Euro muss der Landkreis schultern.
Mitte 2026 bis Ende 2027 soll die Detailplanung erstellt und ausgeschrieben werden. Von 2028 bis etwa 2033 soll das Projekt umgesetzt werden. Die notwendigen Planungskosten sind mit 500 000 Euro angesetzt. Landrat Bayerstorfer ist davon überzeugt, dass sich der Bestand des Krankenhauses in der Kliniklandschaft der Zukunft damit stärken lässt.

