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Windrad Malching

Die Windkraftanlage in Malching im Landkreis Fürstenfeldbruck beweist, dass die Stromerzeugung dort rentabel ist.

(Foto: Günther Reger)

Die einst ambitionierten Windkraftpläne im Landkreis schienen längst abgehakt und zu den Akten gelegt. Nun hat der Umwelt- und Klimaschutzausschuss des Dorfener Stadtrats einstimmig beschlossen, der Windenergie doch noch einmal eine Chance zu geben

Von Florian Tempel, Dorfen

Windkraft spielt im Landkreis Erding bei der Energieerzeugung keine Rolle mehr. So wie in ganz Bayern, seit der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer 2014 mit der 10 H-Regelung alle Ambitionen mit einem Handstreich erledigte. Für Hans Wiesmaier (CSU), Fraunberger Bürgermeister und Kreisvorsitzender des Gemeindetags, ist Windkraft eine zu Ende erzählte Geschichte. "Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich werde das Thema Windenergie sicher nicht vorantreiben", sagte er der SZ Erding, als Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) im vergangenen Herbst die neue Windkraftkampagne "Aufwind" startete. Wiesmaiers Meinung schien repräsentativ zu sein. Im Landkreis Erding ist Windkraft abgehakt. Obwohl man, um die Nutzung der Windkraft zu fördern, sogar eine eigene interkommunale Gesellschaft gegründet hatte, die Energievision Erding (EVE), deren Geschäftsführer Wiesmaier einmal war. Die Kommunalpolitik hatte zudem mühsam einen Teilflächennutzungsplan mit möglichen Standorte für Windkraftanlagen ausgetüftelt. Alles umsonst - und jetzt mag keiner mehr.

Am Mittwochabend hat der Umwelt- und Klimaschutzausschuss des Dorfener Stadtrats einstimmig beschlossen, es doch noch einmal mit der Windkraft zu probieren. Zumindest will man sich bemühen und die Aufwind-Initiative nicht einfach links liegen lassen. Zum einen bewirbt sich die Stadt Dorfen nun darum, ins staatliche Programm der sogenannten Windkümmerer aufgenommen zu werden, die Kommunen bei der Realisierung von Windkraftprojekten helfen. In jedem bayerischen Regierungsbezirk soll es einen Windkümmerer geben, der fünf bis sechs Kommunen unterstützen soll. Zum anderen wurde beschlossen, die Chancen für zwei konkrete Windradstandorte auszuloten: Auf dem Hügel bei Osendorf südlich der A 94, der mit Überschussmassen vom Autobahnbau aufgeschüttet worden ist, und im Nickelholz, einem Waldstück, das der Dorfener Nikolaistiftung gehört, aber auf Taufkirchener Gemeindegebiet liegt.

Beide Anträge kamen von GAL-Stadtrat und Umweltreferent Gerald Forstmaier. "Es ist ganz wichtig, dass man alle Potenziale der erneuerbaren Energien ausschöpft", sagte er und verwies darauf, dass "nach der Sonnenenergie die Windkraft das höchste Potenzial hat". Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) pflichtete dem grundsätzlich bei: "Windenergie gehört als weiteres Standbein dazu." Gleichwohl verwies er auf die Limitationen, wie die vorgeschriebenen Abstandsregeln.

Und schon war die Diskussion in Gang. Günther Drobilitsch (Landlisten) befand, es sei "zwar richtig die erneuerbaren Energien voranzutreiben, trotzdem muss man sich anschauen, ob das wirtschaftlich ist und Sinn macht". Skeptisch zeigte sich auch Walter Zwirglmaier (ÜWG), weil in der Dorfener Gegend wenig Wind wehe. Angesichts der "relativ geringen Effektivität", die eine Windkraftanlage hier haben werde, müsse man "schon überlegen, ob wir einen solchen Eingriff in unsere Landschaft machen". Gewerbereferent Martin Greimel (CSU) fand hingegen "die Idee an sich ist gut." Forstmaier bekräftigte, dass auch er nur für wirtschaftlich sinnvolle Windkraftanlagen sei. Alles andere wäre "absurd". Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass es passende Bedingungen an den genannten Standorten gebe.

Das Nickelholz sei ja schon vor Jahren im Teilflächennutzungsplan des Landkreis Erding als möglicher Platz für Windräder herausgearbeitet worden. Die 10 H-Regelung erschwere eine Realisierung, mache sie aber nicht unmöglich, sagte Forstmaier. Die Gemeinde Taufkirchen könnte dort mit einem Bebauungsplan etwas in Gang bringen. Die Anlieger müsste es natürlich gut heißen. Hierbei könnte womöglich der staatliche Windkümmerer mit Überzeugungsarbeit helfen. Wichtig sei es auch, so Forstmaier, den Wind auf Nabenhöhe eines möglichen Windrads zu messen. Das sei heutzutage mit Messgeräten vom Boden aus machbar.

Bürgermeister Grundner gab zu bedenken, dass man zu allererst bei der Nachbargemeinde anfragen müsste, ob dort überhaupt Bereitschaft bestehe, bei den Dorfener Windkraftüberlegungen mitzumachen. "Wir brauchen zunächst mal die Rahmenbedingungen", sagte Grundner.

Andernorts kommt die Windkraft wieder ganz real und konkret voran. Das geplante Windrad in einem Wald bei Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck scheint dort auf breite Zustimmung zu stoßen. Diesen Eindruck vermittelten am Dienstagabend etwa hundert Besucher vor dem Feuerwehrhaus, die sich dort über den aktuellen Sachstand informierten. Bauherr in spe ist eine Bürger-Energie-Genossenschaft. Im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es bereits Windkraftanlagen in Malching und in Mammendorf.

© SZ vom 10.07.2020

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