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Kita-Bedarf in Dorfen:Fabrikgelände statt Pausenwiese

Auf den freien Platz vor dem bestehenden Gebäude, in dem sich unter anderem die Lehrsäle der Beamten-Akademie befinden, soll noch ein weiteres, ganz ähnliches Bürogebäude entstehen - da wäre dann auch Platz für eine Kita.

(Foto: Renate Schmidt)

Immobilienentwickler Decker bietet Dorfen eine ungewöhnliche Kita-Lösung an: Statt im Außenbereich der Grundschule am Mühlanger Container aufzustellen, könnte die dringend benötigte Krippe in einem von ihm geplanten Bürogebäude untergebracht werden

Von Florian Tempel, Dorfen

Robert Decker weiß, wie es geht, und hat die Lösung parat, noch bevor sie vom Bauausschuss des Dorfener Stadtrats diskutiert und beschlossen ist. Am Mittwochabend geht es in der Sitzung (Beginn 19 Uhr in der Aula der Mittelschule) um einen besseren Standort für eine provisorische Container-Kita als ausgerechnet auf der Pausenwiese der Grundschule am Mühlanger. Der Dorfener Immobilienunternehmer bietet der Stadt an, die benötigte Kita in einem neuen Bürogebäude auf dem Meindl-Gelände unterzubringen. Die Stadt müsse das Angebot nur noch annehmen, sagte Decker bei einem Pressetermin am Montag, bei dem es eigentlich um ein Appartementhaus für Studenten der Wasserburger Akademie für Sozialverwaltung ging, die seit vergangenem Herbst in Dorfen eine Dependance hat.

Weil im Februar unerwartet viele Kleinkinder in Dorfen für einen Krippenplatz angemeldet worden waren, war man in der Stadtverwaltung auf die Idee gekommen, auf der Pausenwiese der Grundschule am Mühlanger eine sogenannte Interimskita in Modulbauweise zu errichten. Die Zeit drängt, die zusätzliche Krippe muss im September fertig sein. Gegen diese Pläne regte sich allerdings erheblicher Widerstand. Die Schulleitung und der Elternbeirat fanden eine Container-Kita auf der Pausenwiese der Grundschule gar nicht gut, sondern maximal schlecht. Mangels Alternativen hatte der Bauausschuss im März allerdings mehrheitlich dem Standort Pausenwiese zugestimmt. Bei der Erwägung, wo man binnen eines halben Jahres eine provisorische Kita aufbauen könne, sei einzig und allein die Grundschule am Mühlanger übrig geblieben, hatte Bauamtsleiter Franz Wandinger erklärt.

Der zweite Bürgermeister Ludwig Rudolf (CSU) hatte als Alternative den asphaltierten Platz im Norden der Grundschule ins Gespräch gebracht. Dort könnte man zwar technisch relativ einfach einen provisorische Kita errichten. Doch die Fläche gehört dem ESC Dorfen. Und man brauche den Platz ja außerdem jedes Jahr im August "für den Vergnügungspark des Volksfestes", sagte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Martin Heilmeier (Landlisten) hatte vorgeschlagen, die Container-Kita in der Grünanlage am Pfarrer-Eigner-Weg zu errichten. Dort wäre jedoch ein zeitintensives Genehmigungsverfahren notwendig, erklärte Wandinger, so sei es niemals bis September zu schaffen.

Auch bei Deckers Angebot, die Kita in einem geplanten neuen Bürobau neben dem Gebäude, in dem sich die Lehrsäle der Beamten-Akademie befinden, zu integrieren, braucht es ein Genehmigungsverfahren. Nicht für das Bürogebäude. Das dürfe er mehr oder weniger genehmigungsfrei errichten, sagte Decker, weil es für das Gelände einen Bebauaungplan als Gewerbegebiet gebe. Büros könne er dort jederzeit bauen. Für eine Kita-Nutzung muss allerdings eine Änderung des Bebauungsplans her, räumte Decker ein.

Das neue Gebäude soll, wie das bestehende Bürogebäude und das Appartementhaus daneben, ebenfalls in Modulbauweise entstehen. Die containergroßen Module werden in Deckers "Timber Town"-Betrieb produziert, der sich ebenfalls auf dem Meindl-Gelände befindet. Die einzelnen Module werden, je nachdem ob sie als Lehrsaal, Wohnung oder eben Kita-Gruppenraum dienen sollen, komplett ausgestattet vorgefertigt und lassen sich dann relativ schnell zu einem Gebäude zusammenbauen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Module weitgehend aus Holz bestehen.

Seit vergangenem Herbst schon steht ein erstes dreistöckiges Gebäude, das unter anderem die Lehrsäle der Beamten-Akademie beherbergt. Weitere Räume werden als Büros genutzt. Bald werde eine ganze Firma mit Dutzenden Mitarbeitern in die noch leer stehenden Räume einziehen. Der Standort in der Nähe des Dorfener Bahnhofs sei so attraktiv, sagte Decker, dass es weitere Interessenten gebe, für die er ein weiteres gleichartiges Bürogebäude daneben platzieren möchte. Da könne auch die Kita rein.

Zudem verdoppelt Decker auch die Kapazitäten für die Akademie für Sozialverwaltung. Die Einzimmer-Appartements, in denen die Beamten-Studenten während der Präsenzphasen in Dorfen wohnen, sollen von Mitte Mai an bezugsfertig sein. Zunächst stehen 54 kleine Wohnungen zur Verfügung. Die Appartements sind mit einem Duschbad, einer Miniküche, einem Einbauschrank und einem ausklappbaren Schrankbett ausgestattet.

© SZ vom 14.04.2021
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