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Klinik Dorfen:Pläne für Notfallversorgung

Die Klinik Dorfen mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ): Der Landkreis erörtert Entwicklungsmöglichkeiten.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Krankenhausausschuss will die Weichen für die Zukunft stellen: Er vergibt Prüfaufträge, die in einer Strategietagung im Januar 2020 erörtert werden sollen

Zum 1. Januar dieses Jahres hat der Landkreis das Kommunalunternehmen Klinikum wieder in einen Regiebetrieb umgewandelt. Seither laufen die Überlegungen, wie man die Weichen für die Zukunft in den beiden Krankenhäusern in Erding und Dorfen stellen soll. Der Krankenhausausschuss des Kreistags hat im Oktober bereits entschieden, dass sich Erding um die Einstufung als Schwerpunktversorger mit einer Ausweitung im Bereich der Kinderheilkunde bewerben soll. Der Krankenhausausschuss hat sich am Montag nun auch in der Dorfener Klinik umgesehen und dort nach Optionen gesucht, wie man den Standort weiter entwickeln kann. Auf Interesse bei allen Fraktionen stieß der Vorschlag, die Notfallversorgung in Dorfen auszubauen. Dieses Thema soll in einen Prüfauftrag aufgenommen werden, der dann Grundlage für eine zweitägige Strategietagung sein soll, die im Januar 2020 geplant ist.

Der Ortstermin ging auf einen Antrag der CSU-Fraktion im Kreistag zurück, Fraktionsvorsitzender ist der Mediziner Thomas Bauer. Bauer weist in diesem Antrag darauf hin, dass der Landkreis in den vergangenen 15 Jahren nicht untätig gewesen sei, was das Klinikum Dorfen betreffe. Er erinnert an das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) mit Apotheke, die Ansiedlung zusätzlicher Facharztpraxen, die Etablierung der Onkologie, der stationären Schmerztherapie und des Schlaflabors sowie an den Ausbau der internistischen Belegabteilung.

Bauer schreibt weiter: "Durch die Auflösung der defizitären Kurzzeitpflege, die keine originäre Aufgabe des Klinikums war, wurden Raumkapazitäten frei, die anderweitig genutzt werden sollten. Vorstellbar ist hier beispielsweise die Einrichtung einer Geriatrieabteilung, einer Palliativstation, einer Pneumologieabteilung oder der weitere Ausbau des Schlaflabors." Doch die Krankenhausleitung teilt in einer Stellungnahme mit, die im Antrag erwähnten Räume der ehemaligen Kurzzeitpflege seien nicht frei, sondern vollständig belegt mit den Abteilungen Stationäre Schmerztherapie und Schlaflabor.

Dieser sachliche Widerspruch richtet sich jedoch nicht gegen die Pläne des Landkreises für das Klinikum Dorfen, im Gegenteil: Denn die Krankenhausleitung weist auch darauf hin, dass Chefarzt Ludwig Rudolf zum Jahresende 2020 altersbedingt ausscheiden werde. "Dies kann zum Anlass genommen werden, für die Klinik Dorfen eine langfristige, sichere Perspektive zu entwickeln", heißt es in der Stellungnahme. In der Strategietagung des Krankenhausausschusses im Januar 2020 solle unter anderem die weitere Entwicklung des Leistungsspektrums des Klinikums Landkreis Erding diskutiert werden. In diesem Zusammenhang werde auch die Ausrichtung des Standorts Dorfen auf die Tagesordnung gesetzt.

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erinnerte bei der Sitzung des Krankenhausausschusses in Dorfen daran, wie damals der Notarztstandort in Dorfen eingerichtet wurde: "Wir sollten weiter überlegen, ob es möglich wäre, einen Bereitschaftsdienst in der Notfallversorgung auszubauen." Der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sprach sich ebenfalls dafür aus, insbesondere weil es bei der Notfallmedizin im Erdinger Krankenhaus lange Wartezeiten gebe.

Krankenhausdirektor Dirk Last sagte, "in der Allgemeinmedizin gehört nicht nur die Innere, sondern auch die Chirurgie dazu. Sie rennen bei uns offene Türen ein." Bayerstorfer räumte ein, dass die Situation der Notfallmedizin in Erding "unbefriedigend" sei. "Wir werden verschiedene Maßnahmen ergreifen. Wenn wir das auf zwei Standorte verlagern, haben wir eine Entlastung." Eventuell könne man, so der Landrat, den Notarztstandort mit Bereitschaftsdiensten von Hausärzten kombinieren.

Der Dorfener Chefarzt Ludwig Rudolf wandte jedoch ein, dass eine chirurgische Notfallversorgung schwierig werde, weil man in Wolfgang Kerschl nur einen Chirurgen habe. Ihn könne man nicht sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag einsetzen. "In meinen Augen wäre es sinnvoll, die ambulante Notfallversorgung zu ertüchtigen." Eine hausärztliche und internistische Notfallversorgung könnte man in Dorfen auch organisatorisch gestalten, sagte Rudolf.