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Kirche:"Es würde der Kirche gut tun"

Renate Emehrer

Die studierte Theologin Renate Emehrer hat als Pastoralassistentin kirchenrechtlich gesehen kein Amt, sondern ist Laie.

(Foto: Tempel)

Der katholische Klerus ist eine reine Männerwelt. Papst Franziskus will nun prüfen lassen, ob auch Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können. Ein Gespräch mit der Dorfener Pastoralassistentin Renate Emehrer

Nach katholischer Lehre kann das Sakrament der Weihe nur von einem Mann empfangen werden. Es gibt drei Stufen: Die Weihe zum Diakon, zum Priester und zum Bischof. Die Weihe zum Diakon ist zum einen die Vorstufe vor einer Priesterweihe, es gibt aber auch sogenannte ständige Diakone in Pfarreien. Papst Franziskus hat bei einem Treffen mit Ordensfrauen in Rom angekündigt, eine Kommission einrichten zu wollen, die die Frage, ob auch Frauen zu Diakoninnen geweiht werden könnten, historisch und theologisch untersuchen soll. Die SZ hat Renate Emehrer, Pastoralassistentin in der Pfarrei Maria Dorfen, dazu interviewt.

SZ: Ist die Ankündigung von Papst Franziskus eine echte Nachricht?

Renate Emehrer: Ich finde es schon bemerkenswert, dass er das prüfen lassen will. Wir verbinden ja mit diesem Papst die Hoffnung, dass sich manche Strukturen vielleicht verändern werden.

Eine bislang feste Struktur in der katholischen Kirche ist, dass der Klerus eine reine Männerwelt ist. Wie ist es theologisch begründet, dass nur Männer geweiht sein können?

Jesus war ein Mann und die zwölf Apostel waren auch Männer. In der katholischen Kirche handelt der Priester in Stellvertretung Christi. Das priesterliche Amt wird in Sukzession von Jesus und der Apostel gesehen.

Spielt Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau keine Rolle? Ist das für die katholische Kirche nicht von Notwendigkeit?

Ich finde auf jeden Fall, das wäre notwendig. Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Zu Paulus' Zeiten mag es noch eine patriarchale Gesellschaft gewesen sein, aber das hat sich geändert. Daher denke ich auch, dass das Nachdenken über den Diakonat der Frau zumindest das richtige Zeichen ist.

Gesellschaftliche Gleichberechtigung ist ein relativ modernes Konzept, ein Ergebnis eines langen politischen Prozesses. Kann man Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau auch theologisch gut begründen?

Das ist schon im Schöpfungsbericht begründet. Dort heißt es: Gott erschuf den Menschen als Mann und Frau - als sein Abbild. Ich würde sagen, das ist die erste theologische Begründung für Gleichberechtigung.

Wie ist es denn historisch. Gab es Diakoninnen in früherer Zeit?

Die Forschung ist sich ziemlich einig, dass es das in der Urkirche gab. Im Römerbrief werden Andronikus und Junia - das ist ein in der Antike verbreiteter Frauenname - erwähnt, die "angesehen unter den Aposteln sind". Und Phoebe wird im gleichen Brief von Paulus als Diakonin von Kenchreä bezeichnet. Auch in der frühen Kirche bis ins Mittelalter sind nicht wenige Diakoninnen belegt.

Sie sind Pastoralassistentin, Sie haben eine volles Theologiestudium absolviert. Was ist Ihr Berufsbild?

Ich arbeite in der Seelsorge in einer Pfarrei mit. Zu meinen Aufgabenfeldern gehören zum Beispiel der Religionsunterricht an Grund- und Mittelschulen, die Vorbereitung auf die Sakramente Erstkommunion und Firmung und die Begleitung Kranker und Sterbender sowie Beerdigungen und andere Wort-Gottes-Feiern.

Worin unterscheidet sich ein ständiger Diakon von einem Pastoralreferenten?

Dadurch, dass er die Weihe hat, gehört er zum kirchlichem Amt, zum Klerus. Er darf das Sakrament der Ehe und der Taufe spenden. Wir dürfen das nicht.

Diakone dürfen auch verheiratet sein.

Der Zölibat gilt eigentlich auch für Diakone. Aber wenn ein Diakon schon verheiratet ist, bekommt er einen sogenannten Dispens, er wird vom Zölibat entbunden.

Ein ständiger Diakon muss zudem nicht unbedingt Theologie studiert haben. Ein Mann kann einen zivilen Hauptberuf haben und zum gewissermaßen nebenberuflichen Diakon geweiht werden.

Ja, das ist so. Aber er muss vorher über den Würzburger Fernkurs eine Studium absolvieren. Dazu kommt eine begleitende Ausbildung.

Der katholische Klerus ist eine Männerwelt, aber im großen Rest sind doch sehr viele Frauen in der Kirche aktiv?

An der Basis sind ein ganz großer Anteil Frauen, die die Pfarreien mitragen. Auch von daher denke ich, ist es ganz wichtig, dass die weibliche Seite noch stärker Stimme bekommt. Ich glaube, es würde der Kirche gut tun und ihr zum Positiven dienen.

Bislang gehören nicht einmal die Äbtissinnen der Frauenorden zum Klerus. Werden denn Ordensfrauen nicht in irgendeiner Art und Weise geweiht?

Man spricht schon von der Äbtissinnenweihe, aber das ist keine sakramentale Weihe, das ist mehr eine Beauftragung. Die Abtweihe steht hingegen etwa einer Bischofsweihe gleich. Kirchengeschichtlich geht man davon aus, dass die Weihe der großen Äbtissinnen nahe an der sakramentalen Weihe lag. Ich würde mich freuen, wenn sich etwas in dieser Richtung ändern würde.

Auch wenn eine Weihe von Frauen letztlich nur Äbtissinnen betreffen würde?

Erst mal wäre das ein Schritt in die richtige Richtung.

Weil dieser Schritt etwas zum Ausdruck bringen würden, in der Anerkennung von Frauen in der Kirche?

Auch Frauen können spirituelle Vorbilder und Wegbereiterinnen sein. Die Weihe hat in der katholischen Kirche nicht nur den kirchenrechtlichen Aspekt der Zugehörigkeit zum Amt. Sie ist eigentlich ein spiritueller Akt. Mit der Weihe kommt einem Menschen eine bestimmte Würde zu, ein von Gott besonderes Beauftragt-Sein.

© SZ vom 23.07.2016

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